Hügli meint

Krise? Crash! Warum die Skepsis gegen die Geldwelt zunimmt

Prophezeiungen von Markt-Crashes oder einer neuen Finanzkrise häufen sich in letzter Zeit auffällig. Das ist keine Panikmache des Geldadels. Sondern Ausdruck eines breiten Unbehagens.
12.10.2016 01:00
Von Daniel Hügli, Chefredaktor cash
Daniel Hügli, Chefredaktor cash.
Daniel Hügli, Chefredaktor cash.
Bild: Geri Born

Oswald Grübel, ex-Chef der UBS und der Credit Suisse, warnt vor einem neuen Crash an den Finanzmärkten. Axel Weber, Verwaltungsratspräsident der UBS, kritisiert die Auswirkungen der Zentralbankenpolitik und hat dabei ungute Erinnerungen an den Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2007. Philipp Hildebrand, ex-SNB-Präsident und heutiger Vize-Chef des Vermögensverwaltungsgiganten Blackrock, rät den europäischen Grossbanken zu Fusionen.

Solche Äusserungen häufen sich in letzter Zeit auffällig. Bankenkrise, Finanzkrise, Schuldenkrise – man fühlt sich derzeit tatsächlich in die Jahren zwischen 2007 und 2011 versetzt. Und wenn Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz seinen Evergreen vom bevorstehenden Zerfall der Eurozone nun auch hervorholt, dann tut dies der Krisenstimmung keinen Abbruch.

Gewiss: Leute wie Grübel, Weber und Hildebrand sind Vertreter der Finanzindustrie. Die Banken leiden seit einigen Jahren an den Tiefstzinsen, welche ihnen die Erträge wegfressen. Verständlich daher, dass sie immer lauter die Geldpolitik der Zentralbanken weltweit geisseln. Klar ist auch: Verstärkt wird das allgemeine Unbehagen in der Finanzwelt durch Ereignisse rund um die Deutschen Bank. Sie rufen die noch immer nicht ausgestandenen Sünden der Grossbanken in Erinnerung.

Doch nicht nur unter Bankiers, auch in einer breiten Anlegerschaft und in der Bevölkerung macht sich zunehmend ein diffuses Unbehagen breit über die Welt des Geldes und über den Zustand der Finanzmärkte. Es ist eine Welt, in der belohnt wird, wer Schulden macht. Und in der abgestraft wird, wer Geld auf die Seite legt. In einer Online-Umfrage mit mehreren tausend Teilnehmern waren kürzlich über 80 Prozent der Meinung, die Unsicherheiten an den Märkten nähmen zu. Privatanleger, ob sehr vermögend oder mit schmalem Geldbeutel, wenden sich zunehmend ab von Investments an den Märkten.

Investoren beobachten mit zunehmender Sorge, dass die ultraexpansive Geldpolitik der Zentralbanken an ihre Grenzen gestossen ist. Notenbanken greifen zu immer abenteuerlicheren und verzweifelteren Methoden, um die Wirtschaft voranzubringen. Je länger diese Politik nicht greift und je anhaltender die Folgen der Zentralbank-Experimente ungewiss bleiben, desto grösser wird das Unbehagen an den Märkten.

An den Börsen hat ja auch ein Paradigmenwechsel stattgefunden: Zurückfahren von Anleihekäufen oder Aufschiebung von Zinserhöhungen in den USA werden nicht mehr bejubelt, im Gegenteil: In diesem Jahr reagieren die Märkte zunehmend negativ, wenn Signale von Zinserhöhungen ausbleiben. Die Zeichen sind klar: Die Zinspolitik muss sich schleunigst normalisieren. Die US-Notenbank als weltweite Leaderin hat es in der Hand, den Zinserhöhungszyklus voranzutreiben. Denn ein Ende mit Schrecken ist hier wohl besser als ein Schrecken ohne Ende.