Kauft EZB schon bald US-Staatsanleihen?

Eine französische Grossbank mit einer verrückten Idee, wie die EZB den Euro nachhaltig schwächen könnte – den Segen der Kollegen bei der US-Notenbank vorausgesetzt.
03.10.2014 08:44
Von Lorenz Burkhalter
FED-Chefin Janet Yellen könnte ihrem Kollegen Mario Draghi bei seinem Befreiungsschlag zu Hilfe eilen.
FED-Chefin Janet Yellen könnte ihrem Kollegen Mario Draghi bei seinem Befreiungsschlag zu Hilfe eilen.

Was das in Aussicht gestellte Rückkaufprogramm für verbriefte Forderungsansprüche nach amerikanischem Vorbild anbetrifft, liess sich die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstagnachmittag erstmals in die Karten blicken.

Die Finanzmärkte reagierten allerdings eher mit Befremden auf das 1000 Milliarden Euro schwere Programm, welches auch den Kauf von Schuldtiteln europäischer Länder mit einer schlechten Schuldnerbonität vorsieht. Auch die Hoffnung einiger Marktteilnehmer auf eine weitere Leitzinsreduktion oder eine Ausweitung des Negativzinses auf Einlagen wurde zerstreut.

In einer Strategiestudie bringt die für Exane BNP Paribas tätige Verfasserin nun eine neue und zugegebenermassen etwas verrückte Idee ins Spiel. Sie fordert, dass die EZB nicht wie vorgesehen verbriefte Forderungsansprüche europäischer Länder, sondern amerikanische Staatsanleihen erwerben solle.

Wie wahrscheinlich ist ein solcher Vorstoss?

"Damit lässt sich der Euro nachhaltig schwächen, was der Wirtschaft eine rasche Entlastung verschaffen würde", so schreibt die Strategin. Ihrer Ansicht nach würde ein Kauf amerikanischer Staatsanleihen dem Mandat der EZB nicht widersprechen. Ausserdem lasse sich der mit dem Kauf europäischer Schuldtitel verbundene rechtliche und politische Widerstand in den eigenen Reihen elegant umgehen.

Als Grundvoraussetzung nennt die Verfasserin der Studie hingegen den Segen der US-Notenbank und der dortigen Regierung. Doch auch aus Sicht der USA habe ein Kauf amerikanischer Staatsanleihen durch die EZB bestechende Vorteile. Ein solcher mache den geld- und zinspolitischen Kurswechsel der US-Notenbank möglich, ohne die für den Hypothekar- und Immobilienmarkt wichtigen langfristigen Zinsen nach oben zu treiben.

Weichen könnten schon am kommenden G7-Treffen gestellt werden

Entgegen den Aussagen der EZB vom Donnerstagnachmittag rechnet man bei Exane BNP Paribas mit einem politischen Widerstand und rechtlichen Schritten gegen das geplante Rückkaufprogramm. Den Entscheidungsträgern bleibe deshalb nichts anderes übrig, als ihre Geldpolitik kreativer auszulegen. Die Würfel könnten diesbezüglich schon am G7-Treffen vom 10. Oktober in Washington fallen.