Kritisierte Grossbank - Credit Suisse kündigt Kapitalerhöhung an - Aktie gesucht

Mit einem soliden Quartalsgewinn und konkreten Massnahmen zur Stärkung der Eigenkapitaldecke versucht sich die Credit Suisse bei den Anlegern zu rehabilitieren. Mit Erfolg, erfassen Anschlusskäufe die Aktie doch.
26.04.2017 12:55
Von Lorenz Burkhalter
Hauptsitz der Credit Suisse am Paradeplatz in Zürich.
Hauptsitz der Credit Suisse am Paradeplatz in Zürich.
Bild: cash

Razzien in mehreren europäischen Ländern, übertrieben hohe Boni für Geschäftsleitung und Verwaltungsrat und widersprüchliche Aussagen zum ursprünglich geplanten Börsengang der Universalbank Schweiz: Die Credit Suisse (CS) sorgte zuletzt vor allem für Negativschlagzeilen.

Zumindest bei den Massnahmen zur Stärkung der vergleichsweise dünnen Eigenkapitaldecke spricht die kleinere der beiden Schweizer Grossbanken nun aber Klartext. Der teilweise Börsengang der Universalbank Schweiz wird abgesagt. Stattdessen will das Unternehmen die fehlenden 4 Milliarden Franken über eine Bezugsrechtsemission aufnehmen.

Auch der Zahlenkranz für die ersten drei Monate kommt bei Analysten gut an. Sowohl beim Geschäftsertrag als auch beim Vorsteuergewinn und beim Reingewinn werden die jeweiligen Analystenerwartungen teilweise ziemlich deutlich übertroffen.

An der Schweizer börse SIX wird die CS-Aktie denn auch von Anschlusskäufen erfasst und weiter nach oben getragen. Aktuell gewinnt sie allerdings nur noch 1,5 Prozent auf 15,53 Franken. Im frühen Handel wurden zeitweise sogar Kurse von bis zu 15,87 Franken bezahlt.

In einem Kommentar zeigt sich der Bankenanalyst der Genfer Privatbank Mirabaud & Cie. vom starken Abschneiden der Grossbank im ersten Quartal positiv überrascht. Er zeigt sich nicht nur von der Verbesserung der Ertragslage, sondern auch von den kostenseitigen Fortschritten sichtlich angetan.

Zahlenqualität wird angeprangert

Ähnlich fällt das Urteil des Berufskollegen der Zürcher Kantonalbank aus. Auch er sieht sich in seinen quantitativen Prognosen übertroffen. Allerdings stuft der Experte die Ergebnisqualität als schwächer als im vorangegangenen vierten Quartal ein. Dennoch stuft er die Aktie wie bis anhin mit "Übergewichten" ein.

Mit dem Markteintritt amerikanischer Akteure fällt die CS-Aktie unter die Tageshöchstkurse (Quelle: www.cash.ch)

Ebenfalls angeprangert wird die Ergebenisqualität bei der Bank Vontobel. Der für die Zürcher Bank tätige Analyst bezeichnet die Qualität als "bescheiden" und macht unter anderem geringere Verluste in der Special Resolution Unit für die positive Gewinnüberraschung verantwortlich. Im Gegenzug sieht er seine eigenen Schätzungen im Private Banking unterboten. Auch aufgrund des vorsichtig formulierten kurzfristigen Ausblicks schätzt der Experte die Aktie weiterhin nur mit "Hold" und einem Kursziel von 14,50 Franken ein.

Kapitalerhöhung führt zu Verwässerung

Keine guten Worte findet wie gewohnt der für Alliance Bernstein tätige Bankenanalyst. Er lässt durchblicken, dass die CS im ersten Quartal vor allem vom freundlichen Marktumfeld sowie von einem starken Gewinnbeitrag aus dem Corporate Center profitiert habe. Die Ertragssituation in den übrigen Geschäftsbereichen überzeugt ihn hingegen nicht. Der Analyst stösst sich insbesondere an der erneut rückläufigen Bruttomarge im Private Banking.

Was die geplante Kapitalerhöhung anbetrifft, so führt diese seinen Berechnungen zufolge zu einem Verwässerungseffekt von bis zu 18 Prozent für die Aktionäre. Er empfiehlt die Aktie daher unverändert mit "Underperform" und einem Kursziel von 9 Franken.

Sein Berufskollege von der UBS Investmentbank geht von einem Ausgabepreis von 10,50 Franken für die angebotenen Titel aus und leitet davon einen Aktienkurs nach Kapitalerhöhung von 14,60 Franken ab. Dennoch empfiehlt er die CS-Aktie mit einem 12-Monats-Kursziel von 17 Franken zum Kauf.

Händlern zufolge fällt mit der angekündigten Bezugsrechtsemission ein wichtiger Unsicherheitsfaktor weg. Der ursprünglich geplante Teil-Börsengang der Universalbank Schweiz hätte den Konzerngewinn sogar um bis zu 20 Prozent verwässert, so heisst es. Die 4 Milliarden Franken schwere Kapitalerhöhung wird deshalb als das "kleinere Übel" bezeichnet.