Konjunktur büsst Tempo ein - Wachstum: Spaniens «Alarmglocken läuten»

Weniger Touristen und wieder mehr Arbeitslose: Spanien droht eine Delle in der 2013 begonnen wirtschaftlichen Belebung.
07.09.2018 13:37
Plastikstier vor einem Touristenladen in Madrid.
Plastikstier vor einem Touristenladen in Madrid.
Bild: cash

Mehrere Ökonomen senkten zuletzt ihre Wachstumsprognose für die fünftgrösste Volkswirtschaft Europas in diesem Jahr auf rund 2,5 Prozent, nachdem die jüngsten Konjunkturdaten schlechter als erwartet ausgefallen waren. "Es hat eine Reihe kleiner böser Überraschungen gegeben, die Alarmglocken ausgelöst haben", sagte der Chefökonom der spanischen Grossbank BBVA, Rafael Domenech.

Die Zahl ausländischer Touristen ist wegen der stärker werdenden Konkurrenz im Juli erstmals seit neun Jahren gesunken. Sie lag um 4,9 Prozent unter dem Niveau des Vorjahresmonats. Der Tourismus trägt etwa elf Prozent zur spanischen Wirtschaftsleistung bei und beschäftigt so viele Menschen wie keine andere Branche. Doch nun wächst die Konkurrenz durch andere Mittelmeerziele - neben Tunesien auch Ägypten und die Türkei. Diese locken Besucher aus Deutschland und Grossbritannien mit günstigen Angeboten: Pauschalreisen dorthin sind einer Studie zufolge um bis zu 73 Prozent billiger als in den spanischen Hochburgen Ibiza, Mallorca und Menorca. Tunesien etwa meldete in der ersten Jahreshälfte ein Gästeplus von 40 Prozent.

Wolken über der Gastronomie

"Viele Restaurants haben begonnen, ihre Türen zu schliessen", sagte der Gründer der Restaurantkette Sagardi, Inaki Lopez de Vinaspre. "Und es wird noch viele mehr in diesem Herbst geben." Zuletzt nahm auch die Zahl der Arbeitslosen zu: Sie wuchs im August um 1,5 Prozent. Der grosse Dienstleistungssektor meldete zugleich den fünften Monat in Folge ein schwächeres Auftragsplus, während die Einzelhändler Umsatzrückgänge beklagten.

Selbst mit Raten zwischen 2,0 und 2,5 Prozent würde Spanien aber immer noch zu den am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften in der Europäischen Union gehören. Für Deutschland als Europas Nummer eins werden knapp zwei Prozent vorhergesagt. Allerdings ist Spanien auf eine kräftige Belebung angewiesen, um von der hohen Arbeitslosigkeit herunterzukommen. Derzeit liegt die Erwerbslosenquote bei 15 Prozent - es ist die zweithöchste innerhalb der EU nach Griechenland. In Deutschland beträgt sie 3,4 Prozent, in der Euro-Zone 8,2 Prozent.

(Reuters)