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Kardex: Kandidat für die Aktie des Jahres

Kardex-Titel gehören in diesem Jahr zu den Shooting-Stars unter den Schweizer Nebenwerten. Die Performance ist eindrücklich und auch die Aussichten versprechen einiges. Doch: Ist der Erfolg bereits eingepreist?
29.10.2015 14:30
Von Pascal Züger
Ein Regallagersystem von Kardex.
Ein Regallagersystem von Kardex.
Bild: ZVG

Was für eine Rallye: Plus 63 Prozent seit Jahresbeginn. Blickt man noch weiter zurück, stösst man gar auf die imposante Performance der Kardex-Aktie von plus 675 Prozent seit November 2011. Diese Kurs-Entwicklung zeigt die untenstehende Grafik. Sie zeigt aber auch, dass bei Kardex nicht immer alles so erfolgreich lief:

10-Jahresperformance der Kardex-Aktie, Quelle: cash.ch

Noch bis 2010 tat man sich schwer mit dem Marktumfeld und kämpfte - oft erfolglos - gegen roten Zahlen und sinkende Aktienkurse an. Der bis heute anhaltende Aufschwung kam mit dem Besitzerwechsel und dem frischem Management um CEO Felix Thöni, welcher im Januar 2011 die Bühne betrat. Es kamen alsbald Strategie-Anpassungen und Verkäufe von nicht-rentablen Sparten. Im Betrieb herrschte ein neues Kostenbewusstsein, welches den Logistiker aus Zürich sehr bald schon die Gewinnschwelle übertreten liess und die Investoren beglückte.

Heute umfasst Kardex noch zwei Sparten. Zum einen ist dies die Division Remstar, welche auf automatische Lagersysteme spezialisiert ist, rund vier Fünftel des Gesamtumsatzes ausmacht und auch den deutlich grössten Anteil zum Betriebsgewinn liefert. Die zweite - auf Lagerbediengeräte und Transportsysteme fokussierte - Division Mlog ist zwar inzwischen auch rentabel, kommt jedoch bei weitem nicht an den Erfolg von Remstar ran.

Der Währungsgewinner unter den Schweizer Firmen

Viele exportorientierte Firmen verfluchen den 15. Januar 2015, da die Loslösung des Frankens vom Euro ihre Produkte im Ausland mit einem Schlag um 15 Prozent verteuerte. Nicht so Kardex: Da in Deutschland produziert wird, ist der Logistiker sogar ein "Währungsgewinner". Bilanziert wird in Euro.

Und nicht nur währungsbedingt scheint das gegenwärtige Umfeld dem Zürcher Konzern entgegenzukommen: In Zeiten mit geringen Margen wollen Unternehmen möglichst effizient agieren. Und da gehört eine kostensparende Logistik, die den Material- und Warenfluss optimiert, dazu. Die gut gefüllten Kardex-Auftragsbücher unterstreichen dies: Ihre Produkte sind gefragt am Markt. Zusätzlich verfügt Kardex über liquide Mittel von beinahe 100 Millionen Franken – damit sind Akquisitionen und weitere schöne Dividendenausschüttungen möglich. Aktuell liegt die Dividendenrendite bei 4 Prozent.

Weiteres Wachstum scheint garantiert, die Gewinnzahlen sind erfreulich, die Dividendenausschüttungen nahezu gesichert und eine Übernahme durch eine ausländische Firma macht gerüchtemässig ebenfalls die Runde: Eigentlich sprechen sehr viele Punkte für einen Kauf der Kardex-Aktie. Blöd nur, dass viele dieser "Good News" bereits im Kurs eingepreist sind. Denn: Das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis ist mit 20 eher hoch und der von der ZKB in einer Studie ermittelte faire Wert der Aktie von 63.20 Franken wird aktuell um mehr als 15 Prozent überboten.

Ist der Gipfel also erreicht? Nicht unbedingt. Die Kardex-Titel haben zwar ein längeres Kursfeuerwerk hinter sich und sind deshalb stolz bewertet, die Aussichten bleiben aber weiterhin gut. Und eine Kurs-Korrektur würde wohl spätestens dann wieder einem Anstieg weichen, wenn es auf die nächste Dividendensaison zugeht.