Kursfeuerwerk bei der Richemont-Aktie

Richemont wird in Asien ausgebremst. Dank Europa und Japan übertrifft der Luxusgüterhersteller dennoch die Markterwartungen. Von Deckungskäufen befeuert, klettert die Aktie kräftig nach oben.
16.09.2015 10:51
Von Lorenz Burkhalter
Gerade in Asien bläst Richemont derzeit ein kalter Wind entgegen.

Die Turbulenzen in Asien, vo Luxusgüterkonzerne in den letzten zehn Jahren besonders stark gewachsen sind, liessen im Vorfeld nichts Gutes erahnen. Allerdings wuchs Richemont in den ersten fünf Monaten des Fiskaljahres 2015/16 stärker als erwartet, in Europa und Japan prozentual sogar zweistellig. Rückblickend waren die meisten Analysten zu pessimistisch, was die Umsatzentwicklung anbetrifft.

Das macht sich auch an der Schweizer Börse SIX bemerkbar, haussiert die Richemont-Aktie zur Stunde doch um 6,9 Prozent auf 77 Franken. Im Windschatten davon klettert die Aktie der Rivalin Swatch Group um immerhin 2,9 Prozent auf 382,20 Franken. Wie Händler berichten, wurden namhafte Baissiers auf dem falschen Fuss erwischt und müssen ihre Wetten nun eindecken.

China überrascht positiv

Der für Kepler Cheuvreux tätige Analyst zeigt sich sichtlich erfreut über die solide Umsatzentwicklung. Beim organischen Wachstum seien die bankeigenen Schätzungen wie auch die Markterwartungen klar übertroffen worden. Europa und Japan hätten den Nachfragerückgang in Hongkong und Macau mehr als wettgemacht. Gut habe sich vor allem das Schmuckgeschäft sowie Uhren der Tochter Cartier entwickelt, so der Experte.

Als positive Überraschung wird jedoch vor allem die Nachfragebelebung im Schlüsselmarkt China bezeichnet. Der dortige Absatz sei wie auch in Europa und Japan prozentual zweistellige gewachsen, was der mit einem Kursziel von 100 Franken zum Kauf empfohlenen Aktie neues Leben einhauchen könnte.

Ungewissheit beim Gewinn bleibt

Wie die Zürcher Kantonalbank schreibt, hat Richemont mit dem Umsatzwachstum sowohl in Lokalwährungen als auch organisch positiv überrascht. Die Erwartungen seien vor allem dank eines starken Wachstums von 14 Prozent in den eigenen Boutiquen übertroffen worden. Der Grosshandel habe sich dagegen schwach entwickelt.

Im Konkurrenzvergleich macht Richemont dem Verfasser des Kommentars zufolge keine schlechte Figur. Er vergleicht das Wachstum mit jenem des Rivalen Tiffany sowie mit den Schweizer Uhrenexportstatistiken für die besagten Monate.

Da der Analyst Schätzungsunsicherheiten bezogen auf die Bruttogewinn- und die operative Marge für grösser als üblich hält und auf beide Seiten Überraschungspotenzial sieht, stuft er die Aktie weiterhin nur mit "Marktgewichten" ein.

Andere Banken fühlen sich vom Zwischenbericht in ihrer positiven Haltung für die Richemont-Aktie bestärkt, so unter anderem Bernstein Research ("Überdurchschnittlich" mit einem Kursziel von 96 Franken), J. Safra Sarasin ("Kaufen"), Baader Helvea ("Kaufen" mit einem Kursziel von 94 Franken) und die UBS Investmentbank ("Kaufen" mit einem Kursziel von 90 Franken). Sie alle finden lobende Worte für den vorliegenden Zahlenkranz.