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Jetzt Aryzta-Aktien ins Körbchen legen?

Aufgrund hausgemachter Probleme ist Aryzta an den Märkten in Ungnade gefallen. cash sagt, welche Anleger sich dennoch ein paar Aktien in den Einkaufskorb legen sollten.
18.06.2015 08:20
Von Lorenz Burkhalter
In den letzten Wochen tief in der Gunst der Anleger gefallen: Der Backwarenhersteller Aryzta.

Wer am Sonntagmorgen an der Tankstelle frische Brötchen kaufen geht, erhält mit grosser Wahrscheinlichkeit Produkte von Aryzta. Doch nicht nur hier in der Schweiz geniessen die Backwaren des in Zürich beheimateten Unternehmens grosse Beliebtheit. Schon seit Jahren beliefert es auch namhafte amerikanische Grosskunden wie McDonald's und Starbucks.

So richtig Freude will bei den Aktionären dennoch nicht aufkommen. Das erstaunt nicht, hat die Aktie von Aryzta doch alleine im laufenden Monat gut 16 Prozent eingebüsst. Seit Jahresbeginn ist der Börsenwert des Backwarenherstellers sogar um einen Drittel geschrumpft.

Nicht mehr länger der Liebling aller Banken

Auf den ersten Blick wurden die Anfang Juni für das dritte Quartal des Fiskaljahres 2014/15 veröffentlichten Umsatzzahlen den Erwartungen zwar gerecht. Allerdings lag der Teufel wie gewohnt im Detail: Organisch bildete sich der Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 2,3 Prozent und damit stärker als befürchtet zurück. Und als ob das nicht schon genug wäre, reduzierte Aryzta auch gleich noch die firmeneigene Gewinnprognose für das Gesamtjahr.

In den letzten Wochen warfen deshalb gleich mehrere zuvor optimistisch gestimmte Analysten das Handtuch. Jüngstes Beispiel ist jener der Berenberg Bank. Es ist noch keine 24 Stunden her, dass er die Aktie von "Buy" auf "Hold" herunterstufte und das Kursziel auf 57 (78) Franken senkte.

Aryzta ist damit nicht mehr länger der Liebling aller Banken, wie das noch vor wenigen Wochen der Fall war. Mittlerweile empfehlen nur noch fünf von acht Analysten die Aktie zum Kauf. Verkaufsempfehlungen sucht man weiterhin vergeblich.

Günstig bewertete Aktie mit Potenzial

Der Grund, dass keine Bank der Kundschaft zum Verkauf der Aktie rät, dürfte bei der günstigen Bewertung liegen. Denn während der Börsenwert des Backwarenherstellers gut einen Drittel unter dem Stand von Anfang Jahr liegt, strichen Analysten ihre Gewinnschätzungen nur rund 17 Prozent zusammen. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der nächstjährigen Erwartungen von 12, weist die Aktie von Aryzta einen Bewertungsabschlag von gut 40 Prozent gegenüber vergleichbaren Konkurrenten auf.

Nach zwei eher schwierigen Quartalen in Folge sollte die Geschäftsentwicklung im Schlussquartal des Fiskaljahres 2014/15 die Talsohle durchschreiten. Auch von den in den letzten Jahren eingeleiteten Restrukturierungs- und Kosteneinsparmassnahmen dürfen Anleger in Zukunft einiges erwarten.

Noch scheint eine Dividendenerhöhung kein Thema für das Unternehmen zu sein. Schon seit Jahren schüttet es gerade mal einen Viertel des Jahresgewinns an die Aktionäre aus. Das lässt sich vor allem mit der eher hohen Fremdverschuldung von Aryzta erklären. Der kürzliche Verkauf von Teilen der an der Tochter Origin gehaltenen Beteiligung verspricht diesbezüglich allerdings Besserung.

Es liegt auf der Hand, dass die Aktie nicht von heute auf morgen wieder zu ihren letztjährigen Höchstkursen von 90 Franken aufschliessen wird. Für Anleger mit etwas Geduld und guten Nerven hat der in Ungnade gefallene Börsenliebling dennoch seinen Reiz.