«Kein gutes Zeichen» bei Von Roll

Der Technologiekonzern Von Roll gab am Dienstag überraschend einen CEO-Wechsel bekannt. Marktbeobachter glauben zu wissen, wer hinter diesem Sesselrücken steckt.
19.12.2012 05:00
Von Pascal Meisser
Achim Klotz ist der neue Von-Roll-Chef.
Achim Klotz ist der neue Von-Roll-Chef.
Bild: ZVG

Nur gerade zwei Jahre konnte sich Matthias Oppermann beim Wädenswiler Technologiekonzern Von Roll im Chefsessel behaupten. Der Deutsche war im Januar 2011 auf seinen Landsmann Thomas Limberger gefolgt, nun wird er mit Achim Klotz ebenfalls von einem Deutschen abgelöst. Klotz leitete bisher den Bereich Advanced Materials beim Maschinenbauunternehmen Bühler in Uzwil. 

Der am Dienstagmorgen bekanntgegebene Führungswechsel kam auch für Marktbeobachter unerwartet. "Das ist kein gutes Zeichen", schrieb Vontobel-Analyst Andy Schnyder im Morning Focus. Denn die von Oppermann gestartete Strategieänderung war zumindest im Bereich Rentabilitätsverbesserung auf Kurs. 
 
Druck aus Aktionärskreisen vermutet
 
Die neue Strategie Von Rolls besteht aus sieben Projekten, die vor gut einem Jahr vom Verwaltungsrat verabschiedet wurde. So wollte das Unternehmen unter anderem im Kerngeschäft vermehrt investieren und den Maschinenpark erneuern. Dieser wurde damals von Oppermann als "sehr alt" bezeichnet. Zur Diskussion stand auch eine Ausweitung der Produktion in Israel. 
 
Gemäss offizieller Version wurde Klotz neuer CEO, weil für die Umsetzungsphase der Strategie technische Kenntnisse auf der Führungsebene im Vordergrund stehen. "Herr Klotz bringt diese mit", wie eine Von-Roll-Sprecherin mitteilte. 
 
Inoffiziell war aber gewissen Kreisen die Implementierung dieser neuen Strategie nicht erfolgreich genug. Zumindest fielen die Neunmonats-Zahlen deutlich unter den Erwartungen aus, auch wenn dies wegen des Umfelds kaum überrascht. Keine Unterstützung erhielt der bisherige CEO auch vom Aktienkurs. Dieser sank seit Jahresbeginn um 22 Prozent, seit seinem Arbeitsantritt bei Von Roll gar um 60 Prozent. 
 
Marktbeobachter vermuten, dass aus Aktionärskreisen Druck ausgeübt wurde, den Chef auszuwechseln. Einiges deutet darauf hin, dass die deutsche Grossaktionärsfamilie August von Finck für diese Rochade verantwortlich ist. Von Finck hatte seit seinem Einstieg in den 90-er Jahren eine substanzielle Geldsumme mit Von-Roll-Aktien verloren. Und nachdem bereits die Wachstumsstrategie von Limberger gescheitert war, wurde seine Geduld nun auch von Oppermann strapaziert. 
 
Aktien kein Kauf
 
Oppermann wird gemäss einer Von-Roll-Sprecherin freigestellt, bleibt aber wegen des bis Ende 2013 laufenden Vertrags auf der Lohnliste der Firma. Der Deutsche hatte bei seinem Amtsantritt einen Dreijahresvertrag erhalten. Etwas, was für Schweizer Verhältnisse doch eher unüblich sei, wie der Winterthurer Headhunter Erwin Flury von Fluris Consulting auf Anfrage sagte. "Einen solchen Vertrag kann man als obergoldigen Fallschirm sehen", so Flury. 
 
Angesichts der wieder neu aufflackernden Unsicherheiten um Von Roll ist von einem Kauf der Aktien abzuraten. Der Chefwechsel dient kaum dazu, das Vertrauen an den Finanzmärkten weiter zu stärken. Zudem wird Achim Klotz einige Zeit benötigen, bis er die geforderten technischen Kenntnisse unter Beweis stellen kann. Der aktuelle Aktienkurs bei 2 Franken nimmt bereits ein positives Szenario vorweg.