«Kompetenz bündeln» - Luftfahrtbranche sortiert sich neu

Airlines verschwinden und Flugzeughersteller kooperieren: In der Luftfahrtbranche beschleunigen sich die Aufräumarbeiten.
22.10.2017 09:55
Die Flugzeugbauer tun sich zusammen: Eine Bombardier C-Series (vorne) und ein Airbus A320 der Swiss auf dem Flughafen Zürich-Kloten.
Die Flugzeugbauer tun sich zusammen: Eine Bombardier C-Series (vorne) und ein Airbus A320 der Swiss auf dem Flughafen Zürich-Kloten.
Bild: Pixabay

Während die Fluggesellschaft Air Berlin zum Monatsende vom Himmel verschwindet und sieben Interessenten um die ebenfalls insolvente Alitalia buhlen, kommt es nun auch zu Kooperationen unter den Flugzeugbauern.

So greift Airbus dem kanadischen Hersteller Bombardier unter die Arme und übernimmt die Mehrheit an dessen "CSeries"-Modellfamilie von Mittelstrecken-Passagierflugzeugen. Airbus zahlt für den Einstieg kein Geld, soll aber künftig Einkauf, Vertrieb, Marketing und Wartung für die Baureihe übernehmen, für die Bombardier seit 18 Monaten keinen neuen Auftrag bekommen hat. Lob kam am Dienstag umgehend von der Lufthansa, die Grosskunde von beiden Konzernen ist. "Lufthansa wird von der künftigen Zusammenarbeit zweier Firmen profitieren, die ihre Innovation und Kompetenz bündeln", sagte Vorstandschef Carsten Spohr auf einer Branchenkonferenz in Brüssel.

Spohr betonte, die gemeinsame Entwicklung von Technologie sei enorm wichtig für die Luftfahrt. Die Zukunft der "CSeries" sei jetzt sehr viel sicherer. Für Bombardier zeichnet sich mit dem Airbus-Deal auch eine Lösung für den Streit mit Boeing und der US-Regierung um Subventionen ab: Airbus-Chef Tom Enders sagte, der Konzern habe angeboten, die Bombardier-Maschinen, die an Fluggesellschaften aus den USA gingen, in seinem Werk im US-Bundesstaat Alabama zusammenbauen zu lassen.

Damit unterlägen sie nicht den Strafzöllen von bis zu 300 Prozent, die in den USA drohten, sagte Bombardier-Chef Alain Bellemare. "Eine Montage in den USA kann das Problem lösen." Bisher findet die Endmontage in Mirabel bei Montreal statt. Nach offiziellem Bekunden ist der Einstieg von Airbus aber keine Reaktion auf die Beschwerde von Boeing: "Wir machen das, weil es strategisch der richtige Schritt für Bombardier ist." Die Transaktion solle in sechs bis zwölf Monaten unter Dach und Fach sein.

Eurowings soll wachsen

Die Airline-Branche ist nach Spohrs Worten so zersplittert wie kaum eine andere. Selbst die Lufthansa habe als Schwergewicht in Europa nur einen Weltmarkt-Anteil von drei Prozent. Deshalb mischt die Kranich-Linie derzeit auch aktiv bei den Konsolidierungsbemühungen mit. So bietet Lufthansa nun auch für Teile der italienischen Konkurrentin Alitalia.

Bei der deutschen Rivalin Air Berlin hat die Lufthansa bereits zugeschlagen und einigte sich in der vergangenen Woche darauf, mehr als die Hälfte der Air-Berlin-Flotte zu übernehmen. Es geht um 81 der insgesamt gut 130 Air-Berlin-Maschinen, darunter die österreichische Tochter Niki. Die Pläne müssen zwar noch von den Kartellwächtern abgesegnet werden. Doch die Lufthansa frohlockt bereits und will ihre Billigtochter Eurowings deutlich ausbauen, um inbesondere den schnell wachsenden ausländischen Billigfliegern Paroli zu bieten. Allerdings will sich auch die britische EasyJet aus den Überresten von Air Berlin und Alitalia bedienen.

Eurowings hätte künftig 211 Maschinen. Der Air-Berlin-Deal soll den Umsatz der Tochter schon im kommenden Jahr über die Marke von fünf Milliarden Euro hieven, wie Eurowings-Chef Thorsten Dirks in Düsseldorf sagte. Die Zahl der Passagiere solle dann auf über 40 Millionen zulegen. 2017 werden Erlöse von vier Milliarden Euro erwartet und das Erreichen der Gewinnschwelle erwartet. Dirks setzt darauf, dass die Zeiten sinkender Ticketpreise zu einem Ende kommen.

Preiserhöhungen "auf breiter Front" - was Kritiker des Air-Berlin-Deals für beliebte Kurzstreckenverbindungen befüchten - seien aber nicht geplant. Dirks geht davon aus, dass die EU-Kommission bis Jahresende grünes Licht gibt. Er erwarte aber Auflagen für einzelne Strecken - möglicherweise müssen diese dann an Wettbewerber gehen. Spohr sagte in Brüssel, die Lufthansa werde Auflagen der EU annehmen, wenn diese angemessen seien.

(Reuters)