Kurs-Buch-Verhältnis - Kann die CS-Aktie im Grunde genommen nur steigen?

Gemessen am Kurs-Buch-Verhältnis ist die Credit-Suisse-Aktie deutlich unterbewertet. In der Theorie heisst das, dass die Aktie künftig steigen muss. Eine Erklärung.
04.05.2017 15:06
Von Marc Forster
Credit-Suisse-Filliale an der Bahnhofstrasse in Zürich.
Credit-Suisse-Filliale an der Bahnhofstrasse in Zürich.
Bild: cash

Die CS-Aktie zeigt ein Kurs-Buch-Verhältnis (KBV) von 0,7. Bei dieser Kennzahl weisen alle Werte unter 1, so will es die Definition, auf eine Unterbewertung hin. Das heisst, dass in einer Firma mehr steckt, als ihr Kurs hergibt. Errechnet wird es aus dem Eigenkapital minus der Schulden, ins Verhältnis gesetzt zum Aktienkurs. Es gibt Investoren - zu ihnen gehört der berühmte Warren Buffett -, die solche Aktien in der Erwartung steigender Kurse gerne kaufen. Man nennt es Value-Investing.

So gesehen ist die Credit Suisse-Aktie, die seit einem zwischenzeitlichen Hoch im August 2015 fast die Hälfte ihres Werts verloren hat, eigentlich ein ideales Investment. Bei dieser etwas euphorischen Betrachtung gibt es aber etwas zu bedenken: Zwischen den Branchen bedeutet das KBV nicht immer genau das gleiche. Bei Banken wird in die Betrachtung des Buchwerts vor allem die Eigenkapitalrendite unter die Lupe genommen, wie Andreas Brun von Mirabaud Securities sagt.

Bei der Credit Suisse betrug diese per Ende des ersten Quartals 5,7 Prozent. "Wegen des kapitalintensiven Investmentbankings ist die Eigenkapitalrendite bei der CS vergleichsweise tief", erklärt Brun. Die UBS wies ihre Ende März gemessene Eigenkapitalrendite mit 10,8 Prozent aus.

Vom Geschäftsmodell beeinflusst

Der Unterschied zwischen den beiden Grossbanken erklärt sich durch das Geschäftsmodell. Die Credit Suisse betreibt ein grösseres Investmentbanking als die UBS. In der Investmentbank müssen Risiken bei Finanzmarktransaktionen, Ausleihungen oder auch Finanzierungen von Kundengeschäften mit Eigenkapital unterlegt werden. Dies belastet deutlich die Eigenkapitalrendite, vor allem dann, wenn die Risiken hoch sind. Durch die Regulatoren, die seit der Finanzkrise strengere Vorschriften machen, sind höhere Eigenkapitalrenditen gerade im Investmentbanking zusätzlich erschwert.

Auch in der Vermögensverwaltung müssen Kundenbeziehungen mit Eigenkapital unterlegt werden – etwa dann, wenn Privatkunden Kredite aufnehmen. Aber das Erfordernis ist viel geringer als in der Investmentbank, und daher wird die Eigenkapitalrendite viel weniger belastet. Bei der UBS, die heute schwergewichtig eine Vermögensverwalterin ist, beträgt das KBV aktuell 1,3.

Zweifel an der CS-Leistung

Aus Sicht von Anlegern, welche die Credit-Suisse-Aktien halten oder mit ihr liebäuglen, stellt sich die Situation wie folgt dar: Der Markt hat deutliche Zweifel, dass die CS auf eine höhere Eigenkapitalrendite kommt. "Wegen der anhaltenden Restrukturierung der Bank bis 2018 wird diese nicht ausreichend ansteigend", sagt Bankenexperte Brun. Also brauchen etwaige Value-Investoren bei der CS einen längeren Atem.

Falls natürlich das Investmentbanking plötzlich wieder rund läuft, werden auch die Eigenkapitalrendite und parallel dazu der Aktienkurs steigen. Die Erfahrung der vergangenen Jahre zeigt, dass dies nicht mehr so einfach ist. In der Theorie mag die Aktie Aufwärtspotential haben, doch in der Praxis bleiben Bremsgewichte an ihr hängen. Ganz zu schweigen von operativen und äusseren Faktoren, welche Aktien generell schaden können. 

Wer sich jetzt noch fragt, ob die UBS-Aktie mit einem KBV von 1,3 überbewertet und damit absturzgefährdet ist, kann insofern beruhigt werden: Solange die UBS eine ansehnliche Eigenkapitalrendite erwirschaften kann, droht der Aktie - zumindest von dieser Seite her - keine Gefahr.