Kampf gegen Aids - Hoffnungen auf neue Medikamente und Impfstoffe

Drei Jahrzehnte nach der Zulassung des weltweit ersten Aids-Medikamentes gibt es eine neue Welle von Innovationen in der HIV-Medizin.
30.07.2017 10:17
Ampullen in einem Pharma-Labor.
Ampullen in einem Pharma-Labor.
Bild: Bloomberg

Auf dem weltgrössten Aids-Kongress in Paris begutachteten letzte Woche mehr als 6000 Wissenschaftler aus aller Welt die neuesten wissenschaftlichen Entwicklungen. "Neue Medikamente werden benötigt", sagte die Präsidentin der Internationalen Aids-Gesellschaft, Linda-Gail Bekker. "Die Achillesferse ist für uns die Resistenz gegen HIV-Medikamente, da der Virus unglaublich schnell mutiert." Grosse Pharmakonzerne wie GlaxoSmithKline und Gilead liefern sich ein Rennen um neue Aids-Arzneien, von denen sie sich Milliardenumsätze versprechen.

Für Zuversicht sorgen der Erfolg von antiretroviralen Therapien sowie wachsende Hoffnungen auf eine funktionelle Heilung von HIV, bei der der Virus ohne Medikamente in Schach gehalten werden könnte. GlaxoSmithKline veröffentlichte auf dem Kongress Ergebnisse aus einer Studie, bei der ein Cocktail aus zwei Medikamenten alle vier oder acht Wochen injiziert wurde. Das Mittel könnte eine Alternative für Patienten sein, die nicht täglich Tabletten nehmen möchten. Dabei bekommen die Briten Konkurrenz vom US-Pharmakonzern Merck & Co, der an einem noch länger wirkenden Medikament arbeitet, das einmal als Implantat eingesetzt werden könnte. Derweil reichte Gilead im Juni die Zulassungsanträge für sein neues HIV-Medikament ein, dem Analysten bis 2020 Umsätze von 3,8 Milliarden Dollar zutrauen.

Eines ist nach Einschätzung von Experten klar: Der Wettbewerb im Markt für HIV-Medikamente wird sich weiter intensivieren. Letztlich glauben aber viele, dass ein Impfstoff benötigt wird, um die Bedrohung durch HIV zu beenden. Obwohl Jahrzehnte der Bemühungen zur Entwicklung eines solchen bislang stets mit Enttäuschungen endeten, haben Wissenschaftler nicht aufgegeben.

Ein neuer Ansatz an dem etwa der US-Pharmakonzern Johnson & Johnson (J&J) zusammen mit US-Regierungsexperten und anderen arbeitet, soll noch in diesem Jahr in eine grosse klinische Studie der Phase-IIb getestet werden. "Die Suche nach einem Impfstoff hat sich als eine der grössten wissenschaftlichen Herausforderungen in der 35-jährigen Erforschung zur Beendigung der HIV-Pandemie erwiesen", sagte der Wissenschaftler Dan Barouch von der Harvard Medical School, der mit J&J bei der Studie zusammenarbeitet.

Angesichts von weltweit 36,7 Millionen HIV-Infizierten, von denen mehr als die Hälfte bis Lebensende behandelt werden muss, sind nach Einschätzung von J&J-Vorstand Paul Stoffels Fortschritte sowohl bei der der Entwicklung von Medikamenten als auch bei Impfstoffen nötig. "Die Menschen, die heute infiziert sind, brauchen für die nächsten 30 bis 50 Jahre eine Therapie, so dass sich die Erforschung der Behandlung verbessern muss." Ebenso müsse aber die Vorbeugung weiterentwickelt werden, um die wachsende Zahl der Patienten zu stoppen.

(Reuters)