Kampf gegen die FrankenstärkeSNB-Geldpolitik schon ab Sommer weniger expansiv?

Die SNB hält an ihrem geldpolitischen Kurs fest. Der politische und wirtschaftliche Druck nimmt jedoch zu, weshalb die Ökonomen der Credit Suisse ab dem Sommer mit mehr Zurückhaltung rechnen.
20.03.2017 08:39
Von Lorenz Burkhalter
Bauumzäunung an der Schweizerischen Nationalbank in Bern Mitte 2016.
Bauumzäunung an der Schweizerischen Nationalbank in Bern Mitte 2016.
Bild: cash

Seit der geldpolitischen Lagebeurteilung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) vom vergangenen Donnerstag steht fest: Es bleibt alles wie bisher. Das Zielband für den Dreimonats-Libor liegt weiterhin bei minus 1,25 bis minus 0,25 Prozent mit einem Zins auf den Sichteinlagen bei minus 0,75 Prozent. Gleichzeitig will die SNB am Devisenmarkt intervenieren, um den Franken bei Bedarf zu schwächen.

Nicht sonderlich überrascht zeigen sich die Ökonomen der Credit Suisse von den am Donnerstag gemachten Aussagen. Einzig mit der leichten Reduktion der Teuerungsprognosen für die Jahre 2018 und 2019 hatten die Experten aufgrund der zuletzt steigenden Erwartungen an den Finanzmärkten nicht gerechnet.

Noch sei die lockere Geldpolitik der SNB zwar gerechtfertigt, so lassen die für die Ökonomen der Grossbank durchblicken. Allerdings sehen sie in den wirtschaftlichen Vorausindikatoren wie dem Einkaufsmanager-Index oder dem KOF-Konjunkturbarometer zusehends Gründe für einen weniger expansiven geldpolitischen Kurs.

Druck von innerhalb und ausserhalb der Schweiz auf die SNB

Ihres Erachtens könnte die SNB schon ab dem Sommer einen graduellen Kurswechsel vollziehen. Denn gerade das Ziel der Preisstabilität sei weitestgehend erreicht, so die Experten. Mit einer weniger expansiven Geldpolitik rechnet man bei der Credit Suisse jedoch erst nach den Präsidentschaftswahlen in Frankreich.

Sollte anlässlich der beiden Wahlgänge vom 23. April und 7. Mai die als europafeindlich geltende Marine Le Pen Auftrieb erhalten, könnte dies den Franken nämlich wieder erstarken lassen. Zumindest für die Niederlande kann nach den Parlamentswahlen von letzter Woche jedoch schon mal Entwarnung gegeben werden.

Zuletzt hat der Druck auf den EUR/CHF spürbar nachgelassen (Quelle: www.cash.ch)

Nachdem vor knapp zwei Wochen bekannt wurde, dass die Devisenreserven per Ende Februar auf 668 Milliarden Franken angeschwollen sind, muss die SNB aus der hiesigen Politik vermehrt wieder Kritik für ihre Geldpolitik einstecken. Dass sich die Bilanz der SNB am Bruttoinlandprodukt gemessen auf mehr als die Schweizer Wirtschaftsleistung eines ganzen Jahres aufgebläht hat, sorgt bei vielen Politikern für Unbehagen.

Kritik aus den USA

Druck verspürt die SNB mit ihren Interventionen vermehrt auch aus dem Ausland. So wirft ihr Washington Währungsmanipulation vor. Erst im Oktober letzten Jahres setzte das US-Schatzamt die Schweiz in einem halbjährlich erscheinenden Bericht auf eine schwarze Liste. Wie es in Expertenkreisen heisst, ist zwar nicht mit unmittelbaren Folgen für die Schweiz zu rechnen.

Der Bericht diene der US-Regierung jedoch als Grundlage für die Handelspolitik und könne ein Vorbote für mögliche Sanktionen sein, so der Tenor. Erst am Freitag musste sich die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel anlässlich ihres ersten Besuchs bei US-Präsident Donald Trump harsche Kritik im Zusammenhang mit dem Handelsbilanzdefizit zwischen den beiden Ländern anhören. Ähnliches könnte der Schweiz drohen.

Neben der Schweiz befinden sich auch Länder wie China und Japan oder eben auch Deutschland auf der Liste. Einige Experten bezichtigen übrigens aus die USA der Währungsmanipulation und verweisen dabei auf die Entwicklung des Dollarkurses über die letzten Jahrzehnte. Mit einer ab dem Sommer etwas weniger expansiven Geldpolitik könnte die SNB den Vorwürfen aus dem Ausland endlich etwas den Wind aus den Segeln nehmen.