Jetzt wird die Lufthansa sauglatt

Die Fussball-WM in Brasilien naht, und immer mehr Unternehmen wollen mit Marketingmassnahmen vom Mega-Event profitieren. Die WM-Offensive der Swiss-Muttergesellschaft Lufthansa löst allerdings Befremden aus.
13.05.2014 17:02
Von Daniel Hügli
Zur Fussball-WM in Brasilien: Aus Lufthansa wird Fanhansa.
Zur Fussball-WM in Brasilien: Aus Lufthansa wird Fanhansa.
Bild: ZVG

Am 12. Juni erfolgt in Brasilien der Anpfiff zur Fussball-Weltmeisterschaft, dem grössten Sport-Event der Welt. Bei diesem Anlass will man als Unternehmen, vorab im Konsum- oder Dienstleistungsbereich, natürlich nicht zurückstehen. Ein WM-Bier hier, ein Wettbewerb mit Fan-Reise nach Rio dort, WM-Würste sowieso - täglich werden der Angebote mehr.

Auch die Swiss-Muttergesellschaft Lufthansa wartet mit einer besonderen Marketingmassnahme auf. Insgesamt acht Flugzeuge der Lufthansa werden im Vorfeld der WM ihren bekannten Schriftzug gegen ein neues "Fanhansa"-Logo eintauschen. "Sie werden der Hingucker in den nächsten Wochen vor und während der Fußball-Weltmeisterschaft", prophezeit die Lufthansa in einer Medienmitteilung am Dienstag.

Bereits am 16. Mai werde der erste "Fanhansa-Airbus" mit dem neuen Schriftzug von München aus nach Hamburg und London abheben. "Fanhansa ist natürlich mehr als ein Schriftzug am Flugzeug. Es ist eine Überraschung für unsere Kunden und ein Dank an unsere Fans", wird Alexander Schlaubitz, Leiter Marketing der Lufthansa, in der Mitteilung zitiert. "Zweifellos werden wir mit Fanhansa die glücklichsten Fans nach Brasilien fliegen."

Die ersten Reaktionen hierzulande fallen indes etwas weniger begeistert aus. "Ist das ein Fake-E-Mail?", fragte ein Betrachter beim Öffnen der Lufthansa-Mail. Ein anderer fragte sich, ob dies "ein April-Scherz im Mai" sei. Ein dritter meinte eher trocken: "Das ist eben der deutsche Humor, den wir Schweizer nicht verstehen".

"Pornansa, Kolbenhansa, Bretzelhansa, ConchitaWurschtelhansa"

Allerdings kommt die Lufthansa-Offensive auch bei Fachleuten nicht gut an: "Das ist der läppische, anbiedernde Versuch, einer Marke aus Gründen des Marketingeltangels die Zielgruppen-Affinität aufzumogeln", sagt Hermann Strittmatter, cash-Kolumnist und Verwaltungsratspräsident der Werbeagentur GGK. Strittmatter war zwischen 1966 und 1995 verantwortlich für die Swissair-Werbung. Ein anderer Werber, der seinen Namen nicht in den Medien lesen will, findet die Lufthansa-Marketingmassnahme schlicht "bescheuert".

Strittmatter flüchtet sich angesichts der Fanhansa-Offensive in den Sarkasmus: "Logischerweise wird Lusthansa die Flüge zu einer Erotikmesse unter dem Namen Pornansa, zu einem Autosalon Kolbenhansa, zum Oktoberfest Bretzelhansa und zum schwulen Heurigen nach Wien ConchitaWurschtelhansa anbieten." Für Strittmatter erreicht Lufthansa "endlich das erstrebte intellektuelle Niveau der Social-Media-User."

Die Idee des Flugzeuge-Umbemalens für grosse Fussball-Events ist allerdings nicht neu. Es gab aber schon etwas weniger anbiedernde Varianten. So flog ein mit dem Schriftzug "Hopp Schwiiz" und vielen Schweizer Fahnen bemalter Airbus A320 der Swiss im Vorfeld der Fussball-EM 2008 in der Schweiz und Österreich quer durch Europa.

Die Lufthansa-Marketingleute steigern sich in ihrer Begeisterung. "Während der verschiedensten Aktionen, die überraschend an Bord von Lufthansa Linienflügen, an den Checkin-Schaltern oder an den Flugsteigen der deutschen Flughäfen stattfinden, können sich Teilnehmer sofort für ein Flugticket nach Brasilien an Bord einer Fanhansa Maschine qualifizieren", wie die deutsche Airline mitteilt. Und, klischeemässig zum Schluss: "Dazu gehören auch die WM-Erlebnisse im Land von Amazonas, Copacabana und Caipirinha."