Konjunktur DeutschlandÜberraschender Dämpfer für deutsche Industrie

Die deutsche Industrie ist mit einem überraschenden Auftragsminus ins Sommerquartal gestartet.
06.09.2017 08:18
Firmensitz: Zentrale von BMW in München.
Firmensitz: Zentrale von BMW in München.
Bild: Pixabay

Die Unternehmen sammelten im Juli 0,7 Prozent weniger Bestellungen ein als im Vormonat, wie das Bundeswirtschaftsministerium am Mittwoch mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hingegen hatten mit einem Plus von 0,3 Prozent gerechnet, nachdem es im Juni einen Anstieg von 0,9 Prozent gegeben hatte. "Die Bestelltätigkeit befindet sich auf einem sehr hohen Niveau", erklärte das Ministerium allerdings. "In den letzten drei Monaten haben die deutschen Unternehmen fast so viele Aufträge eingesammelt wie zuletzt vor Ausbruch der Wirtschafts- und Finanzkrise im Jahr 2008."

Die deutsche Wirtschaft war zwischen April und Juni um 0,6 Prozent gewachsen und dürfte nach Ansicht der Bundesbank auch im laufenden dritten Quartal deutlich zulegen.

Analysten sagten zu den Daten in ersten Reaktionen:

ALEXANDER KRÜGER, BANKHAUS LAMPE:

"Der Konjunkturhype wird durch den Auftragseingang nicht befeuert. Einmal mehr bestätigt sich, dass die realen Daten mit der überaus guten Stimmung nicht mithalten. Der rückläufige Auftragseingang im Juli dürfte allerdings nur eine Verschnaufpause sein. Nordkorea ausgeblendet befinden sich moderate Impulse für die Produktion weiter in der Pipeline."

STEFAN KIPAR, BAYERNLB:

"Die Juli-Daten haben zwar die Erwartungen enttäuscht, dies lag jedoch erneut an unterdurchschnittlichen Grossaufträgen, die üblicherweise nur einen sehr indirekten Einfluss auf die Produktion haben. Eine deutlich ansteigende Dynamik ist im Auftragseingang nicht zu erkennen, die Vorgaben für die Konjunktur in der zweiten Jahreshälfte bleiben allerdings insgesamt ordentlich. Positiv ist auch zu vermerken, dass die Neubestellungen aus dem Nicht-Euro-Ausland im Juli trotz des jüngst stärkeren Euro-Aussenwertes nicht gelitten haben."

(Reuters)