«Jetzt bei Europa-Aktien zukaufen!»

Eine amerikanische Grossbank verteidigt die europäischen Börsen vehement. cash sagt, weshalb sie gerade bei den Bankaktien mit deutlich höheren Kursen rechnet.
23.06.2015 08:28
Von Lorenz Burkhalter
Die einzige namentlich in der Strategiestudie von Morgan Stanley genannte Schweizer Aktie: Jene des Softwareherstellers Temenos.

Die Hoffnung auf eine baldige Beilegung des Schuldenstreits mit Griechenland zündete am Montag an den europäischen Börsen ein kleineres Kursfeuerwerk. Bei Handelsende lag der Deutsche Aktienindex um 3,2 Prozent über dem Schlussstand vom Freitag. Der breiter gefasste Euro Stoxx 50 Index schoss sogar um über 4 Prozent in die Höhe.

Nun melden die Strategen von Morgan Stanley in einem Kommentar zu Wort. Ihre Schlüsselbotschaft an die Anlagekundschaft: "Es ist noch nicht zu spät, jetzt bei europäischen Aktien zuzukaufen."

Anlegerstimmung noch immer gedrückt

Kursseitigen Nachholbedarf machen die Experten vor allem im europäischen Bankensektor aus. In den Aktienportfolios wird die Branche deshalb "maximal" übergewichtet.

Seit vergangener Woche befinde sich der bankeigene Stimmungsindikator in einer überverkauften Situation. Die schlechte Anlegerstimmung und die Diskrepanz zwischen der Volatilität an den Aktienmärkten dies- und jenseits des Atlantiks sei ungewohnt und biete eine günstige Kaufgelegenheit, so ist dem Kommentar weiter zu entnehmen.

Defensive Aktien mit schwerem Stand

Die Strategen setzen dabei auf Aktien, welche von den eigenen Analysten mit "Übergewichten" zum Kauf empfohlen werden, in den vergangenen drei Monaten aber schlechter als der breite Markt abgeschnitten haben. Dazu zählen jene von Norsk Hydro, Pearson, Deutsche Wohnen, Vopak, Philips und Rexel.

Allen Erwartungen zum Trotz traf der jüngste Rückschlag an den Börsen die Aktien weitestgehend von der Konjunktur unabhängiger Unternehmen unerwartet stark. Bei Morgan Stanley macht man die zuletzt wieder steigenden Zinsen für dieses seit 1986 nie mehr so schwache Abschneiden verantwortlich. Die Experten raten der eigenen Anlagekundschaft zu Aktien mit einer positiven Korrelation zur Zinsentwicklung wie jenen von Temenos, Kion, Atos, ITV, SAP, ASML, Spectris, Philips, Rightmove oder Playtech.

Bankaktien eine sichere Wette für jede Marktlage

Die beste aller Welten für Anleger machen die Strategen jedoch bei den europäischen Bankaktien aus. Ein Blick in die Vergangenheit zeige, dass der Sektor in Zeiten steigender Zinsen sowohl in höhere als auch in rückläufige Märkte hinein überdurchschnittlich gut abschneidet. Die Experten empfehlen deshalb ein "maximales" Übergewicht europäischer Bankaktien in den Aktienportfolios.

Aus Schweizer Sicht fallen die Prognosen von Morgan Stanley eher ernüchternd aus. Die von den Amerikanern eher kritisch beurteilten defensiven Aktien aus den Sektoren Pharma und Nahrungsmittel machen beim Swiss Market Index (SMI) etwas mehr als die Hälfte der Gesamtkapitalisierung aus. Die stark favorisierten Bankaktien tragen hingegen nur gerade 11 Prozent zur Entwicklung des Börsenbarometers bei. Dass mit Temenos im Kommentar nur eine einzige Schweizer Aktie namentlich erwähnt wird, sagt einiges.