Konjunktur - US-Detailhandel sucht händeringend nach Mitarbeitern

Niedrige Löhne, kaum Boni, mehr Arbeit: Die US-Einzelhändler haben vor dem lukrativen Weihnachtsgeschäft ein Personalproblem.
29.10.2017 02:17
Der Schriftzug von Whole Foods Market in Franklin, Tennessee.
Der Schriftzug von Whole Foods Market in Franklin, Tennessee.
Bild: Bloomberg

"Es gibt nicht genügend Leute, die nach Arbeit suchen", sagt der Chefvolkswirt des Jobportals Glassdoor, Andrew Chamberlain. Mitte Oktober listete die Seite fast 830'000 offene Stellen im Einzelhandel auf.

Ein Grund dafür ist die vergleichsweise schlechte Bezahlung. 2016 lag der durchschnittliche Stundenlohn in der Branche einer Stichprobe des Bureau of Labor Statistics zufolge bei 11,96 Dollar. Wer sich dagegen für den Taxi-Konkurrenten Uber ans Steuer setzt, kommt nach Glassdoor-Daten auf immerhin 14,76 Dollar. Neben neuen Konkurrenten wie Uber und dem Lieferdienst Deliveroo fällt dem Einzelhandel aber auch die gute Lage am amerikanischen Arbeitsmarkt auf die Füsse. Die Arbeitslosigkeit sank kürzlich auf den niedrigsten Stand seit mehr als 16 Jahren.

Viele Männer und Frauen haben ihren Job im Einzelhandel aufgegeben - in den zurückliegenden zehn Jahren waren es rund 3,74 Millionen, fand das Bureau of Labor Statistics heraus. "Die Arbeit ist anstrengender geworden", erklärt Melissa Hassett vom Personaldienstleister ManpowerGroup Solutions. "Manager müssen mehr im Laden machen, die müssen sogar an der Kasse aushelfen oder bei Bedarf mitmachen, das Lager zu füllen." Ferner legten Arbeitnehmer heute mehr Wert auf flexible Arbeitszeiten und Jobtraining, die in anderen Branchen längst üblich sind.

«Niemand kennt die Kunden besser»

Hinzu kommt, dass im Einzelhandel Zusatzzahlungen zur Bindung von Spitzenpersonal kaum üblich sind. So erhielten einer Untersuchung der Management-Beratung Korn Ferry zufolge 73 Prozent der Führungskräfte von 40 grossen Unternehmen des Sektors entweder gar keine Boni oder nur geringe.

Allerdings lassen sich inzwischen viele Unternehmen etwas einfallen, um die Mitarbeiter bei der Stange zu halten. Die Supermarktkette Wal-Mart etwa will für das Weihnachtsgeschäft keine Saisonkräfte anheuern, sondern der Belegschaft mehr Geld bezahlen.

"Wir halten es für sinnvoll, mit den Partnern zusammenzuarbeiten, die die Abläufe kennen und in der Kundenbetreuung geschult sind", sagt Wal-Markt-Sprecherin Erica Jones. "Sie kennen die Kunden besser als alle anderen." Der Einzelhändler J.C. Penney will ab 2018 bezahlte Auszeiten für Teilzeitmitarbeiter einführen, um Saisonkräfte über das Weihnachtsgeschäft hinaus zu halten.

(Reuters)