Kursfeuerwerk bei der Meyer-Burger-Aktie

Die personellen Veränderungen bei Meyer Burger kommen gut an. Zudem stimmen die Gläubiger der Wandelanleihe den neuen Konditionen zu. Die Aktie steigt kräftig.
25.11.2016 13:02
Von Lorenz Burkhalter
Am Hautpsitz von Meyer Burger weht schon bald ein frischer Wind.
Am Hautpsitz von Meyer Burger weht schon bald ein frischer Wind.
Bild: ZVG

Was die Spatzen am Hauptsitz von Meyer Burger im bernischen Gwatt schon seit Wochen von den Dächern pfeifen, ist seit Donnerstagabend nun offiziell: Der langjährige Firmenchef Peter Pauli verlässt das Unternehmen. Sein Nachfolger wird der früher für OC Oerlikon tätige Hans Brändle. Auch im Verwaltungsrat kommt es zu Veränderungen.

Gleichzeitig haben die Gläubiger der Wandelanleihe den neuen Konditionen anlässlich der Gläubigerversammlung erwartungsgemäss zugestimmt. Damit nimmt die geplante Bilanzsanierung die erste von drei Hürden.

An der Schweizer Börse SIX kommt das gut an. Nach der Handelsaussetzung gewinnt die Aktie von Meyer Burger zur Stunde noch 12,7 Prozent auf 1,86 Franken. Zeitweise wurden sogar Kurse in der Region von 1,91 Franken bezahlt. Beobachter berichteten von aggressiveren Deckungskäufen aus dem Ausland.

In einem Kommentar bezeichnet die Bank Vontobel die bekanntgegebenen Veränderungen in der Konzernleitung und im Verwaltungsrat als eine Grundvoraussetzung für die anstehende Bilanzsanierung.

Die Zutaten für das neue "Führungs-Rezept" stimmen

Wie Händler ergänzen, haftete dem bisherigen Firmenchef zunehmend der Ruf des "ewigen Daueroptimisten" an. Es wird vermutet, dass Schlüsselaktionäre und die kreditgebenden Banken Druck auf das Unternehmen ausgeübt hätten, den nicht gerade erfolgsverwöhnten Peter Pauli durch einen erfahrenen Turnaround-Manager zu ersetzen. Mit Hans Brändle übernehme eine erfahrene und für ihren disziplinierten Kostenansatz bekannte Führungsperson, so heisst es weiter.

Kursentwicklung der Meyer-Burger-Aktie seit Mitte Jahr; Quelle: www.cash.ch

Für den Analysten der Bank Vontobel steht denn auch fest, dass die Verpflichtung von Hans Brändle als neuen Firmenchef und für den ehemaligen Applied-Materials-Führungsmann Michael Splinter als zukünftigen Verwaltungsratspräsidenten das Anlegervertrauen fördern und zur einer Erholung des Aktienkurses führen sollte.

Allerdings räumt er ein, dass die Situation in den Absatzmärkten von hohen Unsicherheiten geprägt sei. Er stuft die Aktie deshalb vorerst nur mit "Hold" und einem Kursziel von 2,47 Franken ein.

Auch der für die Zürcher Kantonalbank tätige Berufskollege geht davon aus, dass die personellen Veränderungen vom Markt positiv aufgenommen werden sollten. Die Herren Brändle und Splinter würden nämlich einen grossen Erfahrungsschatz im Solar- und Beschichtungsbereich mitbringen, so lässt er seine Kundschaft wissen. Im Hinblick auf das dreistufige Rekapitalisierungsprogramm hält er allerdings am "Marktgewichten" lautenden Anlageurteil für die Aktie fest.

Es bleiben Fragen offen

Meyer Burger steht vor einer Herkulesaufgabe. Zwar verzichten die Gläubiger der Wandelanleihe auf das Recht einer vorzeitigen Rückzahlung. Mit ihrem Verzicht erhalten die betroffenen Anleger allerdings eine höhere Verzinsung und vorteilhaftere Wandelbedingungen. In Analystenkreisen gelten die Gläubiger der Wandelanleihe denn auch als die Gewinner der Bilanzsanierung.

Als nächster Schritt ist eine ordentliche Kapitalerhöhung in Form einer Ausgabe von Bezugsrechten an die bisherigen Aktionäre in Höhe von 160 Millionen Franken geplant. Aus heutiger Sicht müssen die bisherigen Aktionäre für jeden schlechten Franken mindestens einen guten Franken nachschiessen, wollen sie eine Verwässerung vermeiden. Darüber hinaus soll das genehmigte sowie das bedingte Kapital erhöht werden.

Erst wenn diese beiden Schritte erfolgreich abgeschlossen sind, wollen die kreditgebenden Banken den Hypothekarkredit sowie die bestehende Kreditlinie verlängern. Dass alle diese Massnahmen voneinander abhängig sind, um die Bilanzsanierung zum Erfolg zu bringen und das Überleben des Unternehmens zu sichern, macht die Sache nicht eben einfacher.

Als Knacknuss könnte sich Experten zufolge insbesondere die Bezugsrechtsemission erweisen. Die Situation in den Absatzmärkten bleibt schwierig. Chinesische Solarmodulhersteller drehen an der Preisschraube, um ihre Kapazitäten möglichst auslasten zu können. Gleichzeitig hat die chinesische Regierung die Solarsubventionen gekürzt. Und nach dem überraschenden Sieg des Republikaners Donald Trump im US-Präsidentschaftswahlkampf ist im zweitgrössten Solarmarkt nicht mit neuen Nachfrageimpulsen zu rechnen. Auch die neuen Firmenverantwortlichen stehen bei Meyer Burger deshalb vor grossen Herausforderungen, wollen sie das Unternehmen wieder auf Kurs bringen.