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Kann man diesen «Penny Stocks» trauen?

In den Niederungen der «Penny Stocks» ist die Volatilität gross: Ob Aktien mit unter einem Franken Wert für Anleger dadurch irgendeine Anziehungskraft haben können, zeigt der Blick auf drei solcher Low-Cost-Aktien
30.06.2016 14:57
Von Marc Forster
In der Stahlproduktion ist Schmolz+Bickenbach gut, an der Börse weniger.
In der Stahlproduktion ist Schmolz+Bickenbach gut, an der Börse weniger.
Bild: youtube

Eine Aktie wie Schmolz+Bickenbach, deren Kurs sich in einem halben Jahr von 50 auf 65 Rappen erhöht, weist eine Kurssteigerung von 30 Prozent auf. In SMI-Dimensionen wäre dies ein traumhafter Wert. Im breiten Markt hingegen, mit kleinem Handelsvolumen, ist dies an der Tagesordnung und noch lange kein Grund, der Aktie besonderes Potential zuzuschreiben. Bei den Penny Stocks, also Titeln, die nicht mal ein Franken wert sind, relativiert sich so ein "Kursfeuerwerk" noch mehr.

Aber was steckt wirklich hinter diesen Schwankungen? In der Übersicht drei solcher Penny Stocks, und was der Anleger mit ihnen anfangen kann.

Schmolz+Bickenbach: Der schon erwähnte Stahlhersteller gehört zu den Schweizer Aktien mit der höchsten Kurssteigerung im Halbjahr. Die Zahlen sprächen an sich nicht dafür: Das von Grossaktionär Viktor Vekselberg dominierte Unternehmen meldete auch für das erste Quartal 2016 rote Zahlen an, der Umsatz ging zurück. Fehlender Schwung in der Weltwirtschaft und fallende Rohmaterialpreise lasten auf dem schweizerisch-deutschen Unternehmen.

Die Firma verbuchte im April nach eigenen Angaben den besten Auftragseingang in zwei Jahren, doch der Finanzchef selbst kommentierte das mit den Worten: "Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer." Von den vier Analysten, die zu S+B dieses Jahr ein Rating herausgaben, empfehlen zwei ein Hold und zwei ein Reduce. Eine Dividende gab es dieses Jahr nicht.

Wer mit der S+B-Aktie etwas verdienen will, muss an einen Turnaround beim Stahlhersteller glauben. Gesichert ist dieser nicht, auch wenn das Unternehmen in seinem Geschäft, hochwertige Spezialstahle, überzeugende Qualität liefert und mit einigen Produkten in den Märkten führend ist.

Addex: Der allgemeine Börsenrückgang in den ersten Wochen des Jahres drohte das Biotech-Unternehmen, das an Behandlungen für neurologische Krankheiten forscht, zum Penny Stock werden zu lassen. Forschungs-Misserfolge verstärkten dies: 2014 floppte die Entwicklung eines Medikaments gegen Depressionen, das Geld wurde knapp. Die Aktie fiel rapide bis auf 2,15 Franken, bevor im Februar der Kurs wieder zu steigen begann.

In den vergangenen Monaten gelang der sich in den roten Zahlen befindlichen Addex eine Kapitalerhöhung zur Sicherung der Finanzierung für ein Jahr. Auch positive Wirkstoffstudien brachten den Aktienkurs wieder auf Trab: Dieser steht aktuell bei 2,63 Franken.

Das Investmenthaus Jeffries empfiehlt die Aktie zum Kauf. Dass Investoren den Kurs wieder nach oben geschickt haben, zeugt von einem gewissen Vertrauen in das Forschungsunternehmen. Ein Biotech-Investment wie Addex ist aber nie nachhaltig und mit grossen Risiken behaftet. Je besser die Anleger sich über die Forschungen informieren können, desto präziser wird das Bild.

Von Roll: Die Industriefirma mit Sitz in Wädenswil am Zürichsee liefert Isolationsprodukte für den Elektrosektor. Der Aktienkurs des einstigen industriellen Vorzeigeunternehmens ist vor einem Jahr unter ein Franken gefallen und ist aktuell 58 Rappen wert. Das Unternehmen versucht seit mehreren Jahren, wieder Tritt zu fassen, aber der starke Franken und die Konjunkturschwäche in China haben diese Bemühungen möglicherweise auf fatale Weise gebremst.

Wie häufig bei solchen Unternehmen gibt es keine Analysten-Empfehlungen mehr. Vontobel suspendierte das Rating für Von Roll 2013. Die Risiken bei von Roll liegen auf der Hand: Noch ein grösserer Verlust wäre für die mit noch 18 Prozent Eigenkapital ausgestattete von Roll kaum mehr tragbar. Die Investorenfamilie von Finck als Mehrheitsaktionärin müsste dann Geld einschiessen.