Jordan im Fokus der Marktbeobachter

Mit der bevorstehenden Zinsentscheidung der EZB am Donnerstag dieser Woche rückt hierzulande SNB-Präsident Thomas Jordan verstärkt ins Visier der Marktbeobachter.
06.03.2016 18:16
Die SNB hat vor mehr als einem Jahr Negativzinsen eingeführt.
Die SNB hat vor mehr als einem Jahr Negativzinsen eingeführt.
Bild: cash

Wie die "Schweiz am Sonntag" (SaS) schreibt, hat Jordan bereits durchblicken lassen, wie er auf die erwarteten weiteren geldpolitischen Lockerungen der EZB reagieren werde: Die SNB könnte den Freibetrag der Geschäftsbanken senken, der vom Negativzins ausgenommen ist.

Seit Januar 2015 erhebt die Schweizerische Nationalbank (SNB) Negativzinsen auf Girokontenguthaben. Mit dieser Massnahme soll der Franken an Attraktivität verlieren. Bei Schweizer Banken beträgt der von der SNB gewährte Freibetrag das 20-fache des Mindestreserve-Solls. Zieht Jordan die Schrauben beim Freibetrag an, würde er damit vor allem die Schweizer Banken und Pensionskassen in Schwierigkeiten bringen.

Entsprechend alarmiert seien die Banken, schreibt die SaS weiter. Zwar erkenne man den Negativzins grundsätzlich als eine geldpolitische Massnahmen an, zitiert das Blatt Thomas Sutter, Leiter Kommunikation und stellvertretender Direktor der schweizerischen Bankenvereinigung. Man habe die SNB auch unterstützt, als sie den Mindestkurs aufgehoben habe.

"Bevor man jetzt aber die Massnahmen weiter verschärft - den Zins noch weiter senkt und/oder die Freigrenzen herunterschraubt-, erwarten wir eine saubere Analyse, was der Negativzins in den letzten zwölf Monaten überhaupt gebracht hat", fordert Sutter gegenüber der Zeitung. Die SNB müsse Transparenz schaffen. Denn es sei klar, dass Negativzinsen auf Dauer schädlich seien. Daher müsse Klarheit darüber geschaffen werden, ob ihr Nutzen höher ist als die volkswirtschaftlichen Kosten, die sie verursachen.

"Weitere Senkung wäre nicht vertretbar"

Die Pensionskassen wehren sich ebenfalls gegen eine weitere Verschärfung der SNB-Politik. "Die aktuellen Negativzinsen sind jetzt schon tief," sagt Christoph Ryter, Präsident des Pensionskassenverbandes Asip im Gespräch mit der SaS. "Jede weitere Senkung wäre aus unserer Sicht nicht vertretbar."

Wie die "Sonntagszeitung" (SoZ) in einem Bericht zur Geldpolitik von EZB und SNB noch ergänzt, können Negativzinsen nicht beliebig gesenkt werden. Ab einer Grenze lohne sich die Bargeldhaltung, was die Geldpolitik unwirksam mache. Verschiedene Beobachter sehen diesen Punkt laut SZ bereits erreicht. Sie verweisen dabei auf den starken Nachfrageanstieg nach Tausendernoten. Seit Ausbruch der Finanzkrise habe die SNB ihre Zahl auf 45 Mio Stück beinahe verdoppelt. Allein im letzten Jahr erhöhte sie sich um annähernd 12%.

Allerdings sei der Boom der Tausendernote vielmehr Ausdruck des sicheren Hafens Schweiz, schreibt die SoZ weiter. Die Nachfrage erhöhe sich regelmässig stark, wenn internationale Krisen die Anleger verunsicherten.

(AWP)