Japanische Notenbank verschiebt Inflationsziel einmal mehr

Die japanische Notenbank (BoJ) hat ihr Inflationsziel erneut auf die lange Bank geschoben. Zudem bestätigte sie ihren sehr lockeren geldpolitischen Kurs.
01.11.2016 07:12
Schild von der Bank of Japan in Tokio.
Schild von der Bank of Japan in Tokio.
Bild: Bloomberg

Trotz der extrem lockeren Geldpolitik wird sich die Teuerung in Japan nach Einschätzung der Zentralbank wohl frühestens Ende 2018, aber wahrscheinlich sogar erst Anfang 2019 der angepeilten Marke von zwei Prozent nähern. Dies geht am Dienstag aus der Mitteilung nach Abschluss der zweitägigen Sitzung der Währungshüter in Tokio hervor.

Eigentlich sollten die Preise für Konsumgüter ohne frische Lebensmittel bereits Anfang 2017 wieder um rund zwei Prozent zulegen. Ihren im September leicht korrigierten sehr lockeren Kurs der Geldpolitik bestätigte die Notenbank.

Zuletzt lag die Teuerung in Japan bei null Prozent beziehungsweise die Preise gingen grösstenteils sogar zurück. Dies ist unter anderem ein Zeichen einer schwachen Nachfrage im Inland und birgt zum Beispiel die Gefahr, dass Verbraucher Kaufentscheidungen aufschieben und damit die Wirtschaft weiter lähmen. Da die Preise in vielen Ländern auf der Stelle treten, orientieren sich derzeit viele Notenbanken weltweit - wie auch die Europäische Zentralbank (EZB) - bei ihrer Politik unter anderem an einem Inflationsziel.

Notenbankchef Haruhiko Kuroda hatte die zeitliche Vorgabe für eine höhere Inflation, die ein Beleg für ein Ende der seit Jahren anhaltenden Stagnation wäre, bereits mehrmals verschoben. Mit dem neuen Zeitplan sieht es so aus, dass er es nicht mehr in seiner aktuellen Amtsperiode schaffen wird, dieses Ziel zu erreichen. Kuroda kämpft gemeinsam mit der Regierung seit Jahren darum, die lahmende Wirtschaft des Landes zu beleben - zuletzt fielen die Konjunkturdaten aber grösstenteils enttäuschend an.

Da die Notenbank die Belebung der Wirtschaft unter anderem mit massiven Anleihekäufen erreichen will, waren die Renditen japanischer Staatsanleihen mit langer Laufzeit zuletzt deutlich ins Minus gerutscht. Dies ist vor allem für die Banken ein Problem.

Um diesen Trend zu stoppen, hatte sich die Notenbank vor kurzem mehr Spielraum verschafft. Mit dem Ziel, die Renditen von zehnjährigen Anleihen nicht noch weiter zu drücken, könnten die Notenbanker künftig verstärkt Wertpapiere mit kürzeren Laufzeiten kaufen. Denkbar ist auch, dass die Notenbanker stärker auf risikoreichere Wertpapiere wie Indexfonds auf Aktien (ETFs) setzen.

(AWP)