Kaum Verschnaufpause für die UBS

Die gute Nachricht: Die UBS hat genug Geld zurückgestellt, um die 774-Millionen-Aufsichtsstrafe im Devisenfall zu bezahlen. Die schlechte Nachricht: Vor Gerichten könnte es noch viel teurer werden.
12.11.2014 12:20
Von Marc Forster
Für die grösste Schweizer Bank gibt es noch viel aufzuräumen.

"Insgesamt wurden im dritten Quartal für diesen Rechtsstreit Aufwendungen von 1,8 Milliarden Franken gebucht", ruft die Bank Vontobel in einem aktuellen Marktkommentar in Erinnerung. Die Einigungen beinhalteten auch Korrekturmassnahmen, welche die UBS in vielen Fällen bereits durchgeführt habe. Vontobel empfiehlt die UBS-Aktie weiter zum Kauf und hält am Kursziel von 21,50 Franken fest. Momentan notieren die Titel bei 16,80 Franken.

Durch die Einigungen mit den Aufsichtsbehörden in der Schweiz, Grossbritannien und den USA reduziere sich die Anzahl hängiger Gerichtsverfahren. Die Rücklagen der Grossbank für die weiteren Fälle seien immer noch erheblich, schreibt Vontobel.

Aus Sicht von J. Safra Sarasin ist die UBS beim Bereinigen der Rechtsfällen, die immer noch milliardenschwer sind, nun deutlich vorwärts gekommen. "In Anbetracht früherer Aussagen vom UBS-Management glauben wir, dass noch hängige Fälle künftig rascher erledigt werden können."

Im Lichte des Konzernumbaus der UBS hin zu einer schwergewichtig als Vermögensverwalter tätigen globalen Bankengruppe sei dies von Vorteil. Die UBS könne dadurch besonders im Wealth Management das Potential besser nutzen, sagt SafraSarasin-Analyst Rainer Skierka. Er hält an seiner Kaufempfehlung für die UBS-Aktie fest.

Teure Zivilverfahren

Weniger optimistisch klingt ein Marktkommentar von Helvea Baader. Mit der Einigung werde zwar ein Schlussstrich unter ein trauriges Kapitel gezogen. Dies allerdings nur hinsichtlich der Bussen, die von Aufsichtsbehörden ausgesprochen wurden. Das Brokerhaus Helvea Baader ist weniger optimistisch, was Gerichtsverfahren betrifft: "Die Bedeutung der Libor- und Devisenkurse für Finanzgeschäfte weltweit bringt es unserer Ansicht nach mit sich, dass den involvierten Banken in den nächsten Jahren schwierige Gerichtsfälle drohen könnten, vor allem wegen Sammelklagen in den USA."

Dies koste schon vor irgendwelchen Einigungen viel Geld, und Zivilgerichte könnten sehr hohe Strafen verhängen, wenn es dann zu Prozessen komme. "Das könnte eine ziemlich grosse Sachen für die Bankenindustrie werden und zudem Jahre dauern, bis Ergebnisse vorliegen", schreibt das Brokerhaus. Helvea Baader empfiehlt für die UBS-Aktie ein "hold" und fixiert das Kursziel bei 17,50 Franken.

Die Zürcher Kantonalbank (ZKB), die für die UBS-Aktie "übergewichten" vorschlägt, ruft nach das US-Justizdepartement in Erinnerung: "Weitere hohe Kosten in dieser Sache dürften noch vom Department of Justice auf die UBS zukommen."