Kommen nun schwierigere Monate für Börsen?

Analysten einer französischen Grossbank sind bezüglich Aktienanlagen eher pessimistisch für das zweite Quartal.
23.03.2015 07:58
Von Lorenz Burkhalter
Nestlé in Vevey: Der Nahrungsmittelsektor wird von Analysten nicht so gut beurteilt.
Nestlé in Vevey: Der Nahrungsmittelsektor wird von Analysten nicht so gut beurteilt.
Bild: Bloomberg

Nur noch wenige Tage, dann ist das erste Quartal bereits Geschichte. Schon heute lässt sich sagen, dass es diese drei Monate in sich hatten: Von der Politik des billigen Geldes angetrieben, sprang der breit gefasste Stoxx-600-Index um gut 17 Prozent nach oben. Damit übertraf das europäische Börsenbarometer selbst die kühnsten Erwartungen.

Aus aktuellem Anlass wagen die Aktienstrategen von Exane BNP Paribas einen ersten Ausblick auf das anstehende zweite Quartal. Ihre Schlüsselbotschaft an die eigene Anlagekundschaft ist dabei unmissverständlich: Den Märkten stehen nach dem Kursfeuerwerk schwierigere Monate bevor.

Stossen europäische Aktien an ihre Grenzen?

Die vergangenen Monate seien in Europa von einer Entspannung im Finanzsystem sowie einer Wachstumsbeschleunigung geprägt gewesen, so die Experten. In diesem für Aktien idealen Umfeld seien die Kurse stark gestiegen.

Nun sehen die Strategen allerdings zusehend Wolken am Horizont aufziehen. Dies nicht zuletzt in Form einer ersten Leitzinserhöhung seitens der US-Notenbank, welche den dortigen Aktienmarkt belasten werde. Die Experten halten es für unwahrscheinlich, dass sich die europäischen Börsen dem davon ausgehenden Verkaufsdruck entziehen können.

Sorgen bereitet den Strategen vor allem die mittlerweile stolze Bewertung. Nicht weniger als neun im Stoxx-600-Index berücksichtigten Sektoren würden auf den diesjährigen Konsensschätzungen mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 18 bewertet, so schreiben sie. Um die branchenseitigen Unterschiede und die strukturellen Herausforderungen bereinigt, liege die Bewertung europäischer Aktien sogar über jener der amerikanischen Börse. Sollte sich der zuletzt schwache Euro erholen, würde die Bewertung noch stolzer.

Pharma und Nahrungsmittel kritisch

Im Hinblick auf das anstehende zweite Quartal nehmen die Experten deshalb Anpassungen bei ihren Branchenpräferenzen vor. Die Aktien europäischer Automobilhersteller stufen sie von "Übergewichten" auf "Neutral" herunter. Der in der Kursentwicklung zurückgebliebene Detailhandelssektor geht hingegen von "Neutral" auf "Übergewichten".

Positiv werden bei Exane BNP Paribas Aktien aus den Bereichen Grundstoffe, Detailhandel, Bau und Baumaterial sowie Banken eingestuft. Die bei uns in der Schweiz prominent vertretenen Sektoren Gesundheit und Nahrungsmittel werden hingegen neutral wenn nicht gar negativ beurteilt.