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Kann der Actelion-Kurs überhaupt fallen?

Die Actelion-Aktie steigt, und das seit Jahren. Das Quartalsergebnis von dieser Woche scheint dem Biotech-Unternehmen weiter Schub zu geben - aber warten am Horizont Probleme?
22.04.2015 14:08
Von Marc Forster
Drei Viertel des Actelion-Umsatzes kommen von Tracleer.

Man kann sich zu der Frage versteigen, ob es bei der Actelion-Aktie überhaupt abwärts gehen kann. Seit 2000 hat sich der Kurs um 850 Prozent gesteigert. Schwach war eigentlich nur 2011 mit einem Rückgang um 38 Prozent. Seitdem zeigt der Chart des SMI-Titels einen Kurs nach oben - von einem Taucher im Januar 2015 abgesehen, den wegen des SNB-Franken-Schocks alle Schweizer Unternehmen machten. Von Anfang 2012 bis heute hat sich der Wert der Actelion-Aktie um 280 Prozent erhöht.

Der Kurs der Actelion-Aktie in den letzten drei Jahren (Quelle: cash).

Das Quartalsresultat, das am (gestrigen) Dienstag veröffentlicht wurde, hat die Analysten entzückt: Über Erwarten 10 Prozent mehr Umsatz, mehr Dividende, eine erhöhte Guidance: "Es gibt keinen Zweifel, dass das starke Resultate sind", schreibt die Bank Vontobel.

Derzeit kostet die Aktie des 1997 gegründeten Unternehmens, der wie bei jungen Biotechunternehmen üblich noch etwas der Geruch des Spekulativen anhaftet, 123 Franken. Einige Experten sehen Raum nach oben: Die Kursziele der Deutschen Bank und der Credit Suisse stehen bei 135 und 140 Franken. Die Analysten der beiden Banken empfehlen die Aktie zum Kauf. Die UBS, Vontobel und Barclays mit Kurszielen etwa beim aktuellen Kurs sind hingegen vorsichtiger und setzen das Papier auf neutral. Auch die Zürcher Kantonalbank behält die Aktie auf "Marktgewichten", erklärt dies aber vor allem mit der hohen Bewertung. Die KGV-Schätzungen für 2015 liegen teils deutlich über 20.

Ein weiterer Grund für die Vorsicht einiger Analysten ist, dass Actelion 76 Prozent des Umsatzes mit dem sehr erfolgreichen Tracleer hereinholt, einem Mittel gegen arteriellen Lungenhochdruck. Im November dieses Jahres bzw. 2017 laufen dafür in den USA und in Europa die Patente aus und Generika könnten zu einem Verkaufseinbruch führen. UBS, Vontobel und Barclays weisen auf diese Risiken hin. Die CS und die Deutsche Bank sind optimistischer, weil sie glauben, dass das Nachfolgeprodukt Opsumit sich durchsetzen wird.

Was kommt nach der Tracleer-Klippe?

Opsumit wird bereits 8000 Patienten verabreicht; die Zuversicht, dass sich das Medikament durchsetzt, ist ein Grund für den verbesserten Ausblick des Actelion-Managements. Allerdings muss Opsumit wie auch das ebenfalls gegen Lungenhochdruck eingesetzte, sich im US-Zulassungsverfahren befindliche Selexipag zum "Blockbuster" werden, damit die Actelion-Erfolgsstory nach der Tracleer-Patentklippe weitergeht.

Weitere Risiken für Actelion sind die Forschungskosten, mögliche Misserfolge in der Forschung oder bei der Medikamentenzulassung sowie harte Kämpfe mit der Konkurrenz um Marktanteile. Immer im Blick halten die Analysten auch den US-Markt, wo mögliche Schadenersatzklagen bei schlechten Produkten sehr teuer werden können. Die Wahrscheinlichkeit einer Übernahme von Actelion werten die Analysten derzeit eher tiefer.