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Lifescience - Wieso auch bei der Lonza-Aktie Vorsicht geboten ist

Analysten und Investoren finden bei einem Schweizer SMI-Konzern fast nur lobende Worte: Lonza. Aber auch beim an der Börse so verwöhnten Lifescience-Konzern gibt es Risiken.
27.09.2017 12:41
Von Marc Forster
Der Lonza-Hauptsitz in Basel.
Der Lonza-Hauptsitz in Basel.
Bild: ZVG

Seit Mitte 2012 hat sich der Kurs der Lonza-Aktie mehr als verfünffacht. Es ging praktisch nur bergauf: Grossereignisse wie das Ende des Euro-Franken-Mindestkurses im Januar 2015 oder das Brexit-Votum und die Trump-Wahl in Juni respektive November letzten Jahres hielten den Lauf des Lifescience-Titels nur jeweils kurz auf.

Allein in den vergangenen sechs Monaten legte der Kurs um 38 Prozent zu, einem Zeitraum, in welchem der Schweizer Blue-Chip-Markt um 6 Prozent wuchs. Zum weiteren Vergleich: Der Pharmatitel Roche entwickelte sich innerhalb dieser sechs Monate mit -2,4 Prozent negativ, Novartis legt um 12,2 Prozent zu.

Der Erfolgslauf der Lonza-Aktie in den vergangenen fünf Jahren (Grafik: cash.ch)

In- und ausländische Analysten empfehlen die Aktie zum Kauf. Hervorgestrichen wird die solide Marktstellung von Lonza als Auftragshersteller für die Gesundheitsindustrie und als Spezialist für chemische Mittel. Das Unternehmen habe aber auch die Kosten im Griff.

Die Experten sehen dies als Verdienst von Konzernchef Richard Ridinger, der seit Mai 2012 am Steuer der Unternehmensgruppe sitzt. Das ist übrigens in etwa der Zeitpunkt, zu dem der Aktienkurs zu steigen begann. Davor war Lonza allerdings auch ein kriselnder Konzern mit vielen Baustellen, auf denen Ridinger in den vergangengen fünfeinhalb Jahren vielerorts aufräumte.

Nachlassende Dynamik?

Eine der ganz wenigen Ausnahmen bei den Kauf-Empfehlungen ist die Bank Vontobel, die ein "Hold" auf Lonza ausstehen hat. Allerdings wurde im August das Kursziel deutlich von 198 auf 246 Franken angehoben (damaliger Kurs: 218 Franken, aktueller Kurs: 244 Franken). Die kritische Betrachtung von Lonza hielt Vontobel in einem Marktkommentar fest: Lonza werde zwar ein starkes Gesamtjahr 2017 erleben, aber der Trend im Bereich Biopharma dürfte 2018 und 2019 etwas nachlassen, weil neue Gebäude für diese Spart in Visp VS erst 2020 fertiggestellt würden.

Es existieren durchaus kritische Punkte bei Lonza. Zunächst einmal: Bei allen Diskussionen, wie sehr man in der heutigen Marktlage die Bewertung nun beachten solle oder nicht - ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 28 ist hoch. Für 2018 wird es auf moderatere 24 geschätzt, unter der Voraussetzung, dass die Erträge weiter gut wachsen. Allerdings gelten Umsatz- und Gewinnprognosen bei Lonza als schwierig.

Risiken im Hinterkopf behalten

Der Kauf des amerikanischen Herstellers für Hartkapseln Capsugel, der Ende 2016 für 5,5 Milliarden Dollar angekündigt würde, ist aus Sicht des Marktes ein Erfolg und der richtige Schritt für Lonza. Allerdings gibt es bei der Integration einer grossen Tochtergesellschaft immer Risiken und Probleme. Sollten, nachdem die Übernahme im vergangenen Juli vollzogen wurde, die damit verbundenen Ziele nicht rechtzeitig erreicht werden, brächte dies den Aktienkurs ins Rutschen. Schon nächstes Jahr sollen Synergien operativ wirksam sein.

Daneben ist Lonza von der Konjunktur in den Weltmärkten abhängig und lebt mit den Risiken, die sich aus der Abhängigkeit von grossen Kunden aus der Pharmabranche ergeben. Dazu bestimmten Zulassungen für Wirkstoffe und Medikamente das Gesundheitsgeschäft, auch wenn Lonza als Auftragsnehmer etwas weniger betroffen ist als die Pharmabranche selbst.

Alles in allem können Anleger noch eine gewisse Zeit darauf setzen, dass sich ihr Investment in Lonza lohnt. Die Erwartung guter Jahresergebnisse, die am 31. Januar vorgelegt werden, dürfte den Kurs noch weiter antreiben. Allerdings braucht es bei einer hochfliegenden Aktie nicht allzuviel, um den Trend umzudrehen. Das haben viele Halbjahresergebnisse kürzlich gezeigt. Daher sollten Anleger bei allen Freuden, die Lonza ihnen bereitet, auch argwöhnisch die Risiken im Auge behalten.