Januar-Rally - Credit Suisse wird bei Aktien vorsichtiger

Nach dem äusserst guten Jahresstart werden bei der Credit Suisse Aktien in den Kundendepots nicht länger übergewichtet. Das CS-Anlagekomitee nennt gleich mehrere Gründe für die vorsichtigere Einschätzung.
12.02.2019 08:20
Von Lorenz Burkhalter
CS-CEO Tidjane Thiam.
CS-CEO Tidjane Thiam.
Bild: Bloomberg

Zuerst die gute Nachricht: Rund um den Globus konnten die Aktienmärkte den Einbruch vom Dezember wieder wettmachen. Auch in der Schweiz trennen den breit gefassten Swiss Performance Index (SPI) nur noch wenige Prozent vom Rekordhoch von Ende Januar letzten Jahres bei 11'040 Punkten. Seit Jahresbeginn errechnet sich ein Plus von fast 8 Prozent.

Die schlechte Nachricht: In wenigen Wochen - besser gesagt am 1. März - läuft das Stillhalteabkommen zwischen den USA und China ab. Eine Einigung in letzter Minute zeichnet sich nicht ab. Vielmehr scheint eine Eskalation im Handelsstreit zwischen den beiden Wirtschaftssupermächten wahrscheinlich, zumal die US-Regierung in den letzten Tagen unverhohlen mit einer Erhöhung der Strafzölle gegen China drohte. Das könnte an den Börsen wieder zu Verwerfungen führen.

Weiterhin attraktive Gesamterträge erwartet

Die drohende Eskalation im Handelsstreit zwischen den USA und China ist nur ein Grund, weshalb das Anlagekomitee der Credit Suisse zu einer ausserplanmässigen Sitzung zusammenkam. Man habe an der Sitzung beschlossen, bei der übergewichteten Position an den Aktienmärkten Gewinne mitzunehmen und zu einer neutralen Allokation überzugehen, so schreibt die Grossbank ihrer Anlagekundschaft nun.

Obwohl die Credit Suisse im weiteren Jahresverlauf weiter mit attraktiven Gesamterträgen an den globalen Aktienmärkten rechnet, nimmt sie einen Teil der seit Jahresbeginn erzielten Gewinne mit, um eigenen Aussagen zufolge "Raum für neue Opportunitäten zu schaffen".

Neben der verstreichenden Frist bei den US-Strafzöllen gegen China begründet die Grossbank ihre vorsichtigere Haltung gegenüber Aktien auch mit den politischen Spannungen in Italien, Frankreich und Deutschland sowie mit der anhaltenden Unsicherheit rund um den Austritt Grossbritanniens aus der Europäischen Union.

Investmentbank der Credit Suisse schon etwas länger vorsichtig

Unbehagen bereitet der Credit Suisse zudem die verhaltene Entwicklung der Unternehmensgewinne. Erst am Montag hatte die US-Investmentbank Morgan Stanley ihre diesjährigen Wachstumserwartungen für die europäischen Unternehmensgewinne von vier auf ein Prozent reduziert.

Mit der vorsichtigeren Haltung für die Aktienmärkte schwenkt das der Universalbank Schweiz angeschlossene Anlagekomitee auf die Linie der Kollegen aus dem Investment Banking der Credit Suisse. Diese raten bereits seit Wochen zu einer Reduktion von Aktienpositionen in Stärken (cash berichtete).

Wegen der weltweit rückläufigen Überschussliquidität halten die dem Investment Banking unterstellten Strategen gar einen Börsenrücksetzer im Umfang von 15 Prozent für möglich. Gefahren sehen sie dabei von den rückläufigen Gewinnerwartungen, dem starken Lohnwachstum in Nordamerika sowie den Risikoaufschlägen bei Anleihen von Schuldnern mit eher mässigen Bilanzen ausgehen.