Konjunktursorgen: SMI gibt deutlich nach

Der Schweizer Aktienmarkt steht am Dienstag ganz im Zeichen schwacher China-Daten und einem Grosskampftag im breiten Markt.
08.03.2016 12:50
Bei Richemont ticken die Uhren heute anders: Gegen den Trend legt der Aktienkurs zu.
Bei Richemont ticken die Uhren heute anders: Gegen den Trend legt der Aktienkurs zu.
Bild: Bloomberg

Die Daten sorgen auch an den wichtigsten Börsen Europas an diesem Tag für zum Teil deutliche Verluste und auch für die Wall Street wird aktuell eine schwächere Eröffnung erwartet. Zudem werden Anleger mit der bevorstehenden Zinsentscheidung der EZB am Donnerstag immer vorsichtiger, heisst es am Markt.

Die Exporte in China sind im Februar so stark eingebrochen wie seit 2009 nicht mehr. Binnen Jahresfrist sackten die Ausfuhren um gut ein Viertel ab und damit etwa doppelt so stark wie von Ökonomen erwartet. Die Einfuhren gingen mit 13,8% ebenfalls stärker als prognostiziert zurück. Laut Händlern sind diese Daten der Hauptgrund für das europaweit schwache Bild. Die gesenkten Wachstumsprognosen der Konjunkturforscher von BAK Basel Economics drücken ebenfalls auf die Stimmung. Neu rechnen die Forscher für 2016 mit einem Wachstum von 0,8% (zuvor +1,1%), für 2017 mit +1,5% (+2,0%). Eine deutliche Erholung sei also erst für 2018 zu erwarten.

SMI klar im Minus

Der Swiss Market Index (SMI) steht um 12.00 Uhr 0,76% tiefer bei 7'958,19 Punkten. Der 30 Titel umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, sinkt um 0,86% auf 1'225,08 und der breite Swiss Performance Index (SPI) um 0,78% auf 8'414,23 Stellen. Von den 30 SMI/SLI-Titel notieren 26 im Minus und vier gewinnen.

Ganz oben auf den Verkaufslisten stehen an diesem Mittag Finanztitel. Neben den Papieren von Bâloise (-2,2%) und Swiss Re (-2,1%) geben noch die Aktien der CS (-1,8%) Swiss Life (-1,7%) und UBS (-1,5%) deutlich nach. Aber auch die Aktien von Galenica (-1,1%) und Lonza (-1,0%) verzeichnen überdurchschnittliche Abschläge. Kursrelevante Nachrichten gab es aber nur bei der Swiss Re, die unter einer Abstufung durch die Citigroup litten. Die Experten begründeten diesen Schritt unter anderem mit tieferem Gewinnwachstumspotenzial.

Die drei Schwergewichte Roche, Novartis und Nestlé fallen allesamt um 0,6% und stützen den Markt so nach unten etwas ab.

Dass sich die Aktien von Clariant (+0,4%) und Sika (-0,3%) vergleichsweise besser als der Markt halten, könnte nicht zuletzt an der Kursentwicklung der Chemie-Aktien am Montag in den USA liegen. Hier hatten Spekulationen um ein Gegengebot von BASF für DuPont vom Wochenende für Wirbel gesorgt. Bei Richemont (+0,2%) sorgen laut Händlern Spekulationen über ein mögliches Interesse am Konkurrenten Burberry für eine deutlichere Kursbewegung.

Zu den positiven Ausreissern gehören auch Syngenta-Aktien (+0,3%). Der Agrochemiekonzern ist unter den Blue Chips auch der Wert, der mit kursrelevanten Nachrichten aufwarten kann: Hier gibt es nun das offizielle Übernahmeangebot von ChemChina. Die Angebotsfrist dauert zunächst vom 23. März 2016 bis zum 23. Mai 2016. Wie Syngenta in einer eigenen Mitteilung schreibt, wird der Abschluss der Transaktion bis Ende des Jahres erwartet. Laut ZKB wird damit die Übernahme durch die Chinesen immer wahrscheinlicher.

Im breiten Markt kann dieser Morgen auch als "Grosskampftag" bezeichnet werden. Nicht weniger als zehn Unternehmen sind zum Zahlenrapport angetreten, darunter die VP Bank (+3,1%), der Maschinenhersteller Mikron (+2,9%), Huber+Suhner (+0,8%), der Schokoladehersteller Lindt&Sprüngli (-0,5%) und das Messtechnikunternehmen Inficon (-2,1%).

Während die Zahlen für 2015 in den meisten Fällen Licht und Schatten bergen, fokussieren sich die Analysten in ihren Kommentaren grösstenteils auf den Blick nach vorne. Bei Huber+Suhner stimmt dieser laut ZKB zuversichtlich. Bei der VP Bank verleiht die angehobene Dividende Zuversicht und bilde eine Kursstütze, heisst es ebenfalls bei der ZKB. Bei Mikron verbessere sich der Ausblick, heisst es bei Vontobel.

Vontobel-Aktienkurs bricht ein

Eine der stärksten Kursreaktionen verzeichnet allerdings kein "Zahlenkind". Die Anteilsscheine der Bank Vontobel brechen um 7,8% ein. Der Grund: Am Vorabend hatte die Bank den Abgang des Star-Fondsmanagers Rajiv Jain mitgeteilt.

Zudem dürfte der Kurszettel schon bald um einen Wert reicher sein. Die VAT Group plant ein Going Public an der Schweizer Börse.

(AWP)