Kursfeuerwerk bei der Sunrise-Aktie

Sunrise verfehlt die Gewinnerwartungen auch im dritten Quartal. Die mit der Publikumsöffnung betrauten Banken verteidigen die Aktie. Diese legt denn auch kräftig zu.
09.11.2015 12:54
Von Lorenz Burkhalter
Sunrise Communications wartet mit der dritten Ergebnisenttäuschung in Folge auf. Im Bild: Sunrise-Chef Libor Voncina.
Sunrise Communications wartet mit der dritten Ergebnisenttäuschung in Folge auf. Im Bild: Sunrise-Chef Libor Voncina.
Bild: cash

Der Börsenneuling Sunrisc Communications findet nicht aus den Negativschlagzeilen heraus. Der Telekommunikationskonzern wird im dritten Quartal zum Wiederholungstäter und verfehlt die Markterwartungen sowohl beim operativen Gewinn (EBITDA) als auch beim Reingewinn sehr deutlich.

Einziger Lichtblick sind die ermutigenden Aussagen zur Dividendenpolitik. So hält man beim Unternehmen am bisherigen Ziel einer Ausschüttung von mindestens 135 Millionen Franken fest. Davon lässt sich eine Dividendenrendite von knapp 5,5 Prozent ableiten.

Die Aussicht auf eine grosszügige Dividende scheint die Wogen etwas zu glätten, gewinnt die Aktie an der Schweizer Börse SIX zur Stunde 6,8 Prozent auf 56,80 Franken. Wie Händler berichten, wurden einige grosse Leerverkäufer auf dem falschen Fuss erwischt und zu Eindeckungstransaktionen gezwungen.

Bei der Bank Vontobel ist überraschend von einem soliden und über den bankeigenen Schätzungen liegenden dritten Quartal Ergebnis die Rede. Der Zahlenkranz zeige, dass die Angst vor einer Wachstumsverlangsamung im Mobilfunkbereich übertrieben sei. Die Aktie wird deshalb unverändert mit einem Kursziel von 85 Franken zum Kauf empfohlen.

Optimistische IPO-Banken

Der für die Credit Suisse tätige Analyst erachtet das Resultat zumindest als ermutigend. Der Druck auf die Umsatzentwicklung habe im dritten Quartal spürbar nachgelassen. Im Mobilfunkgeschäft seien bislang keine Anhaltspunkte für eine Wettbewerbsintensivierung nach Preisnachlässen des Rivalen Salt festzustellen, so schreibt er weiter. Bei der Schweizer Grossbank wird die Aktie von Sunrise mit "Neutral" und einem Kursziel von 57 Franken eingestuft.

Ähnlich zuversichtlich liest sich ein Kommentar der UBS Investmentbank. Darin begrüsst der Verfasser die auf der Kostenseite erzielten Fortschritte, welche auf Stufe operativer Gewinn (EBITDA) zu einer Margenverbesserung geführt hätten. Die Geschäftsentwicklung zeige, dass die Angst vor einem intensiveren Wettbewerb übertrieben seien. Nach den bisherigen Enttäuschungen erwartet der Analyst eine grundlegende Kurserholung. Dabei verweist er auf die intakten Dividendenaussichten und die Möglichkeit eines Zusammenschlusses mit dem Rivalen Salt. Auch bei der UBS Investmentbank wird am Anlageurteil "Buy" sowie am 78 Franken lautenden 12-Monats-Kursziel festgehalten.

Kursziele versprechen Aufwärtspotenzial

Bei Morgan Stanley zeigt man sich erfreut über den bestätigten Ausblick sowie das anhaltende Kundenwachstum. Die auf der Kostenseite erzielten Fortschritte seien positiv für die zukünftige Dividendenpolitik, so heisst es weiter. Die Aktie wird weiterhin mit "Overweight" sowie einem Kursziel von 80 Franken eingestuft.

Der für die Berenberg Bank tätige Berufskollege senkt sein Kursziel für die Aktie von Sunrise Communications auf 85 (90) Franken, bekräftigt allerdings ebenfalls seine Kaufempfehlung.

Händler geben jedoch zu bedenken, dass sowohl die UBS Investmentbank als auch die Berenberg Bank sowie Morgan Stanley im Frühjahr in den Börsengang des Telekommunikationskonzerns involviert waren. Alle diese Banken hätten eines gemeinsam: Ein optisch hohes Kursziel für die Aktie von Sunrise Communications ausstehen.