Julius-Bär-Aktie nach Zahlen unter Druck

Julius Bär weiss mit dem Zwischenbericht nur mässig zu überzeugen. Analysten finden dennoch mehrheitlich Gefallen daran. Verkaufsdruck aus dem angelsächsischen Raum setzt der Aktie zu.
14.11.2014 13:01
Von Lorenz Burkhalter
Julius Bär deutet für die Monate Juli bis Oktober eine Wachstumsverlangsamung beim Nettoneugeld an.
Julius Bär deutet für die Monate Juli bis Oktober eine Wachstumsverlangsamung beim Nettoneugeld an.
Bild: Bloomberg

(Ergänzt um Kommentare aus dem Handel und um aktuelle Kursindikationen)

Nach einem soliden Semesterergebnis wartet Julius Bär mit einem eher durchzogenen Zwischenbericht für die ersten zehn Monate des Geschäftsjahres 2014 auf.

Die wenigen quantitativen Eckwerte wie die verwalteten Kundenvermögen oder die Nettoneugeldentwicklung liegen am unteren Ende der Markterwartungen. Einzig die Bruttomarge wird letzteren gerecht. Nichtsdestotrotz hebt sich die Zürcher Traditionsbank mit ihrem Zahlenkranz in positiver Weise von den beiden Grossbanken UBS und Credit Suisse ab.

In Analystenkreisen kommt der Zwischenbericht zur Überraschung vieler Händler mehrheitlich gut an. Zur Stunde verliert die Aktie an der Schweizer Börse SIX allerdings 3,8 Prozent auf 42,28 Franken. Die Tagestiefstkurse liegen sogar bei 41,97 Franken. Aus dem Berufshandel ist mit dem Eintritt amerikanischer Marktteilnehmer von grösseren Verkäufen aus Übersee zu vernehmen.

Wachstumsverlangsamung seit Mitte Jahr

Der für die UBS Investmentbank tätige Bankenanalyst bezeichnet die Entwicklung bei der Bruttomarge als erfreulich. In den Monaten Juli bis Oktober habe sich die Marge nur noch leicht auf 93 Basispunkte abgeschwächt. Und das trotz der die Bruttomarge verwässernden Integration des internationalen Wealth Managements von Merrill Lynch.

Etwas kritischer beurteilt der Analyst die Angaben zu den verwalteten Kundenvermögen und zum Nettoneugeld. Der Nettoneugeldzufluss habe sich in der Zeit seit der Jahresmitte auf geschätzte 3,5 Prozent verlangsamt. Noch in den ersten sechs Monaten habe er bei 5 Prozent gelegen.

Bruttomarge durch Devisenhandel gestützt

Insgesamt ist bei der UBS Investmentbank aber von "in die richtige Richtung gehenden Geschäftstendenzen" die Rede. Die Aktie von Julius Bär wird vom Analysten denn auch weiterhin mit einem 12-Monats-Kursziel von 50 Franken zum Kauf empfohlen.

Auch sein Berufskollege von der Bank Vontobel spielt die Wachstumsverlangsamung bei der Nettoneugeldentwicklung herunter. Letztere sei leicht unter den bankeigenen Schätzungen ausgefallen, so schreibt er. Dank einem aktiven Handel mit Devisen habe sich die Bruttomarge vergleichsweise stabil entwickelt. In Kombination mit den Restrukturierungsbemühungen bewege sich das Kosten-Ertrags-Verhältnis im Hinblick auf das kommende Jahr in die Zielbandbreite. Auf Basis des vorliegenden Zahlenkranzes rechnet der Analyst nicht mit einem grösseren Anpassungsbedarf der diesjährigen Schätzungen. Er hält deshalb vorerst am "Hold" lautenden Anlageurteil sowie am Kursziel von 42 Franken für die Aktie fest.

Auch bei der Credit Suisse zeigt man sichtlich Gefallen am Zwischenbericht für die ersten zehn Monate. Die Geschäftsentwicklung sei auf breiter Ebene gut ausgefallen, so schreibt der verantwortliche Analyst. Dank Synergien aus der Übernahme des internationalen Wealth Management von Merrill Lynch seien auf der Kostenseite Fortschritte erzielt worden. Auch die bessere Eigenkapitalbasis wird im Kommentar positiv hervorgehoben. Der Verfasser empfiehlt die Aktie von Julius Bär deshalb weiterhin mit "Outperform" und einem 12-Monats-Kursziel von 48 Franken zum Kauf.

Nur Kepler Cheuvreux hält dagegen

Die Bank J. Safra Sarasin gibt sich zuversichtlich, was das anstehende Geschäftsjahr anbetrifft. Mit der starken Entwicklung in den vergangenen zehn Monaten, der erfolgreichen Integration des internationalen Wealth Management von Merrill Lynch und der Nettoneugeldbeschaffung sei eine gute Basis dafür gelegt. Unglücklicherweise lasse man sich bei Julius Bär im Steuervergleich mit den USA noch nicht in die Karten blicken. Eine Vergleichszahlung von 1 Milliarde Dollar oder mehr würde das Überschusskapital vollständig ausgelöscht, so der Analyst. Dennoch hält er unbeirrt an seiner jetzigen Kaufempfehlung fest.

Einzig der für Kepler Cheuvreux tätige Berufskollege schlägt in einem Kommentar negative Töne an. In der Zeit nach Juni habe sich die Nettoneugeldentwicklung spürbar verlangsamt. Gleichzeitig stehe die Bruttomarge unter anhaltendem Druck. In der Zeit von Juni bis Oktober habe sie gerademal 93 Basispunkte betragen. Erwartungsgemäss hätten sich die Entscheidungsträger nicht zum Stand im Steuerstreit mit den USA geäussert. Die mit "Reduce" und einem Kursziel von 32 Franken zum Verkauf empfohlene Aktie wird bei Kepler Cheuvreux als teuer bezeichnet.