Jordan: «SNB hat keine interne Untergrenze»

Laut SNB-Präsident Thomas Jordan ist es erfreulich, dass sich der Franken trotz der angespannten geopolitischen Lage in den letzten Monaten nicht aufgewertet hat. Im cash-Video-Interview erläutert er die Gründe dafür.
10.12.2015 14:57
Von Daniel Hügli, Bern
Thomas Jordan, Präsident des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank, im Video-Interview mit cash.
Bild: cash

Seit Wochen und Monaten bewegt sich der Devisenkurs Euro/Franken bei einem Niveau zwischen 1,08 und 1,10. Der Kurs ist damit relativ weit weg von den Notierungen im ersten Halbjahr. Gegenüber dem Dollar fiel der Franken kürzlich sogar auf ein Mehrjahrestief von 1,0330.

Die Abwertung der Schweizer Währung sorgt bei der Schweizerischen Nationalbank (SNB) natürlich für Erleichterung. "Es ist erfreulich, dass sich der Franken trotz der Zunahme der geopolitischen Risiken gerade gegen den Dollar nicht aufgewertet hat", sagt SNB-Präsident Thomas Jordan im cash-Video-Interview anlässlich des Zinsentscheids der SNB in Bern. 

Im cash-Interview klopft sich Jordan indirekt auf die Schultern, indem er die abnehmende Stärke des Frankens mit einer einschneidenden Massnahme der SNB begründet. "Wir führen das auf die Negativzinsen zurück und auf unsere Bereitschaft, an den Märkten zu intervenieren."

Im Januar hatte die SNB zeitgleich mit der Abschaffung der Euro-Kursuntergrenze in der Schweiz Negativzinsen eingeführt, um den Franken für Investoren weniger attraktiv zu machen. "Die Zinsdifferenz wurde grösser, der Franken hat sich tendenziell abgeschwächt", konstatiert Jordan. 

SNB-Präsident Thomas Jordan (rechts) im Interview mit Daniel Hügli von cash.

Bei den Devisen kann es jedoch immer zu schnellen Änderungen kommen. Auf die Probe gestellt werden könnte die SNB gerade wieder in den kommenden Tagen, denn am Donnerstag nach der geldpolitischen Lagebeurteilung der SNB wertete sich der Franken auf 1,0793 pro Euro auf. So stark notierte der Franken gegen die Gemeinschaftswährung seit einem Monat nicht mehr.

«Franken bleibt ein sicherer Hafen»

Dennoch wundert man sich am Markt immer wieder, weshalb sich der Franken auf abgeschwächtem Niveau zum Euro und Dollar hält. Denn das wirtschaftliche und geopolitische Umfeld (Terroranschläge, Krieg in Syrien) spräche derzeit für eine Flucht von Investoren in sichere Anlageklassen, wie dies der Franken in den letzten Jahrzehnten immer war. Verliert denn der Franken langsam seinen Status als sicherer Hafen?

Jordan wiegelt ab: "Der Franken bleibt eine Währung, die ein sicherer Hafen ist. Es ist eine sehr wichtige Währung, und die Schweiz ist ein starkes Land". Und die Markt-Spekulationen, wonach die Nationalbank quasi eine interne, nicht kommunizierte Grenze für Devisenmarkteingriffe aufgestellt habe, sind laut Jordan nicht wahr: "Wir haben keine interne Kursuntergrenze, aber wir haben immer gesagt, dass wir bereit sind, am Devisenmarkt falls nötig zu intervenieren."

Wegen der relativen Schwäche des Franken in den letzten Monaten hatte die SNB keinen Grund, die Leitzinsen in der Schweiz von 0,75 Prozent auszuweiten. Die SNB macht aber klar, dass sie bei einer sich verschärfenden Lage an den Märkten die Negativzinsen erhöhen könnte. Dabei gibt es laut Jordan "in dem Sinn keine Obergrenze."

Leidtragende der Negativzinsen sind das Schweizer Finanz- und Vorsorgesystem und nicht zuletzt die Sparer. Bei einer Ausweitung der Negativzinsen drohen in der Schweiz flächendeckend Minuszinsen auf den Bankkonten. Jordan scheint sich der politischen und sozialen Sprengkraft von Negativzinsen bewusst zu sein.

"Die Negativzinsen haben natürlich Nebenwirkungen. Wir ziehen solche Nebenwirkungen selbstverständlich in Betracht für den Fall, dass wir eine weitere Lockerung der Geldpolitik durchführen müssten", so Jordan im cash-Interview.

Im cash-Video-Interview äussert sich Thomas Jordan auch zu Risiken, welche wieder zu einer Aufwertung des Franken führen könnten.