KOF-KonjunkturumfrageGeschäftslage bei Schweizer Unternehmen im Vorwärtsgang

Trotz des kleinen Dämpfers im Juli ist die Geschäftslage bei den Schweizer Unternehmen immer noch gut. Zuvor hatte sie sich sechs Monate in Folge verbessert.
07.08.2017 15:20
Deutlich vom Frankenschock erholt: die Schweizer Industrie (im Bild Flaschenproduktion bei Vetropack).
Deutlich vom Frankenschock erholt: die Schweizer Industrie (im Bild Flaschenproduktion bei Vetropack).
Bild: ZVG

Damit hat sich die schwierige Situation der heimischen Firmen seit Jahresbeginn deutlich entspannt. "Wir sind noch nicht wieder auf dem Niveau von vor der Aufhebung des Euro-Mindestkurses vom Januar 2015, aber wir sind doch ein ganzes Stück wieder aus dem Tal herausgekommen", sagte Klaus Abberger von der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF) am Montag vor den Medien. Dies zeige die Konjunkturumfrage vom Juli bei 4500 Unternehmen. Die Schweizer Wirtschaft befinde sich im Vorwärtsgang.

Die Erholung sei breit abgestützt, sagte Abberger. In allen Regionen habe sich die Situation deutlich verbessert. "Und, was uns Mut macht, sind die Erwartungen der Unternehmen für die nahe Zukunft. Die Firmen rechnen damit, dass sich die Erholung in den nächsten sechs Monaten fortsetzen dürfte."

Grosse Branchenunterschiede

Bei den Branchen zeigen sich indes grosse Unterschiede. Grösster Gewinner sei das Gastgewerbe, das spürbar aufatme, teilte die KOF mit. Sowohl die Hotels als auch die Restaurants hätten ein relativ gutes Frühjahr erlebt. Die Branche habe vom Wetter profitiert, das besser gewesen sei als im Vorjahr.

Die Übernachtungen hätten auch bei den ausländischen Gästen wieder zugenommen. "Das ist keine Eintagsfliege", sagte Abberger. Die Zimmerauslastung in den Hotels sei gestiegen. Für die kommenden drei Monate rechnen die Hotels mit einer weiter anziehenden Nachfrage. Das Gastgewerbe habe die rote Laterne an den Detailhandel abgegeben.

Im Detailhandel sei die Situation am schwierigsten, sagte Abberger. Die Geschäftslage sei sehr mühsam. Der Absatz von Waren stagniere, obwohl etwas mehr Leute in die Läden kämen. Zudem beklagten die Detailhändler weiterhin zu volle Lager. Die vom Einkaufstourismus getroffene Branche habe Mühe, sich aus ihrer schwierigen Lage zu befreien.

Industrie mit mehr Dynamik

Dagegen hat sich die Industrie deutlich erholt, die wie das Gastgewerbe massiv unter dem starken Franken gelitten hatte. Zugpferd dieser Entwicklung sei die Exportindustrie, sagte Abberger. Die binnenorientierte Industrie hinke indes hinterher.

Den grössten Aufschwung zeigte die Maschinen- und Fahrzeugindustrie, die von der besseren Wirtschaftslage in Europa profitierten. Auch wenn die Lage noch nicht toll sei, die europäische Industrie ziehe an. Dies wirkt sich zugunsten von Schweizer Firmen aus.

Die Kapazitätsauslastung habe zugenommen, womit sie mit gut 82% beinahe den Durchschnitt der letzten zehn Jahre erreicht habe. Dennoch sei die Auslastung noch weit vom langjährigen Durchschnitt entfernt. Auch die Ertragslage sei besser geworden. Und die Firmen wollten kaum noch Personal abbauen.

Zusätzlicher Schub dank schwachem Franken

Die Bauwirtschaft schwanke zwischen gut und sehr gut. Die Branche gewinne wieder an Dynamik. Auch der jüngste, harte Preiskampf habe sich gewissermassen entspannt. Der Grosshandel melde ebenfalls eine deutlich bessere Lage.

Eine leichte Eintrübung gebe es indes im traditionell sehr volatilen Finanzsektor, bei den Banken und Versicherungen sowie übrigen Dienstleistern. Das Geschäft mit ausländischen Kunden hab sich etwas entspannt. Auch das Firmenkundengeschäft ziehe an, sagte Abberger.

Insgesamt sei das Bild der Schweizer Unternehmen positiv, die Stimmung aber noch nicht euphorisch, sagte Abberger. Dass der Franken sich gegenüber dem Euro mittlerweile auf 1,15 Franken abgeschwächt habe, sorge für zusätzlichen Schub.

(AWP/SDA)

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