KonjunkturSNB und BAK rechnen für 2017 mit tieferem BIP-Wachstum

Sowohl die Schweizerische Nationalbank (SNB) als auch die Ökonomen von BAK Economics haben am Donnerstag ihre Konjunkturprognosen für das laufende Jahr gesenkt.
14.09.2017 11:40
Flaschenproduktion bei Vetropack.
Flaschenproduktion bei Vetropack.
Bild: ZVG

Grund für die Anpassungen sind die tiefen BIP-Werte aus den Vorquartalen. Für die nächsten Monate seien die Aussichten hingegen gut.

Die SNB senkte im Rahmen ihrer geldpolitischen Lagebeurteilung ihre Prognosen von "rund 1,5%" auf noch "knapp 1,0%". BAK Economics rechnet 2017 neu nur noch mit einem Wachstum des realen Bruttoinlandprodukts (BIP) von 1,0% statt der bisherigen 1,4%. Als Begründung für ihre Anpassungen nennen sowohl die SNB als auch BAK Economics die revidierten Werte in den Quartalsschätzungen.

Sie begründen dies somit mit Zahlen, die das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) letzte Woche vorgelegt hatte. Dabei wurde das BIP-Wachstum im ersten Quartal von 0,3 auf 0,1 Prozent gesenkt, und im vierten Quartal 2016 rutschte die Kennzahl mit -0,2 Prozent sogar ins Minus. Claude Maurer, Leiter Konjunkturanalyse bei der Credit Suisse, hatte dies gegenüber AWP Video als "grosse Enttäuschung" bezeichnet.

Experten bleiben optimistisch für 2018

Trotz der Senkung der Zahlen bleibt die SNB für die Zukunft optimistisch. Sie sieht die Schweizer Wirtschaft weiterhin auf einem Erholungskurs, auch wenn sie diesen als "moderat" einstuft. Die Wirtschaft profitiere von der Festigung der internationalen Konjunktur, heisst es in der Mitteilung zur Lagebeurteilung.

Die Dynamik der Warenexporte habe sich belebt, was die Industrietätigkeit unterstütze. Somit erhöhe sich die Auslastung der Produktionskapazitäten, und auch die Investitionsbereitschaft der Unternehmen nehme allmählich zu. Eine konkrete Prognose für 2018 lieferte die SNB wie üblich zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Deutlich positiv fällt die Prognose der BAK-Ökonomen aus. Für 2018 gehen sie neu von einem Plus von 2,3% statt 1,8% aus. Schon im zweiten Halbjahr 2017 sei eine "deutliche Konjunkturbeschleunigung" zu erwarten, heisst es. Sowohl die Binnenkonjunktur als auch der Schweizer Exportsektor würden in den nächsten Monaten und Quartalen an Schwung gewinnen.

Beim Export profitiere die Schweizer Industrie von der robusten Konjunktur im Euroraum sowie der jüngsten Abwertung des Frankens. Es sei daher auch mit einer deutlichen Beschleunigung bei den Ausrüstungsinvestitionen zu rechnen, so das Wirtschaftsforschungsinstitut.

Konsum dürfte profitieren

Der Konsum dürfte zudem laut den BAK-Experten von der guten Arbeitsmarktentwicklung profitieren. Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote wird in ihren Augen im Jahresdurchschnitt 2018 auf 3,0% sinken. Zudem sei mit wieder stärker steigenden Löhnen zu rechnen, was die Ausgabenbereitschaft zusätzlich ankurbeln werde.

Trotz der grundsätzlich positiven Aussichten bleiben aber gewisse Risiken bestehen. Die SNB betont etwa: "Insbesondere könnten geopolitische Faktoren oder Unsicherheiten in Bezug auf die künftige Geldpolitik der führenden Zentralbanken die Aussichten wieder eintrüben."

Nächste Woche wird auch das Seco seine aktuellen BIP-Prognosen vorlegen. Für das Gesamtjahr 2017 hatten die Experten des Bundes im Juni ein Wachstum von 1,4% prognostiziert. Die Prognosen anderer Institute liegen derzeit zwischen 1,3% und 1,7%.

(AWP)