Jobabbau nicht nur bei Julius Bär?

Julius Bär streicht wegen hoher Kosten und des starken Frankens 200 Stellen. Die Zürcher Privatbank ist nicht das einzige Finanzinstitut mit einem Kostenproblem. Die Situation ist aber je nach Bank anders.
02.02.2015 10:40
Von Marc Forster
Hohe Franken-Kosten bei wichtigen Erträgen im Ausland hat auch die Credit Suisse.
Hohe Franken-Kosten bei wichtigen Erträgen im Ausland hat auch die Credit Suisse.
Bild: Bloomberg

Julius Bär hat generell einen zu hohen Aufwand, aber ein Kurs von aktuell etwa 1,05 Euro für einen Franken liefert einen weiteren Grund zum Sparen. Ein hoher Block an Franken-Kosten und gleichzeitige Erträge in Dollar oder Euro verschärfen die Lage nach dem Ende des SNB-Mindestkurses weiter. "Es ist fast wie in der Exportindustrie, wenn die Kosten in Franken anfallen und die Erträge in anderen Währungen", sagt Andreas Brun, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank.

Mit ähnlichen Problemem kämpfen auch die Grossbanken. Das Franken-Hoch belastet vor allem die Wealth Manager im grenzüberschreitenden Geschäft. Bereits gibt es Gerüchte, dass die seit Jahren mit Kostenprogrammen operierende Credit Suisse ein weiteres, 500 Millionen Franken schweres Sparziel ankündigen wird. Die Ergebnispräsentation am 12. Februar zum Geschäftsjahr und vierten Quartal 2014 gibt darüber möglicherweise mehr Aufschluss. Auch die UBS hat trotz Spar- und Abbauprogrammen immer noch einen grossen Kostenanteil in Franken. Somit wird sich auch die grösste Schweizer Bank mit diesem Thema beschäftigen.

Interessanterweise dürften laut Andreas Brun beide Grossbanken, obwohl sie das Franken-Problem in der Vermögensverwaltung haben, diese Sparte nicht zu stark angehen. Das Geschäft mit den Vermögen wohlhabender und reicher Kunden überall auf der Welt ist für beide Banken das Kerngeschäft. Vor allem die CS dürfte Bruns Meinung nach eher die Kosten im Investmentbanking senken, in dem weitere Geschäftsbereiche aufgegeben oder zurückgefahren werden - etwa Prime Brokerage, also die Dienstleistungen für Hedge Funds. Die CS ist bei der teuren Kapitalunterlegung von Investmentbankgeschäften besonders verwundbar, und kann dort entsprechend am auch einfachsten optimieren.

Privatbanken unter Druck

Die kleinen Privatbanken in der Schweiz sind seit Jahren unter Druck. Einige von ihnen warten nach wie vor auf die US-Strafen wegen ihrer Steuersünder-Kunden. Steigende Kosten in den Rechtsabteilungen, in der Informatik und bei der Expansion belasten die kleineren Vermögensverwalter. Dazu kommen unangenehme Geldabflüsse in Europa wegen der Regulierung unversteuerter Gelder. Mit der Frankenstärke ist im Segment der kleineren Vermögensverwalter nur ein weiteres Problem dazugekommen. Spekulationen um bevorstehende Fusionen, Übernahmen oder gar Rückgaben von Banklizenzen werden also eher noch zunehmen.

Bei den Kantonal- und Regionalbanken fallen hingegen die meisten Erträge in Franken an. Für sie wird der andere Aspekt der SNB-Entscheidung vom 15. Januar zum Problem, die Negativzinsen: Für die Verzinsung von Kontoguthaben legen sie drauf. Wenn zudem als Folge der Frankenstärke eine Rezession eintritt, dann leidet bei den Regional- und Kantonalbanken das Firmenkunden- und Kreditgeschäft. Inwiefern dies zu Sparprogrammen und Stellenabbau führt, lässt sich aber derzeit nur schwer voraussagen.