Kunstpreise von Bâloise - «Wir wollen mit dem Kunstengagement auch Diskussionen anregen»

Rund eine Viertelmillion Franken lässt sich der Versicherungskonzern Bâloise sein Kunstengagement kosten. Damit hat das Unternehmen firmeninterne und firmenexterne Absichten.
02.07.2017 12:49
Von Daniel Hügli
Das Kirchberg-Quartier von Luxemburg, in dem sich auch das MUDAM befindet.
Das Kirchberg-Quartier von Luxemburg, in dem sich auch das MUDAM befindet.
Bild: cash

Kunstsponsoring hat bei den meisten Schweizer Versicherungskonzernen und auch bei vielen Banken eine lange Tradition. So auch bei der Bâloise. Seit 1999 verleiht die Versicherungsgesellschaft anlässlich der Kunstmesse Art Basel zwei Kunstpreise. Die beiden Preisträger erhalten je 30'000 Franken.

Dazu kauft Bâloise ganze Werkgruppen der betreffenden Künstler und schenkt diese Kunstwerke jeweils im Folgejahr an zwei bedeutende Kunstmuseen Europas. So geschehen auch am Freitag, als Bâloise in Anwesenheit von VR-Präsident Andreas Burckhardt, CEO Gert de Winter und dem langjährigen Finanzchef German Egloff dem MUDAM in Luxemburg Kunstwerke der Art-Preisgewinnerin 2016 Mary Reid Kelley überreichten.

"Wir wollen mit dem Kunstengagement auch Diskussionen in der Gesellschaft anregen", sagte Andreas Burckhardt in seiner Rede am Schenkungsanlass. Dies trifft besonders für den von Bâloise prämierten Film "This is Offal" der New Yorkerin Mary Reid Kelley zu, die dem Anlass ebenfalls beiwohnte. Der Film befasst sich mit dem heiklen Thema des weiblichen Suizids. Schauplatz ist eine Leichenhalle, in der eine Tote auf einem Tisch aufgebahrt ist und deren Organe und abgetrennte Körperteile einen Dialog führen (Interview mit der Künstlerin auf Youtube). 

Entspricht dem Stil und der Kultur der Firma

Das gesamte Kunstförderungs-Engagement lässt sich Bâloise jährlich etwa eine Viertelmillion Franken kosten. Dazu gehören Preisgelder, Werkankäufe, Förderbeiträge für Statements und die Museums-Ausstellungen der Preisträger. Mit dem Kunstengagement werden Statements gesetzt - firmenintern wie firmenextern. "Unser Engagement für Kunst entspricht dem Stil und der Kultur von Bâloise", sagt Burckhardt bei einer früheren Gelegenheit zu cash. 

Eine Innenwirkung erzielt sicher die hauseigene Kunstsammlung, die rund 1400 Werke umfasst und die den Mitarbeitern sowie Besuchern zugänglich sein soll. Die Werke sieht man in Foyers, Sitzungszimmern sowie Büros. Dazu kommen Ausstellungen von Künstlern am Bâloise-Hauptsitz und Präsentationen von Werken der Mitarbeiter. Ziel der Sammlung sei nicht in erster Linie der monetäre Wertzuwachs, "sondern die Integration geistiger Werte als wesentliche Faktoren in die Unternehmens- und Gesellschaftskultur", wie der Bâloise-Homepage zu entnehmen ist.

Aussenwirkung erzielt das Bâloise-Kunstengagement in der Form des Kunst-Preises an der Art und mit den Schenkungen an die Museen. Der Kunstpreis ist mittlerweile international einer der bedeutensten für jüngere Kunstschaffende. Und natürlich kommen die Aspekte des Firmen-Images, des Marketings und der Kundenpflege dazu. Kunstwerke stehen symbolisch für versicherungswürdige Sachwerte. Und nicht zufälligerweise verschenkt Bâloise die Kunstwerke der Preisgewinner an Museen, in deren Länder der Versicherer operativ tätig ist.

cash weilte auf Einladung von Bâloise an der Kunstpreisverleihung in Luxemburg.