Jetzt auf diese «Bad Boys»-Aktien setzen?

Sie alle haben in den letzten Jahren wegen grossen Skandalen für Aufsehen gesorgt - und damit an Börsenwert sowie an Ansehen eingebüsst. Wie es diesen Firmen heute geht und wo sich ein Einstieg als Aktionär lohnt.
12.05.2016 12:57
Von Pascal Züger
BP kam 2010 wegen der Explosion einer Ölplattform am Golf von Mexiko negativ in die Schlagzeilen.
BP kam 2010 wegen der Explosion einer Ölplattform am Golf von Mexiko negativ in die Schlagzeilen.
Bild: facebook

Börsenkotierte Firmen achten sehr auf die Pflege des eigenen Images. Ein guter Ruf schafft Vertrauen bei Anlegern sowie Kunden und fördert gleichzeitig auch die Motivation der eigenen Mitarbeiter. Zusätzlich können Unternehmen auch als Teil der Gesellschaft angesehen werden, welche eine soziale Verantwortung zu tragen haben. In der Fachsprache wird dies "Corporate Social Responsibility" genannt.

Nur gibt es immer wieder Fälle, in denen Firmen dieser Verantwortung nicht nachkommen – was in einem regelrechten Desaster enden kann. Aufgedeckte Skandale bei Unternehmen rütteln stark an deren Reputation und vernichten dann einiges an Börsenwert.

Doch gerade Aktienmärkte tendieren zu Überreaktionen in solchen Fällen. Will heissen: Fallen die Kurse zu tief, könnte dies auch eine Einstiegsmöglichkeit für Anleger bedeuten - zumal sich die betroffenen Unternehmen hüten werden, nochmals mit Negativschlagzeilen in Verbindung gebracht zu werden.

Hier die Börsen-Aussichten von vier Firmen, welche durch hausgemachte Skandale noch immer gegen den Ruf als "Bad Boys" zu kämpfen haben:

Der "Dieselgate" von Volkswagen

Als im September 2015 bekannt wurde, dass der Volkswagen-Konzern im grossen Stil Diesel-Motoren manipuliert hatte, stürzte die VW-Aktie ins Bodenlose. Innerhalb von nur wenigen Handelstagen löste sich die Hälfte der Marktkapitalisierung in Luft auf. Seither hat sich der Titel allerdings stabilisiert. In den letzten vier Wochen legte er gar um 15 Prozent zu (Euro im Vorjahr auf neu 0,17 Euro pro Aktie. Die Rückstellungen für Dieselgate waren im ersten Quartal noch einmal um 9,5 Milliarden Dollar erhöht worden und belaufen sich nun auf insgesamt 16,2 Milliarden Euro. Die Privatbank Berenberg überraschte diese Woche mit einem einem Kursziel von 210 Euro für die VW-Vorzugsaktie (derzeit: 129 Euro). Der Analyst geht davon aus, dass die Talsohle für die Aktien von Volkswagen durchschritten ist, weil die finanziellen Belastungen aus dem Abgasskandal mittlerweile weitgehend klar seien.

Fazit: VW versuchte bereits, möglichst viele schlechte Neuigkeiten publik zu machen. Möglich, dass dadurch der Titel leicht unterbewertet ist. Für Zocker eine Überlegung wert.

Die Ölpest von BP

Zwar ist die Explosion einer BP-Ölbohrplattform am Golf von Mexiko nun bereits sechs Jahre her. Es war quasi der Super-GAU für das britische Ölunternehmen: 800 Millionen Liter Öl verschmutzten das Meer. 2015 folgte dann schliesslich die Rekordstrafzahlung von knapp 21 Milliarden Dollar an die US-Umweltschutzbehörde USEPA. Wirklich erholt hat sich die Aktie seither nicht. Einen Kurs von 7,30 Euro wie kurz vor der Katastrophe erreichte der Titel nie mehr. In den letzten 12 Monaten büsste der BP-Titel wieder 22 Prozent ein. Doch der Aktienkurs litt auch am allgemeinen Zerfall der Ölpreise. Dies führte bei BP zu rigorosen Sparmassnahmen: Stellen wurden gestrichen und Investitionen zurückgefahren. Im ersten Quartal 2016 fuhr man nun einen Verlust von 583 Millionen Dollar ein. 

Fazit: Eine rigorose Kostenkontrolle bei einem sich erholenden Ölpreis könnte die BP-Titel wieder etwas in Fahrt bringen. Doch zum Erfolg sind Investitionen oder Zukäufe notwendig. Ein Pluspunkt ist die stabile Dividende.

Die Bilanzfälschung bei Toshiba

Der japanische Technologiekonzern Toshiba wurde 2015 durch einen schweren Bilanzskandal erschüttert. Laut Untersuchungskommission wurde der Nettogewinn über sieben Jahre durch Bilanztricksereien um mehr als 155 Milliarden Yen aufgebläht. Derzeit ist eine grössere Sanierung im Gange: Der Bereich Medizintechnik wurde verkauft, die Fernseh-Produktion im Ausland eingestellt und auch die verlustbringende PC-Sparte wird konsolidiert. Künftig will man im Bereich Speicherchips wachsen. Mitte Februar erreichte die Aktie nach einer beispiellosen Talfahrt ihren Tiefstand, nach Bekanntgabe der Neuausrichtung ist ein Gegentrend zu beobachten. Der Titel legte zeitweise bis fast 40 Prozent zu.

Fazit: Wer an den Erfolg der Neuausrichtung der japanischen Traditionsmarke glaubt, sollte zugreifen. Aber radikale Neuausrichtungen sind natürlich nicht risikofrei. Analysten meinen zudem, Toshiba müsse seine Kapitaldecke stärken. 

Die dubiosen Machenschaften von Valeant

Den stärksten Kurseinsturz von allen Skandalfirmen erlebte Valeant Pharmaceuticals. Die Aktie hat in einem Jahr um ganze 87 Prozent an Wert eingebüsst, wie auch aus folgender Grafik ersichtlich wird:

Entwicklung der Valeant-Aktie in den letzten 12 Monaten (Bild: cash.ch)

In die Kritik kam das Geschäftsmodell der Kanadier: Gezielt werden kleinere Anbieter oder Rechte an Medikamenten gekauft. Die Absatzpreise der Produkte werden dann für den Verkauf mächtig erhöht und hohe Gewinnmargen eingeheimst. Als die Firma ob dieses Gebarens dann des Wuchers bezichtigt wurde, ging es mit der Aktie nur noch runter. Dazu werden Valeant auch noch Bilanzfälschungen vorgeworfen. Das kriselnde Pharmaunternehmen, von welchem übrigens auch die Schweizerische Nationalbank Titel besitzt, hat seit Ende April mit Joseph Papa einen neuen CEO. Dieser soll der Firma eine neue Strategie geben. Doch das wird nicht leicht, der Schuldenberg beläuft sich derzeit auf über 30 Milliarden Dollar. Nun sollen einige Geschäftsaktivitäten abgestossen werden. Unter den Interessenten soll auch Nestlé sein.

Fazit: Momentan spricht wenig für eine Kurserholung. Vielmehr muss man das Schlimmste für die Firma befürchten. Finger weg!

Kursentwicklung ausgewählter Skandal-Firmen

  Performance, in %
Titel 4 Wochen seit 1.1.2016 52 Wochen
BP -3 0 -22
Toshiba -4 -12 -48
Valeant -16 -73 -87
Volkswagen +15 -4 -41

Quelle: cash.ch, Stand 11.5.2016