Johnson & Johnson will Actelion nun doch nicht kaufen

Der US-Konzern Johnson & Johnson gibt sein Werben um den Biotechkonzern Actelion auf. Laut einem Medienbericht konkretisiert sich hingegen das Angebot des französischen Sanofi-Konzerns.
14.12.2016 07:18
Der Hauptsitz von Actelion in Allschwil.
Der Hauptsitz von Actelion in Allschwil.
Bild: ZVG

Das Allschwiler Unternehmen bestätigt, dass Gespräche mit "einer weiteren Partei" geführt würden.

Die Gespräche mit der Baselbieter Firma über eine Übernahme seien beendet worden, teilte der US-Pharma- und Konsumgüterkonzern Johnson & Johnson in der Nacht auf Mittwoch mit. Es sei nicht möglich gewesen, zu einer Vereinbarung zu kommen, die für die eigenen Aktionäre einen Mehrwert bedeutet hätte, hiess es zur Begründung.

Der Rückzug soll gerüchteweise unter anderem darauf zurückgehen, dass Actelion-Chef Jean-Paul Clozel das Unternehmen nicht komplett verkaufen, sondern nur in Teilen oder in Partnerschaften einbringen wollte.

Ende November hatten Johnson & Johnson und Actelion Gespräche über eine mögliche Transaktion bestätigt. Laut einem Insider hätte die Übernahme ein Volumen von rund 27 Mrd USD gehabt.

Sanofi in Favoritenrolle?

Actelion bestätigte in der Nacht auf Mittwoch in einer eigenen Mitteilung, Johnson & Johnson habe sich vom Verhandlungstisch zurückgezogen. Man sei jedoch "im Gespräch mit einer weiteren Partei bezüglich einer möglichen strategischen Transaktion". Ob es zu einem Geschäft komme, sei zum jetzigen Zeitpunkt aber ungewiss. Weitere Angaben wollte ein Actelion-Sprecher auf AWP-Nachfrage nicht machen.

Vor rund einer Woche hatte die Agentur Bloomberg berichtet, auch der französische Pharmakonzern Sanofi interessiere sich für die hochprofitable Firma. Die Medikamente von Actelion zur Behandlung von lebensbedrohlichem Bluthochdruck im Lungenkreislauf (PAH) würden gut zu Sanofi passen. Der Konzern ist einer der weltgrössten Anbieter von Diabetes-Medikamenten, kämpft in dem Geschäft aber unter dem Patentverlust seines Kassenschlagers Lantus.

Wie das "Wall Street Journal" nun berichtet, wollen die Franzosen insgesamt bis zu 30 Mrd USD auf den Tisch legen. Offen sei aber, wie die Transaktion genau aussehen soll.

In einer ersten Analystenreaktion wird ein Deal mit Sanofi jedoch als "schwierig" bezeichnet - unter anderem, weil Actelion eine hohe Übernahmeprämie fordere und auf P/E-Basis bereits 80% höher als der französische Konzern bewertet sei. Die Experten von S&P Global senken daher ihr Rating auf "Sell" von "Hold".

Marktkapitalisierung von 22,5 Milliarden Franken

Die Actelion-Aktie befindet sich seit Bekanntwerden des Johnson&Johnson-Interesses im Höhenflug. Anfang der Woche war das Papier bis auf 214,50 CHF gestiegen und damit auf ein Allzeithoch. Am Dienstag kosteten die Actelion-Anteile zum Handelsende 208,50 CHF - das Unternehmen ist damit an der Börse 22,5 Mrd CHF wert.

Marktgerüchten zufolge soll es weitere Interessenten für Actelion geben, genannt wurden schon Roche, Novartis und Pfizer. Novartis hatte sich jedoch unlängst selber aus dem Rennen genommen. "Wir haben immer wieder gesagt, dass wir uns auf ergänzende Akquisitionen im Rahmen von 2 bis 5 Mrd USD konzentrieren", sagte Novartis-CEO Joe Jimenez.

Durch die Pharmabranche rollt derzeit eine Übernahmewelle. Viele Patente laufen aus und die Kosten für Forschung und Entwicklung sind hoch, weswegen aussichtsreiche Produkte gern zugekauft werden. Actelion gilt seit längerem als Übernahmekandidat.

(AWP)