Kaufte die SNB den australischen Bondmarkt leer?

Ein mysteriöser Käufer hat in den letzten Wochen mehrmals bei der Emission von australischen Staatsanleihen die Mitbietenden überboten. Zu den meistgenannten Verdächtigen gehört auch die Schweizerische Nationalbank.
21.08.2013 00:25
Von Pascal Meisser
Die SNB soll in Australien massiv Staatsobligationen gekauft haben.
Die SNB soll in Australien massiv Staatsobligationen gekauft haben.
Bild: Bloomberg

Eigenartiges hat sich in den letzten vier Wochen auf dem australischen Anleihenmarkt abgespielt, wie örtlichen Medienberichten zu entnehmen ist. Ein Käufer hat bei den jüngsten Auktionen von Staatsanleihen Dutzende Gebote von anderen Kaufwilligen überboten - und das gleich drei Mal. Am 16. und 31. Juli sowie am 2. August stach der unbekannte Bieter zwischen 40 und 52 andere Gebote aus. 

Ein vergleichbarer Vorgang liegt schon fünf Jahre her. Auch damals hatte ein einzelner Käufer eine ganze Emission leergefegt - allerdings zu einem deutlich kleineren Betrag.

"Dieses Vorgehen ist höchst unüblich und ein sehr teurer Vertrauensbeweis in die Schulden Australiens", kommentierte die australische Wirtschaftszeitung Business Day. Denn das Land ist im Zuge der rückläufigen Rohstoffnachfrage aus China in eine Rezession gerutscht. Auch die Währung hat seit Anfang Jahr deutlich nachgegeben. Gegenüber dem Franken ist der australische Dollar um über 12 Prozent gefallen.  

Noch seltsamer mutet an, dass diesmal ein einzelner Käufer gleich bei drei Auktionen mitgeboten hat. "Es kann sich fast nur um eine Notenbank oder einen Staatsfonds handeln", liess sich ein Bond-Trader einer asiatischen Bank in Sydney zitieren. Tatsächlich sind in den letzten Jahren Zentralbanken in Australien mit Devisenkäufen aufgefallen, um ihre Währungsreserven in US-Dollar und Euro zu diversifizieren.

SNB als meist genannter Käufer

Zu den heissen Anwärtern auf diese Käufe wird in Australien die Schweizerische Nationalbank (SNB) genannt. Für eine Stellungnahme war bei der Nationalbank vorerst niemand erreichbar.

Für die SNB spricht, dass sie seit Juli dieses Jahres eine Niederlassung in Singapur unterhält. Dies mit dem Ziel, vermehrt im immer wichtiger werdenden asiatisch-pazifischen Raum zu investieren. Seit 2010 setzt die Nationalbank immer mehr auf Devisen aus dieser Region. 

So nahm sie neben dem australischen und den Singapur-Dollar auch den Yen als Reservewährungen auf. Seit dem ersten Quartal 2012 wird zusätzlich in den südkoreanischen Won investiert. Weitere Anlagemöglichkeiten für Währungen und Anleihen werden gemäss SNB-Angaben ständig geprüft. Derzeit werden von Singapur aus Devisenreserven im Umfang von 50 Milliarden Franken verwaltet.

Letztmals wurden vor gut einem Jahr SNB-Aktivitäten in Australien publik. Damals kauften die Schweizer Währungshüter den Aussie-Dollar zu. Ein Vorgang, der sogar den australischen Notenbankgouverneur überraschte. "Üblicherweise verkaufen Investoren unsere Währung bei sinkenden Rohstoffpreisen", sagte Glenn Stevens damals gegenüber Reuters. 

Nach Angaben der Reserve Bank of Australia (RBA) hatte die SNB im Mai 2012 Dollar-Käufe im grossen Stil getätigt. Aber auch andere institutionelle Investoren wurden vermehrt als Käufer gesichtet. Als Rohstoffwährung galt der Aussie-Dollar nebem Gold und dem Schweizer Franken als sicherer Hafen - und damit als ideales Investment, um den Turbulenzen in der Eurozone aus dem Weg zu gehen.