Krise in der Schifffahrt zwingt Grossreeder zum Umdenken

Unter dem Druck der Schifffahrtskrise und des Ölpreisverfalls steuert der dänische Grossreeder Moeller-Maersk eine Aufspaltung an. Die Energiesparte soll abgetrennt werden, wie das 112 Jahre alte Unternehmen ankündet.
24.09.2016 10:29
Ein Frachter vor dem venezolanischen Hafen Maracaibo: Reedereien durchleben eine schwierige Zeit.
Ein Frachter vor dem venezolanischen Hafen Maracaibo: Reedereien durchleben eine schwierige Zeit.
Bild: Pixabay

Die weltgrösste Container-Reederei will sich künftig auf das Kerngeschäft Transport und Logistik konzentrieren. Ziel sei es innerhalb von 24 Monaten eine Lösung für das Energiegeschäft zu finden. Denkbar seien Fusionen, Gemeinschaftsunternehmen oder ein Börsengang. Beide Bereiche hätten mit unterschiedlichen Problemen zu kämpfen, sagte Aufsichtsratchef Michael Pram Rasmussen. Nach der Aufteilung könnten sie sich besser auf ihre jeweiligen Märkte konzentrieren.

Experten hatten den Schritt seit längerem erwartet, nachdem der Konzern im Juli mit Sören Skou einen neuen Chef bekam. Seither hat der Aktienkurs etwa um ein Fünftel zugelegt. Am Donnerstag notierten die Papiere 2,6 Prozent fester.

Die Ölsparte leidet unter dem Ölpreisverfall. Der Rohstoff kostet inzwischen 60 Prozent weniger als Mitte 2014 . Zahlreiche Firmen der Branche haben deswegen ihre Investitionen zusammengestrichen. "Maersk ist so weit gegangen wie möglich", sagte Morten Imsgart, Analyst bei der dänischen Sydbank. Eine weitergehende Lösung könne es derzeit nicht geben, wenn man einen vernünftigen Preis erzielen wolle. Maersk Oil sei ein kleiner Wettbewerber, es gebe daher viele Konkurrenten, die gross genug seien, um das Geschäft zu übernehmen. Allerdings seien dort die Mittel ebenfalls knapp. Bankenkreisen zufolge spricht die Sparte mit Royal Dutch Shell über den Kauf von Ölfeldern in der Nordsee im Wert von etwa zwei Milliarden Dollar. Mit einer Übernahme könne Maersk das Geschäftsfeld grösser und zugleich attraktiver für Interessenten machen.

Der Container-Bereich wiederum steht seit längerem unter Druck, weil sich vor allem in Asien durch Fusionen und Übernahmen neue Konkurrenz formiert und der Welthandel derzeit lahmt. Viele Reedereien haben in grosse Schiffe investiert, für die nun nicht genügend Fracht vorhanden ist. Maersk kämpft um seinen Spitzenplatz in der Branche. So schloss sich Deutschlands grösste Containerreederei Hapag-Lloyd mit dem arabischen Rivalen UASC zusammen und rückte damit zur Nummer fünf der Branche auf. Im Zuge der jüngsten Grosspleite der südkoreanischen Reederei Hanjin legten zwar zuletzt die Preise für Schiffsfracht wieder zu. Doch Experten rechnen nicht mit einer dauerhaften Trendwende, weil die Überkapazitäten weiterhin bestehen blieben.

(Reuters)