Jetzt bei Facebook, Apple & Co einsteigen?

Sie gelten als die Stars an der Börse in New York: Facebook, Apple und Google. Doch deren Kurse sind in letzter Zeit wie andere Aktien deutlich gefallen. Ein Überblick.
28.08.2015 09:26
Von Lorenz Burkhalter
Mit der Hilfe von Goldman Sachs bereits wieder in der Nähe der Höchstkurse: Die Aktie des Internetkonzerns Google.
Mit der Hilfe von Goldman Sachs bereits wieder in der Nähe der Höchstkurse: Die Aktie des Internetkonzerns Google.
Bild: Bloomberg

Am vergangenen Montag schrieb Facebook Geschichte. Erstmals wurde das Online-Netzwerk an einem einzigen Tag von einer Milliarde Menschen gleichzeitig genutzt. Doch nicht nur im Alltag, auch an der Börse sind Firmen wie Facebook, Apple oder Google nicht mehr wegzudenken. Alleine die Aktien dieser drei Unternehmen sind beim Nasdaq-100-Index für einen Viertel der gesamten Börsenkapitalisierung verantwortlich.

Von Januar bis August dieses Jahres trugen die Indexschwergewichte mehr als die Hälfte zum kräftigen Plus von 600 Milliarden Dollar bei der Gesamtkapitalisierung des bekannten Technologiebarometers bei. Mit anderen Worten: Mit den Aktien dieser drei Börsenstars liess sich gutes Geld verdienen. Im Zuge des jüngsten Börsenrückschlags hat der Höhenflug von FacebookApple und Google allerdings ein jähes Ende genommen.

Apple-Aktie mal kurz unter 100 Dollar

Am schlimmsten erwischte es die Aktie von Apple. Sie verletzte am vergangenen Montag schon vorbörslich die magische Marke von 100 Dollar und tauchte kurz nach Handelsbeginn vorübergehend auf 92 Dollar. Erst als der legendäre CNBC-Moderator Jim Cramer vor laufender Kamera aus einem persönlichen Schreiben von Apple-Chef Tim Cook vorlas, setzten aggressive Käufe ein. Dieses Schreiben hatte es denn auch in sich, wusste Cook darin allen Unkenrufen zum Trotz doch von einer Absatzbeschleunigung im Schlüsselmarkt China zu berichten.

Obschon sich die Aktie von Apple seit den Tiefstkursen von Montag um 23 Prozent erholt hat, notiert sie noch immer knapp 20 Prozent unter der Bestmarke von Ende April dieses Jahres. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 12 auf Basis der nächstjährigen Gewinnschätzungen ist das amerikanische Kultunternehmen nun günstiger bewertet.

Beim Flaggschiff-Produkt iPhone und bei den Tablet-PCs mischen allerdings immer mehr ernstzunehmende Mitbewerber mit. Ausserdem ist zumindest in den Schwellenländern ein Trend weg vom Hochpreissegment zu beobachten. Hauptattraktion bleibt die prall gefüllte Barmittelschatulle, welche weitere Aktienrückkäufe oder Sonderdividenden zulässt. Fantasie geht vom alljährlichen Medienspektakel aus, welches für den 9. September angesetzt ist.

Goldman Sachs haucht Google neues Leben ein

Bei den Aktienanalysten steht Apple weiterhin hoch im Kurs. Gemäss Erhebungen von Thomson/First Call empfehlen von 49 Experten nicht weniger als 36 die Aktie zum Kauf. Das höchste Kursziel liegt bei 195 Franken und damit um mehr als 70 Prozent über dem Schlussstand von Donnerstagnacht. Nur ein einziger Analyst hat eine Verkaufsempfehlung für das amerikanische Kultunternehmen ausstehend.

Auch die Aktie von Google geriet vorübergehend unter starken Verkaufsdruck. Die Kursnotierungen fielen innerhalb von gerademal drei Handelstagen um 13 Prozent auf 593 Dollar, bevor eine Gegenbewegung einsetzte. Für die nötigen Impulse sorgte Goldman Sachs. Die vermutlich mächtigste Investmentbank der Welt stufte die Aktie des Internetkonzerns von "Neutral" auf "Buy" hoch und setzte diese auch gleich auf die viel beachtete "Conviction Buy List". Bei Goldman Sachs traut man der Aktie über die nächsten 12 Monate einen Anstieg um 30 Prozent auf 800 Dollar zu.

Erst kürzlich verpasste sich Google eine neue Unternehmensstruktur. Analysten glauben, dass sich dadurch Dienste wie die Suchmaschine oder der Videokanal YouTube besser zu Geld machen lassen. Das spiegelt sich aber schon heute in der Bewertung wider, errechnet sich auf Basis der nächstjährigen Konsensschätzungen doch ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 20. Damit ist die Aktie weder günstig noch wirklich teuer.

Facebook rollt das Feld von hinten auf

Analysten haben eine klare Meinung: Von 50 den Internetkonzern Facebook abdeckenden Experten raten 44 zum Kauf der Aktie. Negative Empfehlungen sucht man in den Statistiken von Thomson/First Call vergeblich.

Den Aktionären der ersten Stunde dürfte der Börsengang von Facebook noch immer in den Knochen stecken. Im Frühsommer 2012 zu je 38 Dollar herausgegeben, kostete die Aktie des Online-Netzwerks wenige Monate später nur noch gut die Hälfte. Seither hat sich das Unternehmen jedoch mehr als nur rehabilitiert: Mitte Juli kratzte die Aktie sogar an der magischen Marke von 100 Dollar.

Wer am letzten Montagnachmittag unserer Zeit die Nerven hatte und zugreifen konnte, zahlte nur zwischen 72,50 und 75 Dollar. Mittlerweile kostet die Facebook-Aktie bereits wieder 90 Dollar und damit nur noch rund 10 Prozent weniger als Mitte Juli.

Das Online-Netzwerk hat sein mobiles Angebot in den letzten Jahren substanziell ausgebaut und die Werbeeinnahmen kräftig gesteigert. Weltweit sind 1,5 Milliarden Menschen bei Facebook angemeldet, was das Unternehmen zu einem äusserst attraktiven Werbepartner macht.

Facebook-Aktie ist teuer

Für die Aktie von Facebook müssen Anleger allerdings etwas tiefer in die Tasche greifen. Auf Basis der nächstjährigen Konsensschätzungen errechnet sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 30. Davon lassen sich zumindest die Analysten nicht abschrecken. Gemäss Thomson/First Call empfehlen 46 von 51 Experten die Aktie zum Kauf. Mit 146 Dollar liegt das höchste Kursziel gut 50 Prozent über dem Schlusskurs von Donnerstagnacht. Ein einziger Analyst ist mutig genug und hat eine Verkaufsempfehlung ausstehend.

Eine Wette auf die Aktien von Facebook, Apple und Google ist auch eine Wette auf eine Fortsetzung der Aktienhausse an der Börse in New York. Kommt dazu, dass mit Facebook und Google zumindest die Aktien zweier Unternehmen einen beachtlichen Teil des Rückschlags von Anfang dieser Woche bereits wieder wettgemacht haben. Das sollten Anleger bei ihren Entscheiden berücksichtigen.