Läuft Bitcoin dem Gold den Rang ab?

Die digitale Währung Bitcoin klettert am Mittwoch über 1000 Dollar. Ausgerechnet der Goldverarbeiter Degussa geht nun der Frage nach, ob der Bitcoin dem gelben Edelmetall den Rang abläuft.
27.11.2013 15:53
Von Lorenz Burkhalter
Der Bitcoin: Einst als "Hackerwährung" verschrien und nun im Höhenflug.
Der Bitcoin: Einst als "Hackerwährung" verschrien und nun im Höhenflug.
Bild: iNg

Noch vor wenigen Tagen sah alles danach aus, als ob der Höhenflug des Bitcoin zu Ende sei. Nach dem Anstieg auf 900 Dollar brach der Kurs innerhalb kurzer Zeit wieder unter 600 Dollar ein. Doch seither hat sich die digitale Alternativwährung wieder gefangen. Am Mittwochnachmittag kletterte der Bitcoin sogar erstmals über die 1000-Dollar-Marke, was der virtuellen Münze bereits in den letzten Tagen eine ziemliche Medienpräsenz beschert hatte. 

In der aktuellsten Ausgabe des einmal im Monat veröffentlichten Marktberichts geht nun ausgerechnet Degussa der Frage nach, ob der Bitcoin dem Gold den Rang abläuft. Wenig überraschend kommt der deutsche Goldverarbeiter zum Schluss, dass nichts am Edelmetall vorbeiführt.

Spekulation auf Gewinne

Die Nachfrage nach Bitcoin werde derzeit zum einen getrieben von der Erwartung, die digitale Einheit könnte zum «echten» Geld aufsteigen, also zum überlegenen Konkurrenten der etablierten Papierwährungen werden, so Degussa. Zum anderen würden Bitcoin-Käufer allerdings auch darauf spekulieren, dass der Wert des Internetgeldes gegenüber den Papierwährungen weiter steigen werde. Sie setzten also auf weitere Kapitalgewinne des Bitcoin.

Bitcoin-Nachfrager würden in der virtuellen Münze jedenfalls eine lohnende Diversifikationsmöglichkeit für ihre Geldhaltung sehen: Barmittel würden nicht nur in Euro oder Dollar, sondern auch in Bitcoin gehalten. Doch letztlich bestehe die Attraktivität des Bitcoin vor allem darin, über ein Tauschmittel zu verfügen, das dem Zugriff des Staates entzogen ist und dessen Wert nicht vom Staat manipuliert werden kann, so die Verfasser des aktuellen Marktberichts.

Damit verbunden sei auch die Aussicht, Transaktionen mit Bitcoin abzuwickeln und auf diese Weise beispielsweise staatlichen Repressalien wie der Mehrwertsteuer ausweichen zu können. Vollkommene Anonymität lasse sich allerdings auch mit dem Gebrauch von Bitcoin nicht erreichen: Derjenige, der Bitcoin per Überweisung von seinem Bankkonto aus erwerbe, hinterlasse nachvollziehbare Spuren.

Drohen Beschränkungen?

Die weitere Entwicklung des Bitcoin werde entscheidend von der Haltung abhängen, die die Staaten gegenüber der neuen Währung einnehmen würden. Eine Währung, auf die der Staat keinen beherrschenden Zugriff habe, wie es die Entwickler des Bitcoin anstreben, könnte daher staatliche Gegenmassnahmen nach sich ziehen. Degussa denkt in diesem Zusammenhang beispielsweise an Beschränkungen oder Verbote.

Sofern sich ein freier Währungswettbewerb einstelle, könnte der Bitcoin die relative Attraktivität gegenüber Gold und Silber verlieren. Denn das Edelmetall sei ebenfalls vor staatlichen Eingriffen geschützt. Ausserdem lasse sich ungehindert darüber verfügen. Und alleine schon aufgrund der physischen Beschaffenheit habe es gegenüber Geldarten wie zum Beispiel dem Bitcoin sogar Vorteile.

Und auch wenn es Degussa nicht konkret schreibt, so lässt man zumindest durchblicken, dass es sich beim Höhenflug des Bitcoin um reine Spekulation handelt. Allerdings darf aufgrund der Interessen des deutschen Goldverarbeiters auch nichts anderes erwartet werden.