Kronzeuge gegen Deutsche Bank schlägt Millionen-Belohnung aus

Ein ehemaliger Deutsche-Bank-Manager hat eine millionenschwere Belohnung für die Aufdeckung von Bilanz-Manipulationen bei dem Institut ausgeschlagen.
19.08.2016 10:02
Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt.
Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt.
Bild: cash

Die 8,25 Millionen Dollar, die ihm die US-Wertpapieraufsicht SEC gewährt hatte, stünden nicht ihm zu, sondern der Bank selbst und ihren Aktionären, schrieb Eric Ben-Artzi in einem Gastbeitrag für die "Financial Times" (Freitagausgabe). Ben-Artzi hatte seit 2010 als Risikomanager für die Deutsche Bank gearbeitet und 2011 als einer von drei Kronzeugen aufgedeckt, dass die Bank in den Jahren davor den Wert von exotischen Kredit-Derivaten künstlich aufgebläht hatte.

Die Deutsche Bank musste im vergangenen Jahr 55 Millionen Dollar Strafe dafür zahlen, 15 Prozent davon standen Ben-Artzi zu. "Aber ich nehme meinen Anteil nicht", schrieb der Banker. "Die Deutsche Bank war das Opfer" - und ihre Mitarbeiter, die derzeit scharenweise ihre Arbeitsplätze verlören. Gleichzeitig hätten Top-Manager mit Millionen-Boni die Bank verlassen, die auf den falschen Bilanzen beruhten. Dass sie unbehelligt geblieben seien, führt Ben-Artzi darauf zurück, dass hochrangige Juristen immer wieder von der Deutschen Bank zur SEC gewechselt seien und umgekehrt - auch während die Ermittlungen liefen. Ben-Artzi schrieb von einem "Drehtür-Effekt".

SEC-Manager Andrew Ceresney wies die Vorwürfe zurück: Die Behörde habe alle Verstösse zur Anklage gebracht, soweit sie zu beweisen gewesen seien. Die Deutsche Bank zahlte schließlich in einem Vergleich 55 Millionen Dollar dafür, dass sie durch "unzureichende interne Bilanzierungs-Kontrollen" gegen die US-Gesetze verstoßen habe. Der Anteil, den er davon bekommen habe, müsse von Managern und Juristen zurückgeholt werden, die zu Unrecht Boni kassiert hätten, verlangte Ben-Artzi. Ein Teil der 8,25 Millionen Dollar stünden seiner Ex-Frau und seinem Anwalt zu. Darauf habe er keinen Einfluss. Den gleichen Betrag erhielt ein Händler der Bank, der sich ebenfalls bei der SEC gemeldet hatte.

(Reuters)