Konzernchef Cryan: Deutsche Bank braucht keine Kapitalerhöhung

Die Deutsche Bank kommt nach eigener Einschätzung auf absehbare Zeit ohne eine Kapitalspritze aus.
02.07.2016 12:07
John Cryan will bei der Deutschen Bank den Turnaround schaffen.
John Cryan will bei der Deutschen Bank den Turnaround schaffen.
Bild: Bloomberg

"Ich rechne damit, dass wir unser Kapital organisch aufbauen können, was wir bedauerlicherweise über viele Jahre nicht getan haben", sagte Vorstandschef John Cryan dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Die größte deutsche Bank müsse bis Ende 2019 pro Jahr im Schnitt zwei bis 2,5 Milliarden Euro an zusätzlichem Kapital schaffen, um die Anforderungen der Regulierer zu erfüllen. "Da sehen wir kein Problem." Zudem fehlten ihr die Argumente, um Investoren um frisches Kapital zu bitten. "Damit stellt sich die Frage nach einer Kapitalerhöhung derzeit nicht", sagte Cryan, der am Freitag seit einem Jahr im Amt war.

Die Deutsche-Bank-Aktie war nach der Abstimmung über den britischen Austritt aus der Europäischen Union kräftig in die Knie gegangen. Die Bank ist an der Börse noch 17,3 Milliarden Euro wert. Vor einer Übernahme sieht Cryan sein Haus aber durch die Aufsichtsbehörden geschützt: "Wir leben nicht in einer Zeit, in der die Regulatoren große Übernahmen sehen wollen. Und wir sind weiterhin eine sehr große Bank", sagte er dem Magazin. "Ich sehe uns daher nicht als Übernahmeziel." Auf dem Brexit sei die Deutsche Bank besser vorbereitet als viele Konkurrenten aus den USA, die erst Töchter auf dem Kontinent gründen müssten, um auch künftig in der EU operieren zu können. "Für die Deutsche Bank ändert sich dagegen wenig."

Kritik übte Cryan an der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Banken machten nicht nur mit den bei der EZB geparkten Einlagen Verluste, sondern etwa auch mit sicheren Staatsanleihen zur Absicherung von Derivaten. Die Politik des billigen Geldes laufen damit ins Leere. "Wenn die Banken mit den Einlagen Verluste machen, müssen sie das durch höhere Zinsen für Kredite von den Unternehmen wettmachen, soweit sich diese durchsetzen lassen", sagte Cryan. "Der erhoffte Wachstumseffekt bleibt dann aus."

Eine Trennung von der Vermögensverwaltung schloss Cryan aus: "Ein Verkauf hätte nur einen einmaligen Effekt. Wertvoller sind für uns die dauerhaften Einnahmen daraus." Der geplante Verkauf der Postbank sei dagegen nötig, weil die Bank damit angesichts der verschärften Regulierung Kapital freisetze. "Aber eigentlich kommt es im Privatkundengeschäft auf kritische Größe an", sagte der Deutsche-Bank-Chef. "Wenn wir also die Postbank verkaufen, weil uns das regulatorische Umfeld keine andere Wahl lässt, bleibt uns nur ein Weg: durch hervorragende Beratung und ein sehr gutes digitales Angebot zu wachsen."

Besondere Hoffnungen setzt Cryan in die Transaktionsbank: Mit dem Zahlungsverkehr und Handelsfinanzierungen ließen sich künftig 2,5 Milliarden Euro im Jahr verdienen, eine Milliarde mehr als zuletzt. Für den Plan, das Investmentbanking zum Teil zurückzufahren, sieht er Rückhalt in der deutschen Politik. "Mein Eindruck ist, dass man in Berlin eine internationale Bank möchte, die deutsche Unternehmen weltweit begleiten kann. Aber nicht unbedingt eine internationale Bank in dem Sinne, dass wir in aller Herren Länder vor Ort Geschäfte mit einheimischen Kunden machen." In den USA etwa werde sich die Deutsche Bank künftig auf die großen 500 Unternehmen konzentrieren.

(Reuters)