Kurssturz der Bankaktien drückt Schweizer Börse ins Minus

Kräftige Kurseinbussen der Bankaktien drücken die Schweizer Börse zum Wochenschluss ins Minus. Eine drohende 14 Milliarden Dollar schwere Busse für die Deutsche Bank belastet auch die Papiere von CS und UBS.
16.09.2016 17:35
Drohende weitere US-Bussen lasten am Freitag schwer auf den Aktien der beiden Schweizer Grossbanken (im Bild die CS in New York).
Drohende weitere US-Bussen lasten am Freitag schwer auf den Aktien der beiden Schweizer Grossbanken (im Bild die CS in New York).
Bild: Bloomberg

Gegen die Schweizer Grossbanken laufen in den USA ähnliche Verfahren. Der SMI sinkt bis Börsenschluss am Freitag um 0,7 Prozent auf 8130 Punkte. Am Donnerstag hatte der Leitindex 0,3 Prozent angezogen.

Neben den Implikationen der drohenden Strafe für den deutschen Branchenprimus galt das Hauptaugenmerk vieler Investoren weiterhin der US-Zinspolitik: In der weltgrössten Volkswirtschaft stieg die Inflation im August um 1,1 Prozent und damit stärker als erwartet. Anleger setzen daher zunehmend darauf, dass die Notenbank Fed im Dezember ihren Leitzins nach oben nimmt. Eine Zinserhöhung schon bei der Notenbanksitzung kommende Woche gilt nach zuletzt schwächeren Konjunktursignalen als unwahrscheinlich. Dennoch sorgt das Treffen für Gesprächsstoff: "Die Blicke der Anleger richteten sich bereits auf die kommende Woche und die dann anstehenden Notenbank-Entscheidungen in Japan und vor allem in den USA", sagt ein Marktteilnehmer.

Für Bewegung sorgte auch der grosse Quartalsverfall an der Terminbörse Eurex. Sowohl Index-Optionen und -Futures als auch Optionen auf einzelne Aktien werden fällig. Das sorgt oft für hohe Umsätze und zum Teil grosse Kursausschläge.

Grossbankentitel brechen ein

An der Schweizer Börse stehen Credit Suisse und UBS im Mittelpunkt. Nach einer Hiobsbotschaft für die Deutsche Bank sacken UBS 2,5 Prozent ab und Credit Suisse brechen 4 Prozent ein. Beide Werte gehören zu den grössten Verlierern unter den europäischen Bankwerten. An der Spitze der Verliererliste stehen mit einem Kursabschlag von gut 8 Prozent die Titel der Deutschen Bank.

Auch andere Finanzwerte stehen im Abseits. Die Anteile des Vermögensverwalters Julius Bär fallen um 1,7 Prozent. Die Versicherungstitel Swiss Life, Swiss Re und Zurich verlieren mehr als 1 Prozent an Wert.

Auch von konjunkturzyklischen Werten liessen die Investoren die Finger. Die Aktien des Personalvermittlers Adecco, des Zementproduzenten Lafarge-Holcim sowie der beiden Luxusgüterhersteller Richemont und Swatch verlieren bis zu 2 Prozent an Wert. Die Citigroup-Analysten haben des Kursziel für Richemont gesenkt.

ABB wurden um 0,8 Prozent tiefer gehandelt. Ein dritter Grossaktionär setzt die Spitze des Elektrotechnikkonzerns unter Druck. Nordea Asset Management äussert Zweifel, ob die Netzwerktechniksparte Teil des Schweizer Unternehmens bleiben sollte.

Pharma-Schwergewichte halten vergebens dagegen

Etwas Unterstützung für den SMI gibts von den als krisenfest geltenden Pharma-Schwergewichten. Die Novartis-Aktien sind gehalten. Das Medikament AMG334/Erenumab des Basler Arzneimittelherstellers reduzierte in klinischen Tests der Phase II die Zahl von Migräne-Fällen pro Monat um 50 Prozent. Bei Patienten, die ein Placebo erhielten, betrug der Rückgang nur 24 bis 40 Prozent. Ein Top-Manager von Novartis hatte zudem am Donnerstag einen Verkauf der Augenheil-Sparte Alcon nicht ausgeschlossen. Die Genussscheine von Rivalin Roche rücken 0,3 Prozent vor.

Unter Druck stehen hingegen die Nestlé-Aktien mit 0,9 Prozent Kursabschlag. Marktbeobachter brachten das auch mit dem Eurex-Verfall in Zusammenhang: Das Index-Schwergewicht hat massgeblichen Einfluss auf die Marktentwicklung.

Am breiten Markt geben die Logitech-Aktien 0,7 Prozent nach. Der Computerzubehörhersteller kauft der US-Firma Mad Catz Interactive für 13 Millionen Dollar in bar deren Saitek-Konsolen für Flugsimulator-Spiele ab.

Die Titel des Chemiekonzerns Clariant sinken nach einer Verkaufsempfehlung der HSBC-Analysten um 1,4 Prozent.

Dagegen steigen die Anteile des Heizkörper-Herstellers Zehnder mit Rückenwind durch eine Kurszielerhöhung des Brokers Kepler Cheuvreux um 3,5 Prozent.

(Reuters/cash)