Kampf gegen überteuerte Produkte - UBS und Co. kappen Antrittsboni

In den USA zeichnet sich ein neues Regime bei der Anstellung von Finanzberatern ab: Die Antrittsboni sollen drastisch zurückgefahren werden. Hintergrund sind neue Vorschriften.
27.05.2017 08:31
Die UBS in New York.
Die UBS in New York.
Bild: ZVG

Morgan Stanley will den Einsatz von Anwerbungsboni für etablierte Finanzberater zurückfahren. Merrill Lynch, der Broker von Bank of America, und UBS hatten bereits ähnliche Massnahmen signalisiert. Hintergrund sind neue Vorschriften in den USA, die die traditionellen Anstellungspraktiken in der Branche infrage stellen.

Die US-Investmentbank werde zwar bestimmte vorhandene Rekrutierungsvereinbarungen aufrechterhalten, gleichzeitig aber neue Richtlinien entwickeln. Das erklärten Shelley O’Connor und Andy Saperstein, die Co-Chefs der Vermögensverwaltung in New York, in einem internen Rundschreiben.

UBS-Finanzchef Kirt Gardner erklärte im vergangenen Monat, dass die Schweizer Bank den Fokus von der Anwerbung auf die Bindung der Mitarbeiter verlagert habe. Die Vorteile aus der Vergabe von weniger Anstellungsprämien würden sich ab dem vierten Quartal dieses Jahres in den Kosten des Konzerns niederschlagen.

Broker könnten zu teure Produkte verkaufen

Banken waren im vergangenen Jahr vom US-Arbeitsministerium informiert worden, dass die typischen Anstellungsboni der Branche gegen eine bevorstehende Treuhänder-Regel ("Fiduciary Rule") des Ministeriums verstossen können. Diese Vorschrift besagt vereinfacht ausgedrückt, dass Berater, die sich um Vorsorgekonten kümmern, Kunden in deren bestem Interesse beratschlagen müssen und keine unangemessenen Bezüge erhalten dürfen.

Früheren Angaben der Aufsicht zufolge bergen Anstellungs-Anreize die Gefahr in sich, gegen die Regeln zu verstossen. Denn sie würden Ertragsziele beinhalten, die Broker dazu verleiten könnten, Sparern teurere Produkte aufzudrücken.

Die Aussagen veranlassten Unternehmen wie Morgan Stanley und Merrill Lynch dazu, ihre Anwerbungsprozesse neu aufzustellen – und jetzt sind Broker dabei, die Veränderungen dauerhafter einzuführen.

Jobwechsel als Nullsummenspiel

"In Zukunft beabsichtigen wir, die Investments und Ressourcen sogar noch weiter zu erhöhen, die unsere bereits vorhandenen Talente und Plattformen unterstützen, und die Anwerbung von erfahrenen Beratern signifikant zurückzufahren", erklärten O’Connor und Saperstein in dem Rundschreiben.

Im Januar hatte US-Präsident Donald Trump einen Erlass unterzeichnet, der die Aufsicht anwies, die bevorstehende neue Regelung zu überprüfen. Das machte der Branche Hoffnung, dass die Vorschrift abgeschwächt werden könnte. Arbeitsminister Alexander Acosta schrieb jedoch am Montag in einem Gastbeitrag für das Wall Street Journal, dass die Massnahme am 9. Juni ohne weitere Verzögerung in Kraft treten wird.

Jahrelang hatten Broker Anstellungsvereinbarungen selbst als Nullsummen-Spiel verhöhnt. Diese würden die Profitabilität der Branche belasten, weil grosse Unternehmen zumeist nur Top-Broker untereinander tauschen würden, hatte es geheissen. Das hielt die Firmen aber nicht von Einstellungen ab, um die eigenen Reihen wieder aufzufüllen, wenn Berater zur Konkurrenz gingen.

Zum Arbeitsbeginn bei einem neuen Unternehmen wurden Star-Brokern oftmals Boni gewährt, die bei mehr als dem Dreifachen der Erlöse lagen, die sie in den vergangenen zwölf Monaten generiert hatten. Dabei wurde der Bonus als eine Art Kredit strukturiert, der aber nicht zurückgezahlt werden mussten, sofern die Mitarbeiter bei der Firma blieben und gewisse Ziele erreichten.

(Bloomberg)