Katrina, Sandy, Harvey - Fed hält bei Stürmen Kurs

Der Hurrikan «Harvey» wird die Pläne der Notenbank Fed voraussichtlich nicht durcheinanderwirbeln - trotz Milliardenschäden.
03.09.2017 15:26
Der Wirbelsturm «Harvey» hat grosse Gebiete im Süden der USA verwüstet.
Der Wirbelsturm «Harvey» hat grosse Gebiete im Süden der USA verwüstet.
Bild: Bloomberg

"Dieses Naturunglück wird wohl die Konjunktur und auch die Geldpolitik aufs Ganze gesehen nicht beeinflussen", prophezeit der Ökonom Brett Ryan von der Deutschen Bank. Gemeinsam mit seinem Kollegen Matthew Luzzetti kommt er in einem Forschungspapier zu dem Schluss, dass die Fed sich von kurzzeitigen Schwankungen bei den Wachstumsdaten durch "Harvey" nicht vom Kurs abbringen lassen dürfte. Die Notenbank will schon bald den Abbau ihrer im Kampf gegen die zurückliegende Krise stark aufgeblähte Bilanz anpacken und eine weitere Zinserhöhung angehen, wenn es die Konjunktur erlaubt.

Diese wird durch "Harvey" zwar kurzfristig gedämpft, doch auf lange Sicht ohne grössere Blessuren davonkommen, wie Experten der Bank JPMorgan in einer Studie zu den Folgen des Hurrikans vorhersagen: "Generell gilt, dass Wirbelstürme kurzfristig die Wirtschaftsaktivität dämpfen, aber mittelfristig auch Schubkraft entwickeln."

Ein Blick auf die Lage in den besonders betroffenen Bundesstaaten Texas und Louisiana untermauert den ersten Teil der These. Wegen der Fluten im Grossraum Houston sind Chemieanlagen explodiert. Zwischen 17 und 27 Prozent der Raffineriekapazitäten der USA liegen wegen der Folgen des Sturms brach. Dies wird die Benzinpreise nach oben treiben, was viele Einzelhändler in den USA zu spüren bekommen dürften. Denn das für Sprit zusätzlich benötigte Geld werden die Verbraucher anderweitig einsparen müssen.

Künftige Konjunkturimpulse

Auch viele grosse Häfen in der Region sind geschlossen. Als Folge der Sturm- und Überflutungskatastrophe dürfte es zu einem Anstieg der Arbeitslosenanträge kommen und einer kurzfristigen Abschwächung des Wachstums insgesamt: Allein die Sachschäden durch "Harvey" belaufen sich laut einer Schätzung von Goldman Sachs bislang auf 30 Milliarden Dollar. Doch darin liegt auch eine Chance für die Wirtschaft: Denn wenn der Wiederaufbau in Gang kommt und die Sturmopfer von ihren Versicherungen ausbezahlt werden, wird die Konjunktur neue Impulse erhalten.

Trotz der verheerenden Wirkung des Hurrikans verweisen Experten darauf, dass es die USA in der Vergangenheit bereits härter getroffen hat. So fegte 2005 "Katrina" über den Süden der Vereinigten Staaten hinweg und hinterliess in New Orleans bis heute sichtbare Spuren der Verwüstung. Geschätzte Schäden damals: 150 Milliarden Dollar. Auch unter dem Eindruck dieses Monster-Sturms plädierte die einstige Präsidentin des Notenbankablegers von San Francisco und heutige Fed-Chefin Janet Yellen damals dafür, kühlen Kopf zu bewahren und geldpolitisch Kurs zu halten.

Sie warnte, ein Umsteuern wegen des Hurrikans könne sogar kontraproduktiv wirken, da sich Marktteilnehmer in die Irre geleitet fühlen könnten. Auch Wirbelsturm "Sandy", der sieben Jahre später über den Nordosten der USA hinwegzog, war für die Fed kein grosses Thema: In den Protokollen der damaligen Zinssitzung fand der Hurrikan kaum Erwähnung.

(Reuters)