Konjunktur - Seco senkt BIP-Prognose für 2017 leicht auf 1,6%

Die Ökonomen des Bundes haben ihre Wachstumsprognose 2017 aufgrund des schlechten vierten Quartals 2016 von bisher 1,8 auf 1,6 Prozent leicht gesenkt.
21.03.2017 12:08
Frachtcontainer warten auf ihren Transport. Der Schweizer Export floriert.
Frachtcontainer warten auf ihren Transport. Der Schweizer Export floriert.
Bild: Pixabay

Dennoch gehen sie aufgrund der aktuellsten Daten von einer klaren Wachstumsbeschleunigung aus. Die Erholung der Schweizer Wirtschaft werde sich "in einem soliden jedoch nicht ausserordentlich starken Tempo fortsetzen", teilte das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) am Dienstag mit. Die Ökonomen haben ihre Prognose gesenkt. Sie sprechen von einer "leichten, technischen Korrektur nach unten".

Eric Scheidegger, Leiter der Direktion für Wirtschaftspolitik beim Seco, betonte auf Anfrage, dass das vierte Quartal 2016 enttäuschend verlaufen sei. Dies sei der Grund für die Korrektur nach unten.

"Das schwache vierte Quartal 2016 bedeutet, dass wir mit wenig Tempo ins neue Jahr starten", erklärte Scheidegger. Um dennoch die bisherige Prognose von 1,8% erreichen zu können, müsste die Wirtschaft "jetzt übermässig aufholen". Dies scheint nicht realistisch. Deshalb ist für Scheidegger das enttäuschende vierte Quartal die Basis, auf der die Prognose für 2017 nach unten revidiert wurde. Doch für 2018 bleibt die Prognose unverändert: Das Seco geht weiter von einem BIP-Wachstum von 1,9% aus.

Positive Exportzahlen

Im Schlussquartal 2016 hat besonders die Industrie das Wachstum gedrückt. Nach dem Frankenschock von 2015 habe die Erholung der Schweizer Wirtschaft "vorläufig an Dynamik eingebüsst", heisst es in der Mitteilung.

Doch im Januar 2017 entwickelten sich die Exporte "überaus positiv", vor allem jene der Pharma- und Chemieindustrie. Im letzten Quartal 2016 hatten gerade diese beiden Industriebranchen besonders enttäuscht. Hoffnungsvoll stimmt die Experten des Bundes auch, dass sich die Stimmungsindikatoren zuletzt aufgehellt haben.

Sie gehen davon aus, dass vor allem die Inlandnachfrage das Wachstum im laufenden und im kommenden Jahr stützen wird. Diese kommt zu einem kleineren Teil von den Unternehmen. Die gestiegene Zuversicht der Schweizer Unternehmen lasse erwarten, das die Ausrüstungsinvestitionen moderat expandieren werden, heisst es in der Mitteilung.

Vor allem wirkt aber der private Konsum stützend. Dieser trägt mit rund 60% zum schweizerischen BIP bei. Laut Seco wird er sich festigen, vor allem weil sich der Arbeitsmarkt erholt und weil zudem die Bevölkerung in der Schweiz wächst.

Trendwende auf dem Arbeitsmarkt

Die Konsumenten zeigen sich grundsätzlich ausgabefreudiger, je sicherer sie sich ihres Arbeitsplatzes sind. Und in der Tat: "Die Konsumenten scheinen zu fühlen, dass sich eine positive Trendwende vollzieht", sagt Scheidegger. Hatte der private Konsum 2015 um 1,1% zugelegt, steigerte sich die Wachstumsrate 2016 auf 1,2%, und 2017 soll sie laut Seco bei 1,5% in realen Werten liegen.

Umgekehrt zeigt die Arbeitslosenquote eine sinkende Tendenz: Lag sie 2016 bei 3,3%, wird sie laut Seco 2017 auf 3,2% zurückgehen und 2018 auf 3,1%. Analog soll die Zahl der Beschäftigten im laufenden Jahr um 0,4% zunehmen und 2018 um 0,6% (jeweils in Vollzeitäquivalenten).

Scheidegger verweist darauf, dass der Arbeitsmarkt eine "abgeleitete Nachfrage" sei. Blicken die Unternehmen positiv auf die Wirtschaftsentwicklung in der Schweiz und auf die der wichtigsten Handelspartner, spiegelt sich dies auf dem Arbeitsmarkt, der dann wiederum für eine positive Konsumentenstimmung sorgt, die den Konsum und das BIP stützt.

Die Seco-Ökonomen gehen auch davon aus, dass der Aussenhandel positiv zum BIP-Wachstum beitragen wird. "Insgesamt ist die internationale Entwicklung mit den bisherigen Erwartungen der Expertengruppe in Einklang", heisst es in der Mitteilung.

So dürfte die US-Wirtschaft stärker wachsen als 2016. Für den Euro-Raum gehen die Ökonomen von einer Fortsetzung des "moderaten" Wachstums aus. In China scheine sich die Erwartung einer "sanften Landung" zu bestätigen. Und die Aussichten für die BRIC-Länder (Brasilien, Russland, Indien, China) seien ermutigend.

Deflation kein Thema mehr

Auch bei der Inflation sieht Scheidegger positive Impulse für die Aussenwirtschaft. 2017 sollte die Teuerung laut Seco bei einem Plus von 0,5% liegen und 2018 bei +0,3%. Das ist zwar weit entfernt von den 2%, die gemeinhin für stabile Preise angenommen werden.

"Aber wir diskutieren nicht mehr über die Gefahr einer Deflation", sagt Scheidegger. Zudem steigen die Preise in der Schweiz weniger stark als in der Eurozone und vor allem als in den USA. Damit steigen die Kosten für die Exporteure dieser Länder. Aber für die Schweizer Unternehmen sei das auch ein positiver Nebeneffekt, sagt Scheidegger.

Das grösste Risiko für das Wachstum der Schweizer Wirtschaft sehen die Ökonomen darin, dass der Franken weiter aufwerten könnte. Dafür könnten Risikofaktoren wie die anstehenden Wahlen in Frankreich, die latenten Probleme des italienischen Bankensektors und die Modalitäten des Brexit-Entscheids sorgen.

(AWP)