«Kursverlauf europäischer Banken ist besorgniserregend»

Die Kurse der grössten Banken in Europa sind diese Woche kräftig abgerutscht.
17.06.2016 20:00
Hauptsitz der Credit Suisse am Paradeplatz in Zürich.
Hauptsitz der Credit Suisse am Paradeplatz in Zürich.
Bild: cash

Die Aktien der Deutschen Bank sowie von Credit Suisse haben am Donnerstag neue Rekordtiefs markiert. Darin spiegelt sich die Sorge der Investoren um die Wirtschaftsaussichten in Europa wider, nachdem die Federal Reserve ihren Zinsausblick gedämpft und zur Begründung auf Risiken wie einen möglichen Brexit verwiesen hatte.

"Der Kursverlauf der europäischen Banken ist wirklich besorgniserregend", sagte Lorne Baring, Fondsmanager von B Capital in Genf. "Wenn Banken ein Hauptindikator für die Lage in einer Region sind, bekommt man einen weiteren Grund zu denken, ’was zum Teufel ist in Europa los?’."

Deutsche Bank auf Stand 1992

Die Aktie der Deutschen Bank notierte am Donnerstag auf dem niedrigsten Stand seit mindestens 1992. Anteile der Credit Suisse brachen erenut kräftig ein, womit sich der Verlust im bisherigen Jahresverlauf auf etwa 48 Prozent erhöhte. Im 39 Mitglieder umfassenden Bloomberg Europe Banks and Financial Services Index, der zuletzt um 1,9 Prozent sank, gehörten spanische und italienische Banken zu den größten Verlierern.

Europas Banken sind Opfer eines erneuten Ausverkaufs am Markt geworden, während sich die Anleger zunehmend darum Sorgen machen, dass die Briten bei dem Referendum in der kommenden Woche für einen Austritt aus der Europäischen Union stimmen könnten. Das setzt den Finanzhäusern noch weiter zu. Credit-Suisse-Vorstandschef Tidjane Thiam und sein Amtskollege John Cryan bei der Deutschen Bank haben beide bereits damit zu kämpfen, das Vertrauen der Investoren und die Profitabilität wiederherzustellen, die unter volatilen Märkten, negativen Leitzinsen und einem Einbruch der Handelserträge leidet.

Auch italienische Banken gerieten unter Druck, weil sie als riskanter betrachtet werden als einige ihrer europäischen Wettbewerber, nicht zuletzt aufgrund der Belastung durch notleidende Kredite und der Bestände an Staatsanleihen. Titel von UniCredit fielen am Donnerstag bis zu 4 Prozent. Die größte Bank Italiens hat in diesem Jahr etwa 57 Prozent an Wert verloren, während Banco Popolare 74 Prozent einbüßte.

Brexit-Ängste dominieren

Sorgen über einen potenziellen Brexit treiben Anleger in sichere Anlagen wie deutsche Bundesanleihen. Die Fed-Vorsitzende Janet Yellen sagte am Mittwoch, das Referendum in Großbritannien sei ein Faktor bei der Entscheidung der Zentralbank gewesen, bei dem jüngsten Treffen in Washington die Leitzinsen unverändert zu lassen.

Etwa 53 Prozent der Wähler befürworten ein Verlassen der EU, während 47 Prozent einen Verbleib bevorzugen, ergab eine am Donnerstag veröffentlichte Umfrage von Ipsos Mori im Auftrag der Zeitung Evening Standard. Unentschlossene wurde nicht berücksichtigt. An der telefonischen Befragung vom 11. Juni bis 14. Juni nahmen 1257 Erwachsene teil. Es ist die jüngste in einer Reihe von Umfragen, die einen konstanten Vorsprung des Anti-EU-Lagers aufgezeigt haben.

"Brexit-Ängste sind ein Grund und ein starker Blickfang", sagte Boris Boehm, Portfoliomanager von Aramea Asset Management in Hamburg, der 2,1 Mrd. Euro an Anlagen mitverwaltet und auch Aktien der Deutschen Bank im Portfolio hat. "Aber ich denke, es ist ein Zusammenspiel allgemeiner Probleme" wie die Fed-Politik und der Lage der Weltwirtschaft, fügte er an.

(Bloomberg)