Konkurrent von Swiss Re - Münchener Rück sieht grosse Chancen in der Cyber-Versicherung

Der Markt für Versicherungen gegen Cyber-Angriffe wird sich nach Schätzungen der Münchener Rück in den nächsten beiden Jahren mehr als verdoppeln.
15.09.2018 09:15
Die Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft hat - wie der Name bereits impliziert - ihren Hauptsitz in München.
Die Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft hat - wie der Name bereits impliziert - ihren Hauptsitz in München.
Bild: Pixabay

Der weltgrösste Rückversicherer sieht das Prämienvolumen derzeit bei rund vier Milliarden Dollar, wie sein oberster Risikomanager Stefan Golling vergangenes Wochenende in Monte Carlo sagte. Davon entfallen bisher 90 Prozent auf die USA. Bis 2020 sollen daraus 8,5 bis neun Milliarden Dollar werden - vor einem Jahr hatte die Münchener Rück noch bis zu zehn Milliarden für möglich gehalten. Ausserhalb der USA dürfte der Markt nach ihren Erwartungen erst im nächsten Jahrzehnt anziehen. 2025 soll rund die Hälfte der weltweiten Prämien von dann 20 Milliarden Dollar aus anderen Weltregionen kommen.

Der weltgrösste Rückversicherer kommt laut Golling in diesem Jahr auf ein Cyber-Prämienvolumen von mehr als 400 Millionen Dollar, vier Mal so viel wie vor fünf Jahren. Die Münchener Rück bleibe bei ihrem Ziel, den Marktanteil bei zehn Prozent zu halten.

Der für die Rückversicherung zuständige Vorstand Torsten Jeworrek widersprach Kritik von grossen Industrieunternehmen, die Versicherer hielten sich in dem wachsenden Geschäft zu sehr zurück. "Alle grossen Marktteilnehmer sind mit auf diesem Zug." Die Münchener Rück decke in ihren Policen Schäden bis zu 100 Millionen Dollar ab. Der Münchener-Rück-Vorstand räumte aber ein, dass die Branche noch zu wenig Erfahrung mit dem Risiko habe: "Wir sehen die Nachfrage der Kunden, aber wir lernen noch." Dazu kommt, dass sich Angriffe auf Computersysteme und Internet-Steuerungen oft weltweit auswirkten. "Cyber ist eines der wenigen wirklich globalen Risiken." Sich davor zu drücken, komme aber nicht infrage: "Das ist unsere Chance, als Branche relevant zu bleiben", sagte Jeworrek.

Chief Underwriter Golling warnte die Branche aber davor, zu grosse Risiken auf sich zu nehmen. Die Kosten für einen globalen Internet- oder einen grossflächigen Stromausfall über Stunden oder Tage überforderten die Rückversicherer. "Wir können diese Risiken nicht abdecken - und ich würde auch anderen empfehlen, das nicht zu tun." Viele Versicherer deckten Cyber-Risiken mit gewöhnlichen Policen wie Betriebsunterbrechungs-Policen ab. Das sei riskant. "Wir müssen von der stillen Deckung zu einer richtigen Deckung kommen", forderte Golling.

Die Münchener Rück konzentriert sich als Erstversicherer zurzeit vor allem auf kleinere und mittelgrosse Unternehmen. Zum einen seien Grosskonzerne mit eigenen IT-Abteilungen besser vor Cyber-Risiken geschützt, zum anderen fielen Angriffe bei kleinen Firmen relativ gesehen deutlich mehr ins Gewicht, sagte Vorstand Jeworrek.

(Reuters)

 
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