Konjunktur - US-Industrie schrumpft laut Umfrage so deutlich wie seit 2009 nicht mehr

Die US-amerikanische Industrie schrumpft einer Umfrage zufolge so stark wie seit rund zehn Jahren nicht mehr.
01.10.2019 17:08
US-Industrie steht im Moment scheinbar im Gegenwind.
US-Industrie steht im Moment scheinbar im Gegenwind.
Bild: unsplash.com

Der Einkaufsmanager-Index rutschte im September auf 47,8 Punkte von 49,1 Zählern im Vormonat, wie aus einer am Dienstag veröffentlichten Firmenbefragung des Institute for Supply Management (ISM) hervorgeht. Das ist der niedrigste Wert seit Juni 2009, als die USA unter den verheerenden Folgen der Finanzkrise litten. Von Reuters befragte Ökonomen wurden von dem Rückgang im September überrascht, da sie mit einem Anstieg des Barometers auf 50,1 Zähler gerechnet hatten.

Der ISM-Index gilt als zuverlässiger Frühindikator für die wirtschaftliche Aktivität in den USA. Es signalisiert bei Werten über 50 Punkten Wachstum. Zwar erwirtschaftet die amerikanische Industrie einen wesentlich kleineren Teil als der deutlich grössere Dienstleitungssektor. Allerdings hängt das Geschäft vieler Dienstleiter vom Zustand der Industrie ab.

"Um die US-Wirtschaft ist es nicht mehr zum Besten bestellt. Die Handelskonflikte hinterlassen im verarbeitenden US-Gewerbe nun auch tiefe Furchen", sagt Ökonom Thomas Gitzel von der VP Bank. Falls US-Präsident Donald Trump kein Handelsabkommen mit China zustande bringe, drohe der US-Wirtschaft im kommenden Jahr grösseres Ungemach.

Bauausgaben steigen weniger als erwartet

Die Bauausgaben stiegen zuletzt zwar, aber nur leicht. Sie zogen im August um 0,1 Prozent an, wie das Handelsministerium in Washington mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten mit einem stärkeren Anstieg von 0,4 Prozent gerechnet.

Auch die Verbraucher hatten ihren Konsum zuletzt kaum gesteigert. Auf ihre Ausgaben entfallen rund zwei Drittel des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Die US-Industrie macht hingegen nur rund zwölf Prozent der Wirtschaftsleistung aus.

Trump macht weiter Druck auf die FED

Angesichts der Konjunkturabkühlung wird die politisch unabhängige US-Notenbank Fed um ihren Chef Jerome Powell von Trump immer wieder bedrängt, die Zinsen weiter zu senken. Dieser legte nach den enttäuschend ausgefallenen Industrie-Umfragedaten nach: Er warf den Währungshütern vor, dass sie mit zu hohen Zinsen zur Stärke des Dollar beitrügen und so der Industrie schadeten.

Zuletzt hatte die Fed im September den geldpolitischen Schlüsselsatz um einen Viertelpunkt auf 1,75 bis 2,0 Prozent gekappt. Commerzbank-Ökonom Christoph Balz geht davon aus, dass auch die ISM-Umfrage der Notenbank Anlass zu einer weiteren Lockerung geben dürfte: "Dies stützt unsere Prognose, dass die Fed die Zinsen bald weiter senken wird, wahrscheinlich bereits auf der nächsten Sitzung Ende des Monats."

(Reuters/AWP/cash)