Lagarde wird Europas wichtigste Wirtschaftslobbyistin

Jahrelang waren es Technokraten, die ökonomische Herausforderungen der Eurozone dirigierten. Noch vor der Übernahme durch Christine Lagarde ändert sich die Rolle des Präsidenten der EZB.
04.10.2019 21:04
Christine Lagarde mit Noch-EZB-Präsident Mario Draghi bei der Ankunft zu einer Konferenz der Zentral-, Ost- und Südosteuropa-Staaten in Frankfurt.
Christine Lagarde mit Noch-EZB-Präsident Mario Draghi bei der Ankunft zu einer Konferenz der Zentral-, Ost- und Südosteuropa-Staaten in Frankfurt.
Bild: Bloomberg

Die EZB hat ihr Pulver verschossen – und braucht daher Hilfe, wenn es darum geht, das Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Für die Spitze der Notenbank wird es immer wichtiger, Länder wie Deutschland mit diplomatischem Geschick zu politischen Kursänderungen zu ermutigen.

“Die Lage ist recht beunruhigend – die Geldpolitik ist ziemlich am Ende, das ist das große Problem”, sagte Klaus Baader, Chefvolkswirt bei Societe Generale. “Nun muss die Fiskalpolitik in die Bresche springen.”

Als frühere Finanzministerin kann Lagarde die Rolle als Europas wichtigste Wirtschaftslobbyistin wahrscheinlich besser ausfüllen als Mario Draghi, der nur vereinzelt versucht hat, im Rahmen der EZB-Pressekonferenz auf Regierungen Einfluss zu nehmen.

Als frühere Chefin des Internationalen Währungsfonds hat sie jahrelange Erfahrung mit wirtschaftspolitischer Einflussnahme auf die Regierungen der Welt.

“Was wir brauchen ist eine koordinierte Fiskalpolitik”, sagte Andrew Balls, Investmentchef für den Bereich Festverzinsliche bei Pimco, im Gespräch mit Bloomberg Television. “Das sehen die meisten Volkswirte so. Das Problem in Europa ist die politische Dimension. Deshalb ist der Chefposten der EZB nicht mit einem Geldpolitik-Experten besetzt sondern mit jemandem mit großer Erfahrung in der Politik.”

(Bloomberg)