LafargeHolcim-Aktie knickt ein

LafargeHolcim enttäuscht die Analysten mit einem überraschend schwachen Ausblick für das zweite Halbjahr. Die Aktie setzt die jüngste Talfahrt ungebremst fort und fällt auf den tiefsten Stand seit Februar.
29.07.2015 13:48
Von Lorenz Burkhalter
Der letzte Zahlenkranz von Holcim als eigenständiges Unternehmen enttäuscht - der Ausblick noch viel mehr.

Die ernüchternden Resultate der beiden indischen Tochtergesellschaften ACC und Ambuja Cement hatten es erahnen lassen: Das Halbjahresergebnis des in Jona beheimateten Mutterhauses LafargeHolcim verfehlt die Markterwartungen sowohl beim Umsatz als auch auf den Stufen betrieblicher EBITDA und Reingewinn. Nur der Betriebsgewinn fällt etwas besser aus.

Als enttäuschend wird in Analystenkreisen vor allem der Ausblick bezeichnet. Auf das Gesamtjahr betrachtet erwartet LafargeHolcim einen um 10 Prozent unter dem bislang erwarteten Betriebsgewinn – und das unter Ausklammerung von Fusionskosten.

In der Folge fällt die Aktie an der Schweizer Börse SIX zur Stunde um 5,1 Prozent auf 65,90 Franken. Zuvor wurden mit 64,80 Franken so tiefe Kurse bezahlt wie seit Anfang Februar dieses Jahres nicht mehr. Beobachter berichten von grösseren Verkaufsaufträgen aus dem Ausland.

Jahresprognosen kommen nicht gut an

Der für die Zürcher Kantonalbank tätige Analyst zeigt sich in einem Kommentar wenig vom letzten Ergebnisausweis vor dem Zusammenschluss mit Lafarge überzeugt. Insgesamt sei in verschiedenen Märkten eine Investitionszurückhaltung zu spüren, was zu einer Anpassung der Gewinnprognose um 10 Prozent geführt habe, so schreibt er. Das ebenfalls vorliegende Ergebnis von Lafarge werde den Erwartungen ebenfalls nur knapp gerecht. Auch beim französischen Zementhersteller sei das bisherige Gewinnziel für das laufende Jahr um rund 4 Prozent nach unten revidiert worden.

Aufgrund der verhaltenen Kursentwicklung im Vorfeld der Ergebnispublikation wertet der Verfasser des Kommentars den Zahlenkranz als nur leicht negativ. Die Aktie stuft er weiterhin mit "Marktgewichten" ein.

Ähnlich äussert man sich bei Baader Helvea. Wie sich einem Kommentar entnehmen lässt, kommt die Ergebnisenttäuschung nach den bereits bekannten Ergebnissen von ACC und Ambuja Cement wenig überraschend. Es sei denn auch der Preisdruck in der Region Asien/Pazifik, welcher für das Verfehlen der Erwartungen verantwortlich sei, so der Verfasser. Er stuft die Aktie wie bis anhin mit "Hold" und einem Kursziel von 75 Franken ein.

Dividendenhoffnungen erfüllen sich nicht

Sein für die UBS Investmentbank tätiger Berufskollege zeigt sich nicht sonderlich von der schwächer als erwarteten Gewinnentwicklung überrascht. Auf Basis der im zweiten Quartal beobachteten Trends und des vorsichtigen Ausblicks rechnet der Analyst bei den Konsensschätzungen mit weiteren Abwärtsrevisionen.

Im Hinblick auf die zweite Jahreshälfte würden sowohl die vom Unternehmen erwarteten Synergien von mindestens 100 Millionen Franken, das um 200 Millionen Franken zusammengestrichene Investitionsbudget sowie die tiefer als erhoffte Dividende von 1,30 Franken je Aktie für Enttäuschung sorgen. Gerade was die Dividende anbetrifft hatte man bei der UBS Investmentbank mit einer Ausschüttung von 1,50 Franken pro Titel gerechnet, was sich mit den Schätzungen anderer Banken deckt. Die Aktie von LafargeHolcim wird vorerst unverändert mit "Neutral" und einem 12-Monats-Kursziel von 77 Franken eingestuft.

Die eher ernüchternden Aussagen des Unternehmens zur Dividendenzahlung vom kommenden Frühjahr sorgen auch im Berufshandel für Gesprächsstoff. Gerade nach dem Zusammenschluss von Holcim mit Lafarge hatte man sich auf eine grosszügigere Auschüttungspolitik eingestellt, so heisst es. In diesem Zusammenhang wird auch auf den Verkauf von Geschäftsaktivitäten in Milliardenhöhe verwiesen. Händler erachten die gedämpften Dividendenaussichten als eigentliche Enttäuschung am heutigen Tage.